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Sport in der besten Verpackung

Forst. Zwei Neuerungen gab es beim 10. Reit- und Radturnier, die beibehalten werden sollen: die Sitzplatzfreiheit und ein wenig Rummel. Jürgen Scholz

Insbesondere Familien lockten die Fahrgeschäfte schon am Freitagnachmittag ins Stadion. Traditionell eher eine Zeit, in der die Reiter trotz freien Eintritts eher unter sich blieben. In diesem Jahr waren es nach Veranstalterangaben etwa 600 Besucher. Nur 800 sind laut PSV-Sprecherin Karin Menzel am Samstag gekommen, am Sonntag wurde die Besucherzahl offiziell mit 1500 angeben. Ein nahezu ideales Wetter spielte dieses Mal mit. Neben den Samstagsspringen blieb auch das Jubiläumsfest am Abend wohl wegen der kühlen Temperaturen mit etwa 300 Gästen unter den Erwartungen.

Durch die Abschaffung einer festen Sitzplatzbindung gab es mehr Menschen auf den Tribünen, was auch den optischen Eindruck verbesserte. In den Vorjahren wirkte das Stadion allein schon deshalb halb leer, weil viele Sitzplätze auf den Tribünen unbesetzt blieben. Häufig waren die Karten Geschenke von Sponsoren, und die Beschenkten wegen schlechten Wetters oder anderer Gründe nicht gekommen. Bilder von einem Turnier mit leeren Rängen, das kommt bei Sponsoren nicht gut an.

Spätestens der Sonntag zeigte, wie es auch geht. Nicht nur im Sinne der Sponsoren. Doch die braucht man, wenn man weiter zu den Top-Turnieren in Berlin-Brandenburg gehören will. Mittlerweile sind drei Turniere vom Preisgeld her betrachtet an Forst vorbeigezogen. Aber den jetzigen Status will man halten, bekräftigte der für Reitsport zuständige PSV-Vizepräsident Hagen Ridzkowski. Dafür braucht man 150 000 bis 160 000 Euro. Den Samstag könne man mit Promis zum Anfassen attraktiver machen, deutete er eine Idee an.

Reitsportlich gesehen war das Teilnehmerfeld ohnehin kaum noch zu übertreffen, erkannten auch Kenner der ostdeutschen Reitszene an. Für einen Jubiläumsvergleich waren nahezu alle bisherigen Gewinner des Großen Preises gekommen, mit Ausnahme von André Thieme, der erst vor Kurzem in den USA gestartet war. Nach den Samstagsspringen der Besten war der Schwede Rolf-Göran Bengtsson eigentlich auch der Favorit auf den Sieg des Großen Preises der Sparkasse Spree-Neiße. Doch in einem Stechen mit vier hervorragenden Konkurrenten zog er durch einen Abwurf den Kürzeren und wurde nur Dritter. Lars Nieberg war zwar etwas langsamer als Bengtsson, blieb aber fehlerlos - und war mehr als zwei Sekunden schneller als der Zweitplatzierte Paul Wiktor, der auch zwei fehlerfreie Ritte hinlegte.

Nicht weniger spannend war es beim Herbstpreis der Steher, wo der Cottbuser Nico Heßlich 87 Runden lang viele Attacken abwehren konnte, bis bei einer der zahlreichen Attacken von Stefan Schäfer Heßlich den Kontakt zur Rolle von Schrittmacher Heinz Spielmann verlor. Die Forster wollten es wissen: Zunächst übernahm Stefan Schäfer die Führung, die ihm drei Runden später Franz Schiewer streitig machte. Lachender Vierter war wieder Giuseppe Atzeni, der sich aus dem hinteren Teil des Feldes beharrlich nach vorn gekämpft hatte und zwei Runden vor Schluss die Führung übernahm. Schäfer wurde Zweiter, Schiewer Dritter und Heßlich Vierter.