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| 07:43 Uhr

Bürgermeisterwahlen
Spannendes Experiment in Forst, Abwahl in Drebkau

Stimmabgabe in Schipkau: Hier setzte sich der Amtsinhaber im Rennen um den Bürgermeisterposten durch.
Stimmabgabe in Schipkau: Hier setzte sich der Amtsinhaber im Rennen um den Bürgermeisterposten durch. FOTO: Jan Augustin / LR
Forst, Guben, Drebkau, Schipkau. Bei den Bürgermeisterwahlen in der Lausitz hat es am Sonntag manche Überraschung gegeben. Eine erste Erkenntnis: Köpfe sind wichtiger als die Parteizugehörigkeit. Und in Forst wird künftig ein frischer Wind im Rathaus wehen. Von Bodo Baumert

In Guben, Forst, Drebkau und Schipkau waren die Bürger am Sonntag aufgerufen, neben dem Landrat auch gleich einen neuen Bürgermeister zu wählen, aus unterschiedlichsten Gründen. Einen eindeutigen Sieger hat es dabei vorerst nur in Schipkau gegeben.

Mit großem Vorsprung hat Amtsinhaber Klaus Prietzel (CDU) die Bürgermeisterwahl in Schipkau gewonnen. Der 50-Jährige siegte mit 58,5 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 59,8 Prozent. Der erwartete Gang in die Stichwahl bleibt Klaus Prietzel mit diesem Ergebnis erspart. Abgeschlagen auf den Plätzen landeten seine fünf Herausforderer Ingo Hubatsch (AfD), Ringo Jünigk (Linke), Sven Irrgang (SPD), Cornelia Müller (patrteilos) und Steffen Fiebig (parteilos).

Spannend wird es in den drei Spree-Neiße-Gemeinden.

Vor allem in Forst entwickelte sich der Wahlabend zu einem Krimi. Nach dem Abwahlbegehren der Stadtverordneten und dem Amtsverzicht des erkrankten Jung-Bürgermeister Philipp Wesemann (SPD) hatte sich hier von Anfang an ein Wahlkampf mit ungewissem Ausgang angedeutet. Fünf Kandidaten standen den Bürgern zur Auswahl, ein heterogenes Bild, wie man es selten bei einer solchen Wahl hatte. Ingo Paeschke, stadtbekanntes Gesicht der Linken, hatte das Abwahlbegehren gegen Wesemann angeführt. Bei den vorherigen Wahlen war er zweimal im Ringen um den Bürgermeisterposten gescheitert. Trotzdem trat er nochmal an. Die CDU nominierte mit Helge Bayer ein stadtweit nicht ganz so bekanntes Gesicht. Erst seit 2015 sitzt der Anwalt in der Stadtverordnetenversammlung. Hinzu kamen parteilose Bürger, die zwar als Köpfe in der Öffentlichkeit mehr oder weniger bekannt waren, aber nicht als Politiker. Gärtnermeister Thomas Engwicht aus dem gleichnamigen Familienbetrieb, eine Tradition in Forst. Aimo Bartel, der das erfolgreiche Historienspektakel Johannes Gaudium mit ins Leben gerufen hat. Und Simone Taubenek, eng verbunden mit dem in Forst ebenfalls wichtigen Polizeisportverein.

Bis auf Aimo Bartel lieferten sich am Wahlabend alle ein spannendes Rennen. Vier Kandidaten schafften es auf über 20 Prozent. Wenige Hundert Stimmen trennten den Viertplatzierten vom Sieger. In die Röhre gucken mussten am Ende die beiden Parteivertreter Bayer (CDU) und Paeschke (Linke). Das Rennen gemacht hatten Engwicht und Taubenek. Wer von beiden sich in der Stichwahl am 6. Mai durchsetzen wird, ist völlig offen. Wer lockt die konservativen CDU-Wähler in sein Lager, wer die an sozialen Themen interessierten Linken?

Ganz anders das Bild in Guben. Auch hier war die Situation nach dem Tod des umstrittenen und zuletzt suspendierten Bürgermeisters Klaus-Dieter Hübner (FDP) völlig offen. Fred Mahro (CDU) hat die Amtsgeschäfte während Hübners Abwesenheit seit Jahren gemanagt. Aber reicht das zum Wahlsieg? Hübners FDP unterstützte den parteilosen Harald Knoll, die Linke den ebenfalls parteilosen Peter Stephan. Die in Guben zuletzt starke AfD hatte Daniel Münschke nominiert. Am Ende verpasste Mahro den Wahlsieg mit 48,7 Prozent knapp. In der Stichwahl trifft er auf Münschke (AfD), der 34,8 Prozent der abgegebenen Stimmen holte.

In Drebkau gab es unterdessen eine Ohrfeige für Amtsinhaber Dietmar Horke (parteilos). Er holte nur 13,6 Prozent der Stimme und schaffte es nicht mal in die Stichwahl. Noch schlechter schnitt AfD-Kandidat Dietmar Serb mit 12,6 Prozent ab. Die Wähler scheinen offenbar eher auf die Partei-Empfehlungen vertraut zu haben. In der Stichwahl treten CDU-Mann Paul Köhne (47,3 Prozent) und Torsten Richter (26,5 Prozent) von den Linken gegeneinander an.