Von Marion Hirche

Die Bauern des Landkreises Spree-Neiße haben sich am Freitag zum Verbandstag in Heinersbrück getroffen. Mehr als die Hälfte der 80 Mitglieder war anwesend. Die Landwirte nutzten die Aussprache, um gegenüber der Politik ihren Standpunkt klar zu machen. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hörte so von der Dürre, Millionenverlusten und holprigen Soforthilfen. Doch trotz aller Probleme, die sie derzeit umtreiben, schauen die Bauern nach vorn.

Frank Schneider, Kreisvorsitzender und Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Heinersbrück eG, fasst die Probleme des vergangenen Ernteabschnittes zusammen: „Wir hatten 2018 mit einem Extremjahr zu kämpfen. Die Dürre hat für Millionenschäden gesorgt. Wir hatten die zweitschlechteste Erntebilanz seit der Wende. Natürlich gab es auch diesmal ein Risikomanagement, aber das allein reichte nicht. Wir wurden leider wieder zum Bittsteller degradiert, dabei sind wir doch diejenigen, die für die Ernährung der Bevölkerung sorgen sollen.“

Er sprach das Fünf-Millionen-Euro-Soforthilfsprogramm des Landes an. Dies konnte seinen Aussagen zufolge mancher nicht in Anspruch nehmen, weil das Geld erst vorgestreckt werden musste. Beim Bundeshilfsprogramm kritisierte der Kreisvorsitzende Schneider, dass  Antragsteller ihre gesamten Vermögensverhältnisse offenlegen mussten. Daraufhin stellte Staatssekretärin Carolin Schilde klar, dass es eine ausdrückliche Forderung des Bundes gewesen sei, nur Existenz bedrohten Betriebe die Unterstützung zukommen zu lassen. Das stieß auf viel Unverständnis unter den Kreisverbandsmitgliedern. Udo Gubela, Mitinhaber der Udo Gubela und Dennis Gubela GbR Landwirtschaft Burg, sagte dazu: „Mein Antrag auf Unterstützung wurde abgelehnt, weil ich in einer anderen Gesellschaft Gewinne erzielt habe. Dabei hatte ich mit meinem Landwirtschaftsbetrieb die gleichen Verluste wie alle anderen. Das ist für mich nicht nachvollziehbar.“

Aber nicht nur bei der Soforthilfe fühlen sich die Spree-Neiße-Bauern allein gelassen: Frank Schneider klagte, dass die Landwirte mittlerweile für alle möglichen Probleme in der Natur verantwortlich gemacht würden. Dabei, so betonte Frank Schneider, bringen sich die ehrenamtlichen Vertreter des Verbandes in zahlreichen Gremien ein, um Lösungen zugunsten von Natur und Umwelt etwa bei der Nutztierhaltung und der Düngemittelverordnung des Landes zu erreichen. Der Vorstand habe für die Mautbefreiung von Traktoren gekämpft, habe Ideen zum Wassergesetz und zur Milchmarktentwicklung eingebracht.

Aber auch der Strukturwandel berührt die Bauern. So machte der Kreisvorsitzende deutlich: „Ich gehe davon aus, dass der Tagebau plangerecht weiterläuft, damit die in Anspruch genommenen landwirtschaftlichen Flächen in der Bergbaufolgelandschaft wieder hergestellt werden.“ Darüber hinaus forderte er einen besseren Schutz der Landwirtschaftsflächen vor Wölfen. Mit Blick auf die anstehende Europawahl betonte Schneider: „Es kann nicht sein, dass wir künftig mit unseren Mehrfamilienbetrieben gegenüber den kleinen Familienbetrieben in anderen Regionen benachteiligt werden.“

In der Diskussion sprach der Vorsitzende der Bauern AG Neißetal, Bernd Starick, von alarmierenden Entwicklungen: „Wir bauen jetzt zum letzten Mal Zuckerrüben an. Das ist einer großer Verlust, diese wichtige Frucht ist nicht mehr gefragt. Negative Entwicklungen gibt es auch bei der Tierhaltung. Immer weniger Schweine werden gehalten. Wir sind verantwortungsbewusste Tierhalter und sorgen für das Wohl unserer Tiere. Wir öffnen unsere Ställe für jeden, dann kann sich jeder davon überzeugen.“ Große Zustimmung fand er unter den Verbandsmitgliedern mit seinen Worten: „Wir sollten uns aktiv in den Strukturwandelprozess hier in unserer Region einbringen.“

Jörg Gläser von der Ökologischen Agrarproduktion Kahsel GmbH beklagte, dass Bauern Fördermittel nur noch bekämen, um die Preise für Produkte klein zu halten. Zudem appellierte er für mehr Insekten- und Artenschutz vonseiten der Bauernschaft, wie etwa durch das Anlegen von Blühstreifen. Der Vorsitzende des Landesbauernverbandes, Henrik Wendorff, versicherte Unterstützung der Brandenburger Bauernschaft. „Wir gehen die geplante Volksinitiative zum Insekten- und Artenschutz positiv an und werden uns dort einbringen.“

Landesvater Woidke machte den Anwesenden Mut und versicherte, dass die Landesregierung die Landwirtschaft unterstützt. „Wir stehen auch weiterhin zur Landwirtschaft.“  Der Spree-Neiße-Umweltdezernent  Olaf Lalk (CDU) kündigte die Fortsetzung der Schulungsangebote an und sagte Unterstützung bei der Bearbeitung von Förderanträgen für Bauern zu.