ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:06 Uhr

Wohnen in Forst
„Sind nur bedingt handlungsfähig“

 Eine Platte in guter  Lage. Die Wohnungen am Kegeldamm in Forst sind durchaus attraktiv - allerdings nicht in ihrem jetzigen Zustand.
Eine Platte in guter Lage. Die Wohnungen am Kegeldamm in Forst sind durchaus attraktiv - allerdings nicht in ihrem jetzigen Zustand. FOTO: Sven Hering
Forst. Sie ist wieder zurück im Unternehmen: Dagmar Klinke, einst Prokuristin, sitzt seit Mai auf dem Chefsessel der Forster Wohnungsbaugesellschaft (FWG). Gegenüber der RUNDSCHAU spricht sie über Abriss, Neubau und frisches Geld. Von Sven Hering

„Ich bin dann mal weg und komm' irgendwann wieder". Mit diesen Worten hatte sich Dagmar Klinke vor gut drei Jahren verabschiedet. Zwölf Jahre hatte sie die Geschicke des Forster Krankenhauses geleitet – „und diese zwölf Jahre waren die Krönung meines Arbeitslebens", sagte die Forsterin bei ihrer Verabschiedung. Jetzt ist sie also wieder da. Seit Anfang Mai sitzt sie auf dem Chefsessel der Forster Wohnungsbaugesellschaft (FWG). In dem Unternehmen hatte sie vor ihrem Wechsel in die Krankenhausgesellschaft als Prokuristin gearbeitet. Die Forsterin verantwortet damit jetzt 2772 Wohnungen und 17 Mitarbeiter. Doch die Rückkehr ist eher wie ein Neubeginn. Denn vieles ist im Wohnungsunternehmen nicht mehr so wie es mal war.

„Die Situation hat sich grundlegend verändert“, sagt die neue FWG-Chefin, nachdem sie jetzt rund vier Wochen Zeit hatte, um sich einen Überblick zu verschaffen. Den Leerstand in den jetzigen Dimensionen, so erklärt sie, habe es zum Beispiel damals noch nicht gegeben. Rund 30 Prozent der Wohnungen, die von der FWG verwaltet werden, haben keine Mieter.

Ein weiteres Problem: Die FWG verfügt praktisch nur noch über Plattenbauten. Es gibt keine Altbauobjekte mehr, von diesen hat sich das Unternehmen in den letzten Jahren getrennt. „Mit den Verbindlichkeiten sind wir nur bedingt handlungsfähig“, schildert Dagmar Klinke die Situation. Ende 2017 standen Schulden in Höhe von rund 40 Millionen Euro in den Büchern.

Doch trotz – oder gerade wegen – dieser Rahmenbedingungen steht für die neue FWG-Chefin fest: „Wir können und wollen nicht in dieser Situation verharren.“

Geht es nach Dagmar Klinke, dann kommt alles im Unternehmen auf den Prüfstand. „Der Leerstand baut sich nicht von alleine ab“, ergänzt sie. „Wir müssen die Stadt noch mal neu denken.“

Was stellt sich die Betriebswirtin darunter vor? Die FWG müsse Infrastrukturentwickler für die Stadt sein. „Wir sind der Profi in Sachen Immobilien“, so die Geschäftsführerin. Das bedeute aber auch, dass die FWG künftig wieder stärker Präsenz zeigen, näher zum Kunden, sprich zum Mieter, rücken müsse. Dagmar Klinke will zudem die Platte in attraktiven Wohnraum umgestalten. „Ich denke da zum Beispiel an größere Zuschnitte, mit denen wir junge Familien ansprechen wollen“. Die Wohnungen am Kegeldamm 5/6, so nennt sie ein Beispiel, würden sich lohnen, anzufassen. Im jetzigen Zustand seien sie allerdings wenig anziehend.

Dagmar Klinke würde gern auch wieder Altbauten in den Bestand aufnehmen. Sie denkt dabei an stadtbildprägende Gebäude, die Jahr für Jahr mehr verfallen. Man müsse bei denen über mögliche Rückkaufoptionen nachdenken. „Auch dafür ist eine kommunale Gesellschaft da.“

Natürlich weiß die FWG-Chefin aus ihrer Zeit als Prokuristin, dass dort viele Hürden lauern. Erbengemeinschaften, Eigentürmer, die mittlerweile in der ganzen Welt verstreut leben. Außerdem benötigt die FWG dafür „frisches Geld“, wie Dagmar Klinke betont. Gespräche mit den Banken stünden darum ganz oben auf ihrem Aufgabenzettel.

Das altersgerechte Wohnen sieht Dagmar Klinke als „riesiges Potenzial“. Sie wolle mit entsprechendem Wohnraum die Voraussetzungen schaffen, dass die Mieter in die Lage versetzt werden, dort so lange es geht selbstbestimmt zu leben. Dazu zählten für sie auch Dienstleistungsangebote wie Hol- und Bringedienste oder Portiers in den Wohnanlagen.

Die FWG-Chefin will zudem so schnell wie möglich den Kontakt zu den neu gewählten Stadtverordnetenfraktionen suchen. Diese würden schließlich – wie jüngst bei der Verabschiedung des Stadtumbaukonzeptes geschehen – die Richtung vorgeben.

Wenn alles halbwegs wie geplant läuft, dann wird man in Forst schnell merken, dass sie wieder da und auch angekommen ist – so wie vor drei Jahren angekündigt. Dagmar Klinke ist jedenfalls positiv gestimmt. „Ich bin optimistisch, das ich hier Dinge bewegen kann.“

 Die neue FWG-Geschäftsführerin Dagmar Klinke.
Die neue FWG-Geschäftsführerin Dagmar Klinke. FOTO: FWG