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Sollte man Vögel im Sommer füttern?

Beim Füttern lernen junge Spatzen, welche Körner und Insekten fressbar sind. Wichtig dafür; ein abwechslungsreicher Lebensraum. Über die Frage, ob Vögel auch im Sommer gefüttert werden sollen, gehen die Meinungen auseinander. In Guben ist es beispielsweise nur in der Winterzeit erlaubt.
Beim Füttern lernen junge Spatzen, welche Körner und Insekten fressbar sind. Wichtig dafür; ein abwechslungsreicher Lebensraum. Über die Frage, ob Vögel auch im Sommer gefüttert werden sollen, gehen die Meinungen auseinander. In Guben ist es beispielsweise nur in der Winterzeit erlaubt. FOTO: Klaus Klemke/kkm1
Forst. Die Anruferin am RUNDSCHAU-Lesertelefon ärgert sich über ihre Bekannte. "Jetzt, im Sommer, füttert sie die Vögel", berichtet eine Forsterin, die ihren Namen nicht nennen möchte. Katrin Kunipatz

Eingeweichtes Brot, Sonnenrosen und Körner gebe sie ins Vogelhäuschen. Die Menge sei so groß, dass glatt 50 Vögel satt würden. Dabei sei doch gerade im Sommer es doch gar nicht nötig, die Vögel zu füttern.

Henrik Schuhr, Sachgebietsleiter der Unteren Naturschutz-, Jagd- und Fischereibehörde beim Landkreis Spree-Neiße, sagt: "Grundsätzlich ist das Füttern nicht verboten." Für jagbares Wild gibt es sogar eine Fütterungspflicht, wenn die Tiere im Winter aufgrund der Witterung nicht selbst genügend Futter finden. Dann werden die Jäger von der Jagdbehörde beauftragt, an Futterkrippen beispielsweise Heu auszulegen.

Anders verhält es sich mit der Vogelwelt. "Normalerweise gibt es für die Vögel keine Notzeiten", so Henrik Schuhr. Deshalb ist eine Schale mit Wasser im Sommer angemessener als Futter. Der Leiter der kreislichen Naturschutzbehörde schränkt jedoch ein, dass die Vögel in den tipptopp gepflegten Grünanlagen nur wenig Futter finden. Er empfiehlt, eine Blühwiese zuzulassen. In diesem scheinbar verwilderten Bereich können sich Insekten entwickeln, die wiederum den Singvögeln als Nahrung dienen.

Die ganzjährige Fütterung bewirke einen Gewöhnungseffekt, der nicht immer positiv sei, so der Sachgebietsleiter. Wer trotzdem füttern will, sollte auf normales Vogelfutter zurückgreifen. Weil es mit Ambrosiasamen verunreinigt sein kann, sollte der Bereich um das Futterhaus immer wieder auf die dort wachsenden Pflanzen kontrolliert werden. "Brot ist nicht geeignet. Es enthält Zusatzstoffe, die von den Tieren nicht vertragen werden", sagt Schuhr. Den Futterplatz sollte man sorgfältig auswählen. Katzen dürfen ihn nicht erreichen können. Den eigenen Balkon hält Henrik Schuhr für ungeeignet, weil der Vogelkot zum Nachbarn herunterfällt. Weiterhin kann der Vermieter das Füttern verbieten, weil Futterreste Ungeziefer anziehen. Viel wichtiger als Futter ist es, den Vögeln über alle Jahreszeiten hinweg einen Lebensraum zu bieten. Henrik Schuhr erläutert: "Sie brauchen Nistgelegenheiten. In den Grünanlagen sollten Gräser und fruchttragende Pflanzen wie Weißdorn, Eberesche oder Liguster wachsen. Für die Vogelwelt steht so kostenloses Futter bereit."

Weiterhin verweist der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde auf Festlegungen der städtischen Ordnungsbehörden. Hier kann das Füttern von Tieren untersagt werden.

Die Städte im Spree-Neiße-Kreis verfolgen keine einheitliche Linie. In Spremberg und dem Amt Döbern-Land gibt es kein Fütterungsverbot für Vögel. Falls es jedoch in Einzelfällen eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit geben sollte, würde das Ordnungsamt entsprechend einschreiten, erklärt Sprembergs Stadtsprecher Alexander Adam. Solche Beschwerden habe es zur Vogelfütterung bisher nicht gegeben, teilt Ines Lutzens, Sachgebietsleiterin Ordnungsangelegenheiten in Döbern-Land, mit.

In Forst und Guben ist das Füttern von herrenlosen beziehungsweise wild lebenden Tieren verboten. Guben erlaubt das Füttern von Singvögeln nur in der Winterzeit.

Hintergrund dieser Einschränkung seien mit der Fütterung einhergehende Verunreinigung, so Gubens Stadtsprecher Bernhard Schulz. Gerade Wasservögel, die von Menschen gefüttert werden, scheiden Exkremente aus, deren Menge den Gewässern nicht gut tut. "Besser ist es, wenn Enten oder Gänse Wasserlinsen fressen", sagt Henrik Schuhr. Zudem locken Futterreste wiederum Ratten an, die Krankheiten übertragen können. Auch Waschbären verspeisen gern Brotreste oder gar für Katzen gedachtes Futter. Sie sind so zum Ärgernis und für viele wilde Katzen zum Nahrungskonkurrenten geworden.