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So wird ein Schuh daraus

Thomas und Sonja Dockter empfangen die Besucher im Textilmuseum mit einer Kostprobe ihrer Arbeit.
Thomas und Sonja Dockter empfangen die Besucher im Textilmuseum mit einer Kostprobe ihrer Arbeit. FOTO: Daniel Schauff
Forst. Passend zur Ausstellung "Handwerk in Forst – Tradition und Zukunft" ist das Brandenburgische Textilmuseum am Wochenende für ein paar Stunden zur Schauwerkstatt von Handwerkern aus der Region geworden – Faszination inklusive. Daniel Schauff

Während die Maschinen, die im Forster Textilmuseum von der Geschichte des Handwerks in der Rosenstadt erzählen, stillstehen, zog am Wochenende neues und zugleich altes Leben in die Sorauer Straße. Laute Schläge mit dem Hammer schallen über den Hof, als das heiße Eisen auf dem Amboß in Form gebracht wird. Auch im Inneren des Museums, gleich vor den zahlreichen ruhenden Textil-Maschinen, zeugen allerlei Geräusche von den Handwerkern, die - anlässlich der Sonderausstellung "Handwerk in Forst" - zwei Tage lang ihre Arbeit präsentierten.

Da waren etwa die Schuhmacher Sonja und Thomas Dockter aus Forst, die demonstrierten, wie ein "altes Handwerk" auch heute noch lebendig ist. Glasgraveur Hans-Georg Werlich aus Weißwasser zauberte gestochen scharfe Motive auf Gläser und präsentierte eine Auswahl aus seinem Sortiment - vom Schnaps- über das Wein- bis hin zum Saftglas verziert mit passenden Gravuren. Dietmar Onnecken präsentierte, was ein Sattler mit der Dekoration der eigenen vier Wände zu tun hat.

Das Handwerker-Erlebniswochenende war nur eine von gleich mehreren Begleitveranstaltungen, die die Ausstellung rund ums Handwerk begleiten. So gibt es am 15. Oktober eine stadtgeschichtliche Führung über den Hauptfriedhof, an dem die Gräber einstiger Handwerker besucht werden. Am 12. November zeigt das Textilmuseum eine Filmreihe zum Thema Handwerk.

Zahlreiche Museen und Ausstellungsorte in ganz Brandenburg haben sich 2016 dem Handwerk verschrieben. Anlass ist das Themenjahr "Handwerk - zwischen gestern und übermorgen" von Kultur- und Infrastrukturminsterium. Die aktuelle Ausstellung im Textilmuseum in Forst wirft den Blick nicht nur auf Forsts reiche Tuchmachergeschichte, sondern auch in Richtung anderer Gewerke - vom Klavierbauer bis zum Bäckermeister - die teils längst aus Forst verschwunden sind, teils aber auch noch immer ihren Kundenstamm pflegen.