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| 17:59 Uhr

Ärger mit Verkehrslärm
SPD will Tempo 30 in Döbern

FOTO: Julian Stratenschulte
Döbern. Argumente sind Sicherheit für Schüler, Lärmschutz für Anwohner. Landkreis sieht kaum Chancen. Von Katrin Kunipatz

Lkw, die zu schnell und deshalb zu laut durch Döbern brettern, stören die Anwohner der Forster und Muskauer Straße. Frank Mader ist einer von ihnen. Der gebürtige Döberner lebt in einem Haus, das 1895 errichtet wurde, und an die B 115 grenzt. „Wenn Lkw auf der Straße vorbeifahren, wackelt die Dielung und das ganze Haus vibriert“, berichtet Mader. Bei seinen Nachbarn sei es ähnlich. Hinzu komme der Lärm, den vorbeifahrenden Lkw verursachen. In den zurückliegenden drei Jahren, so schätzt Mader, habe der Verkehr auf der Bundesstraße stark zugenommen.

Die SPD-Fraktion der Stadtverordnetenversammlung hat sich des Problems angenommen. Sie fordert, dass Lkw auf der B 115 in Döbern nur noch 30 km/h fahren dürfen. Weiterhin soll geprüft werden, ob bauliche Veränderungen an der Forster und der Muskauer Straße möglich sind, damit Lkw gezwungen werden, langsamer durch den Ort zu fahren. Fraktionsvorsitzender Mario Handrek will, dass der Antrag im nächsten Bauausschuss sowie in der nächsten Stadtverordnetenversammlung beraten wird.

Das Thema Tempo 30 ist keinesfalls neu für Döbern. Immer wieder gibt es Beschwerden über Straßenlärm. Zur Sicherheit der Schulkinder wurden an der Ringstraße 2017 Tempo-30-Schilder aufgestellt. Eine Möglichkeit, die der Gesetzgeber vor sozialen Einrichtungen und Schulen geschaffen hat, erläutert Reiner Ohm. Er ist als Sachbearbeiter Verkehr beim Landkreis unter anderem für Döbern verantwortlich. „Grundsätzlich legt die Straßenverkehrsordnung 50 km/h als zulässige Höchstgeschwindigkeit in Ortschaften fest“, so Ohm weiter. Davon dürfe nur in begründeten Fällen abgewichen werden, etwa bei unfallträchtigen Stellen. Aber jeder einzelne Fall müsse vor Ort genau betrachtet werden, erklärt der Sachbearbeiter.

Für die B 115 in Döbern habe der Landkreis auf Antrag des in Döbern lebenden Bundestagsabgeordneten Klaus-Peter Schulze (CDU) zu Beginn dieses Jahres den Lärmpegel an der Bundesstraße ermittelt. Grundlage dafür sind Daten der Bundesverkehrszählung von 2015. Aus dem Verkehrsaufkommen und der Nähe des Hauses zur Straße werde der Wert berechnet, erklärt Sabine Pohle, Sachgebietsleiterin öffentliche Ordnung, Personenstandswesen und Verkehr. Ausgewählt wurde die Muskauer Straße 5, weil sich das Gebäude am dichtesten an der B 115 befindet. Am Tag liege der Wert mit rund 67 dB unter dem zulässigen Grenzwert von 72 dB. Für die Nachtstunden wurde ein Lärmpegel von rund 61 dB ermittelt. Erlaubt sind 62 dB. Die Verkehrsgeräusch bewegen sich im erlaubten Rahmen, selbst wenn das Empfinden der Anwohner anders sein könne, so Pohle.

Selbst das Verkehrsaufkommen habe sich in Döbern in den zurückliegenden Jahren wenig verändert. Die Bundesverkehrszählung, aus der Reiner Ohm zitiert, ermittelt an einem durchschnittlichen Tag im Jahr 2005 4317 Fahrzeuge, 2010 waren es 4581 und 2015 sogar nur 3816. Eine Geschwindigkeitsmessung führte der Landkreis zum letzten Mal vor vier Jahren durch, so Sabine Pohle. Im Mittel passierten Lkw mit 52 km/h den Ort, Pkw durchschnittlich mit 53 km/h. Doch 15 Prozent der Lkw fahren mit mehr als 57 km/h durch Döbern. Der schnellste wurde mit 96 km/h registriert. Die beiden stationären Blitzer am nördlichen und südlichen Ortseingang scheinen wenig auszurichten. Mobile Geschwindigkeitskontrollen dürften Polizei und Landkreis gerade nachts, aus Sicherheitsgründen nicht durchführen, so Sabine Pohle. Und über bauliche Veränderungen entscheide allein der Landesbetrieb als Straßenbaulastträger. Jedoch gebe es entlang der Forster Straße bereits zwei Querungshilfen und direkt am Busplatz eine Ampel. Diese ist so angepasst, dass sich die Grünphase verlängert, wenn mehr Fußgänger an der Ampel warten.

Eine besondere Gefahrenlage an der B 115, die eine Reduzierung der Geschwindigkeit erlaube, könne Ohm nicht erkennen. Er verweist auf die Straßenverkehrsordnung, die gegenseitige Rücksichtnahme von allen Verkehrsteilnehmer fordert.