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| 16:18 Uhr

Fußball
Kicken ist der beste Deutschkurs

 Der erste Test für die neuen Bälle vorm Nachmittagstraining: Stolz posierten die Forster Löwen mit den neuen Shirts und dem neuen Logo.
Der erste Test für die neuen Bälle vorm Nachmittagstraining: Stolz posierten die Forster Löwen mit den neuen Shirts und dem neuen Logo. FOTO: Angela Hanschke
Forst . Mit Erfolg starten Forster Löwen. Unterstützung kommt jetzt vom Verein „Demokratie leben“. Von Angela Hanschke

Das Büro von Stadtteilmanagerin Kathleen Hubrich in der Bahnhofstraße ist am Samstagmorgen beinahe aus allen Nähten geplatzt. Drinnen drängen sich die Forster Löwen – Mitglieder einer Fußball-Freizeitmannschaft, die aus zwei Dutzend Spielern aus Afghanistan, aus Syrien, Pakistan und Afrika besteht. Die meisten leben in Forst. Einige reisen auch aus Peitz und Guben an. Alle vereint der Wunsch nach dem gemeinsamen Kicken. Das wollen sie auch äußerlich mit dem Mannschaftstrikot zeigen. Trikots, Bälle und Taschen können sie entgegennehmen und zwei Werbe-Banner für Auswärtsspiele.

Finanziert wird die Anschaffung durch das bundesweite Förderprogramm „Demokratie leben“. „Dieses Projekt ist eines von vielen, die wir begleiten“, so Kathleen Hubrich, während die Spieler die sonnengelben Trikots anprobieren. Auf allen prangt das neue Logo mit dem markanten Löwenkopf. „Entworfen hat es ein Student von der BTU Cottbus“, sagt der Forster Textil- und Werbegestalter Daniel Heyne, der für das Layout verantwortlich ist. In der Heraldik, aber auch in vielen Kulturen symbolisiert der Löwe Mut, Kraft und Herrschaftsanspruch.

Unbestritten ist, dass die Forster Löwen auf dem Rasen einen guten Eindruck hinterlassen. „Im vergangenen April erhielten wir die Einladung zu einem Turnier in Cottbus. Ich fragte Freunde, um eine Mannschaft zu gründen“, sagt Team-Trainer Murtaza Alizada (30). Das sei die Geburtsstunde der „Forster Löwen“ gewesen, die nach diesem Einstand einen Mittelfeldplatz erreichten. In Frankfurt (Oder) belegten sie den dritten Platz, siegten beim Spremberger Integrationsturnier, belegten mit den Löwen und dem Team Soccer Forst den ersten und zweiten Rang. In Berlin erreichten sie beim „European Futsal Tournament“ mit 16 Mannschaften aus ganz Europa einen respektablen zehnten Platz. „Beim Freundschaftsturnier, das ich in Forst organisiert habe, haben wir gegen Yaran Frankfurt (Oder), Adler Spremberg und Sturm Cottbus gespielt und belegten den Vizeplatz“, berichtet Murtaza Alizada. Co-Trainer Morteza Rezaic nennt er zuerst bei der Frage nach den größten Stützen. Ebenso Gul Ahmad Baharakzada, Issa Mouhammad, Mezal Bandar, Abdul Star Asehrafi, Hos-
seini Jawad, Nauani Farhad und Hosini Said Yusef.

Wie klappt aber das Miteinander der verschiedenen Religionen und Nationen? „Wir kommen gut miteinander klar. Der Wille zum Fußballspielen verbindet uns“, sagte Gul Ahmad Baharakzada (30), der sehr gut deutsch spricht. „Ich habe viel geübt“, sagt er. Seit drei Jahren lebt er in Deutschland, davon sechs Monate in Forst. Inzwischen hat er den Sprachkurs B 1 abgeschlossen und lernt in Cottbus für den Abschluss der neunten Klasse. In der Mannschaft koordiniert er die Teilnahme der Spieler an Treffen und Turnieren.

Murtaza Alizada ist jemand, der immer etwas „ankurbelt“. Seit dem vergangenen Sommer lebt er in Forst. Bereits in der DRK-Erstaufnahmeeinrichtung Wünsdorf stellte er eine kleine Mannschaft zusammen, arbeitete auf freiwilliger Basis in der Fahrradwerkstatt und bei der Pflege der Außenanlagen. Später engagierte er sich als Spieler beim SV Herzberg, in Forst beim SV Lausitz und nun wie der größte Teil des Teams beim TV 1861 Forst. Kathleen Hubrich hatte ihnen geholfen, dass sie bei diesem Verein einen Platz zum Trainieren und Kicken fanden, sagt der Coach. Lob gibt es auch für die gute Integration beim ESV 1990 sowie Vereinschef Heido Briesemann. Viel Unterstützung hatten die Forster Löwen durch die Sozialarbeiter des Wohnverbundes in der Mühlenstraße.

Die Suche nach einer Turnhalle bleibe noch ein dringendes Anliegen, so Murtaza Alizada. Und seine Ausbildung zum Trainer. Die Mannschaft habe er gegründet, damit sich die Flüchtlinge von Problemen und Sorgen ablenken können, die Freizeit sinnvoll nutzen und deutsch sprechen. „Das Spielen ist ein Deutschkurs. Der allerbeste Deutschkurs!“, betonte er.

Eine Würdigung seiner Arbeit gab es beim Ehrenamtsempfang des Landkreises Spree-Neiße im Dezember des vergangenen Jahres. Seine größten Wünsche wären: „Wenn deutsche Fußballer mit uns spielen und trainieren würden. Und natürlich die Teilnahme am deutschen Spielbetrieb.“