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Nix-Verein
Sozialarbeiter hängen in der Luft

Luise Zuchold (r.) ist seit August die neue Schulsozialarbeiterin an der Forster Oberschule. Im Rahmen des Fotoprojekts, das gemeinsam mit dem Cottbuser Fotograf Raphael Kellner durchgeführt wurde, lernten die Schüler mit dem Smartphone Bilder zu gestalten.
Luise Zuchold (r.) ist seit August die neue Schulsozialarbeiterin an der Forster Oberschule. Im Rahmen des Fotoprojekts, das gemeinsam mit dem Cottbuser Fotograf Raphael Kellner durchgeführt wurde, lernten die Schüler mit dem Smartphone Bilder zu gestalten. FOTO: Raphael Kellner
Forst. "Wir stehen total im Regen", sagt Daniel Nothnick vom Nix-Verein. Wie alle anderen Schul- und Jugendsozialarbeiter in Forst hat auch er zum 1.Oktober die Kündigung erhalten. Katrin Kunipatz / kkz

Der Nix-Verein erbringt für die Stadt Forst einen Teil der Jugendsozialarbeit im Schülerfreizeitzentrum und an der Oberschule. Noch bis zum 31. Dezember laufen die verschiedenen Projekte. Die Zeit danach liegt im Dunkeln. Denn es gibt noch keine neue Leistungsvereinbarung. Der Landkreis Spree-Neiße und die Stadt Forst stecken in den Verhandlungen.

In den vergangenen Jahren seien die Verträge eher unterzeichnet worden, sodass keiner um die Fortsetzung seiner Stelle bangen musste. Manfred Thuns, der beim Landkreis zuständige Fachbereichsleiter Kinder, Jugend und Familien, ist mit dieser Situation auch nicht zufrieden. Eigentlich habe man im März über die Förderung der Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit beschließen wollen, aus internen verwaltungstechnischen Gründen sei dies jedoch nicht gelungen. Sein Ziel sei es, so Thuns, dass bis zum 31. Oktober alle Leistungsvereinbarungen unterzeichnet sind. Im jüngsten Jugendhilfeausschuss berichtete er, dass man mit allen Kommunen Übereinstimmung erzielt habe.

"Bisher gibt es keine Einigung", sagt Andreas Kaiser, Fachbereichsleiter Bildung und Soziales bei der Stadt Forst. Zwar freue er sich über die annähernd gleiche Anzahl der Stellen und die Stärkung der Schulsozialarbeit. "Wir haben jedoch eine andere Sicht auf die Verteilung", kritisiert Andreas Kaiser die Pläne des Landkreises. Die Stadt Forst hat einen Gegenentwurf erarbeitet und dem Landkreis in dieser Woche überbracht.

Konkret will die Stadt Forst die Stelle des Streetworkers in der Jugendsozialarbeit und den alternativen Jugendtreff "Waggon" behalten sowie die Schulsozialarbeit an der Grundschule Nordstadt mit der gleichen Stundenzahl ausstatten, wie an der Grundschule Mitte. Es gebe keine fachliche Erklärung, warum in der Nordstadt weniger Schulsozialarbeit nötig sei. "Die Schülerzahl und die Problemlage mit verhaltensauffälligen Schülern und Kindern aus Flüchtlingsfamilien sind an beiden Grundschulen ähnlich", so Kaiser.

Manfred Thuns ist überrascht von dem Gegenentwurf. Er habe bisher keinen Dissens erkennen können. Bereits im Juni sei mit der Stadt Forst über die Verteilung der insgesamt acht Stellen gesprochen worden. "Wir sind zu einem gemeinsamen Ergebnis gekommen", sagt Thuns. Aus seiner fachlichen Sicht sind Streetworker nicht mehr zeitgemäß, weshalb der Landkreis solche Stellen nicht fördert. Statt des Streetworkers würde jetzt ein Koordinator bezahlt. Beim Jugendclub Waggon als Ort für die Jugendarbeit sieht Thuns kein Problem. Aber der Nix-Verein müsse ein Nutzungskonzept mit anderen Inhalten als bisher vorlegen. Ebenfalls begrüßt der Landkreis die geplante Verlegung des offenen Jugendtreffs vom Schülerfreizeitzentrum in das zentrumsnahe Objekt in der Gubener Straße. Bei der Schulsozialarbeit sind in Forst ab Januar 2018 vier Stellen vorgesehen. Statt bisher etwa 135 Stunden pro Wochen können dann 160 Stunden Schulsozialarbeit an den Schulen geleistet werden.

Aber während Stadt und Landkreis diskutieren, läuft dem Nix-Verein die Zeit davon. "Zwar mögen uns alle Mitarbeiter und wollen gern weiter für uns arbeiten", sagt Daniel Nothnick. Aber beim Arbeitsamt gelten gut ausgebildete Sozialarbeiter als "Goldstaub". "Wir hoffen auf eine schnelle Einigung", so Nothnick, der seit elf Jahren beim Verein ist. "Wenn es zu lange dauert, sind vielleicht keine Leute mehr da, die die Arbeit leisten können."

Zum Thema:
Der Nix-Verein ist seit 21 Jahren anerkannter Träger der freien Jugendhilfe. Gegründet wurde der Verein im August 1992 von Teilnehmern einer Demonstration, die unter dem Motto stand: "Europa tut nix für die Jugend". Im vergangenen Jahr engagierten sich 14 Menschen in den verschiedenen Projekten des Vereins. Zu den festen Angeboten gehören das Schülerfreizeitzentrum, der Jugendclub Waggon, die mobile Jugendarbeit, der Schraubertreff in der Cottbuser Straße und die Schulsozialarbeit an der Oberschule. (kkz)