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| 16:02 Uhr

Historie
Rollböcken der „Jule“ auf der Spur

Rainer Vogel von der Firma Sensys aus Bad Saarow sucht mit dem Elektromagnetik-Messsystem den Boden am alten Stadtbahnhof ab, unter dem sich eine der Rollbockgruben befunden hat.
Rainer Vogel von der Firma Sensys aus Bad Saarow sucht mit dem Elektromagnetik-Messsystem den Boden am alten Stadtbahnhof ab, unter dem sich eine der Rollbockgruben befunden hat. FOTO: Steffi Ludwig / LR
Forst. Spezialfirma suchte unterirdisch historische Technik der Forster Stadteisenbahn.

Die Forster Stadteisenbahn „Schwarze Jule“ feiert in diesem Jahr 125. Jubiläum – warum sollte man dazu nicht die Forschungen vorantreiben?, sagten sich Mitglieder des Museumsvereins. Was laut Frank Henschel mehr oder weniger als Schnapsidee entstand, wurde am Dienstagnachmittag Wirklichkeit: Mitarbeiter der Firma Sensys aus Bad Saarow untersuchten das Gelände des alten Stadtbahnhofes nach Überresten alter Rollböcke. Diese flachen Wagen waren eine Besonderheit der Forster Industriebahn und ermöglichten es, die normalen Bahnwaggons aufzunehmen, ohne sie umzuladen. Die Güter konnten so auf den schmaleren Schienen der Stadt bis in die Tuchfabriken oder den Schlachthof gefahren werden.

„Es geht quasi darum herauszufinden, wo die drei Rollbockgruben genau verortet sind“, bringt es Kristian Schmidt, Vorsitzender des Museumsvereins, auf den Punkt. 1965, als die Forster Stadtbahn geschlossen wurde, seien auch die Rollbockbahnen zugeschüttet worden. Das Gelände sei jetzt allerdings in privater Hand beziehungsweise der der Insolvenzverwaltung, weshalb es auch eine Genehmigung zum Betreten benötige. „Deshalb wird auch vorerst nicht gegraben werden können“, sagt Schmidt schmunzelnd.

Dafür kann die Technik, die eigentlich zur Kampfmittelsuche entwickelt wurde, unterirdisch orten. Rainer Vogel von Sensys fährt dazu mit einem Messwagen, genannt Elektromagnetik-Messsystem, das Gelände ab. „Das Gerät misst die Leitfähigkeit im Boden. Diese wird durch einen Metallkörper verändert und kann deshalb von uns erkannt werden“, berichtet er. Mit einem Speicherstick werden die Daten aufgezeichnet. Kollege Gordon Konieczek steckt diesen an einen Laptop und kann so eine bunte Landkarte erkennen. „Die roten Farbkleckse weisen auf metallische Körper hin – der große könnte sogar vier Meter breit und sechs Meter lang sein“, so Konieczek. Etwas groß für einen Rollbock, bedauert Kristian Schmidt.

Aber die Technik kann unterscheiden, ob es sich um eine schmale Schiene oder einen breiteren Rollbock handelt. Das kann die zuerst angefragte Technik des Kampfmittelbeseitigungsdienstes nicht. Deshalb hatte der heimatgeschichtlich interessierte Sprengmeister Enrico Schnick auch den Kontakt zur Firma Sensys vermittelt, die oft auch für den Kampfmitteolbeseitigungsdienst arbeitet. „Denn unsere Sonde hätte wegen der Schienen sofort ausgeschlagen und keinen Unterschied zum Rollbock gemacht“, so Schnick, der die Untersuchung gespannt verfolgt.

Immerhin hat die Messung und der Vergleich mit alten Karten am Dienstag gezeigt, dass sich eine Rollbockgrube weiter hinten befindet und nicht unter dem Beton, wie zunächst angenommen. Und dass der große rote Farbklecks Betonplatten mit Metallarmierungen sind, durch die die Spezialfirma nicht durchmessen kann. Ob sich dahinter oder darunter etwas verbirgt, müssten weitere Untersuchungen zeigen, so Frank Henschel. „Es gibt ein paar Verdachtsflächen, aber keine heiße Spur.“ Der Museumsverein wolle sich die Ergebnisse nun in Ruhe anschauen und weitere Schritte überlegen.

„Unsere Vision ist natürlich, die Rollböcke, wenn es welche gibt, herauszuholen, aufzuarbeiten und auszustellen“, so Kristian Schmidt. Denn originale Rollböcke aus dem Esslinger Werk hat der Museumsverein keine mehr gefunden. Deshalb haben die Forster zwei Rollböcke der früheren Ottenser Industriebahn in Hamburg erworben, um die Technik zum „Jule“-Jubiläum am 26. Mai präsentieren zu können.

Gordon Konieczek mit einem Teil der Messergebnisse: Der große rote Bereich links unten zeugt von einem massiven, leitenden Körper.
Gordon Konieczek mit einem Teil der Messergebnisse: Der große rote Bereich links unten zeugt von einem massiven, leitenden Körper. FOTO: Steffi Ludwig / LR