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Soldaten der Sowjetarmee nahmen die Stadt ein

17. April 1945: Soldaten der Sowjetarmee nahmen die Stadt ein, die zu mehr als 80 Prozent zerstört war.
17. April 1945: Soldaten der Sowjetarmee nahmen die Stadt ein, die zu mehr als 80 Prozent zerstört war. FOTO: Archiv
Forst. In loser Folge berichtet Gerd Kundisch über bedeutende Personen, Orte und Bauten der Stadt Forst sowie der Region und erinnert an wichtige Ereignisse in der Geschichte. Heute schreibt er über Einnahme der Stadt durch die Rote Armee. gkd1

Zeitzeugen, die die Einnahme der Stadt Forst am 16. und 17. April 1945 durch die Soldaten der Roten Armee miterlebten, gab und gibt es nur wenige. Die Stadt wurde Wochen zuvor auf Befehl von Oberbürgermeister Friedrich evakuiert. In seinen handschriftlichen Aufzeichnungen beschrieb Friedebald Britze (1916 bis 1996) die Lage in der Stadt Forst.

Nachdem die sowjetischen Truppen am 22. Februar weiter an die Neiße vorstießen, gerieten viele Forster in Panik und verließen die Stadt. Friedebald Britze berichtete vom 25. Februar: "Schwerer Beschuss setzte ein durch Artillerie, Granatwerfer, Stalinorgeln und Fliegerbomben. Phosphorbomben wurden abgeworfen und verursachten große Flächenbrände die die Innenstadt zu vernichten drohten. Inzwischen wurde die Stadt weiter evakuiert. Dabei wurde das Altersheim in Berge vergessen. Italienische Kriegsgefangene mussten die betagten alten Leute unter schwierigsten Bedingungen im Geschosshagel durch die Neiße tragen. Die restliche Verwaltung, die Feuerwehr, die Insassen des Krankenhauses wurden nach Perleberg, Finsterwalde usw. ,umgesiedelt´. Hierfür wurden 1400 Waggons benötigt."

Den 16. April 1945 beschrieb Friedebald Britze: "Etwa ab 4 Uhr heftiges Trommelfeuer. Im Schutze des Artilleriefeuers und der Nebelvorhänge begannen die sowjetischen Vorausbataillone etwa gegen sieben Uhr die Neiße zu überqueren. Jagdfliegerverbände schützten die Truppen aus der Luft. Die Soldaten setzten mit Booten und Flößen über die Neiße oder durchwateten sie. Nach etwa einer Stunde war das Übersetzen der 1. Staffel beendet. Die sowjetischen Stoßtruppen drangen im Sturmangriff in die südlichen und südwestlichen Teile der Stadt ein. Gegen 14 Uhr setzten sich die letzten deutschen Lenkungskräfte in Richtung Eulo, Bahndamm, Euloer Teiche, in Richtung Klinge ab. Nördlich von Sacro erfolgte der andere Übergang über die Neiße. Hier hatten die sowjetischen Truppen einen besonders günstigen Ausgangspunkt, da der Wald bis kurz an die Neiße reichte. 45 Minuten lang wurden die deutschen Stellungen beschossen. Dann erfolgte das Übersetzen der sowjetischen Truppen, die sich nach heftigen Kämpfen in Richtung Forst über den so genannten Triftweg der Stadt Forst von Norden her näherten und als letzte Widerstandsnester den Hauptfriedhof und das Krematorium von faschistischen Truppen säubern mussten. Heftige Kämpfe tobten vom 16. bis 17. April noch am Bahnhof."

In ihren geschichtlichen Rückblicken schrieben Dr. Wilfried Scholze und Dr. Richard Ihlo unter anderem am 19. April 1995 in der "Lausitzer Rundschau": "Das Stadtoberhaupt, Dr. Friedrich, wie auch die Hoheitsträger der NSDAP flüchteten im Verlauf des 17. April ebenfalls aus der - wie es ihnen schien - dem Untergang geweihten Stadt. . . . Nach der Niederringung der letzten deutschen Widerstandsherde ist die Stadt bis zum Abend des 17. April fest in der Hand der Sowjetarmee. Bei den Kämpfen um Forst wurden, so heißt es in einem sowjetischen Bericht, zwei deutsche Regimenter zerschlagen. Keiner aber hat die Zivilisten, die an keinen Kampfhandlungen beteiligt waren und bei den Kämpfen getötet oder nach Einnahme der Stadt von den Befreiern ,liquidiert´ wurden, gezählt."