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Siedlungshäuser prägen für einige Jahre Berge

Das für Berge typische Siedlungshaus der Familie Rothe lag im Mehlener Weg 33.
Das für Berge typische Siedlungshaus der Familie Rothe lag im Mehlener Weg 33. FOTO: Sammlung Schulz
Forst. Nach dem Ersten Weltkrieg vollzog sich mit dem Beginn der 1920er-Jahre in Forst-Berge ein rascher Aufschwung durch eine zunehmende Bautätigkeit. Hans-Joachim Schulz

Das begann vor allem nach der im Jahre 1922 erfolgten Fertigstellung der neuen Langen Brücke, der Gestaltung des Walter-Rathenau-Platzes und der sich zur Hauptgeschäftsstraße entwickelnden Pförtener Straße, wo sich heute die Horex-Tankstelle befindet. Allein in den Jahren von 1920 bis 1926 wurden zehn neue Straßen und Wege angelegt sowie 172 Wohnungen geschaffen.
Nachdem ab 1929 bis in die 1930er-Jahre mit der Errichtung des Stadtteiles Ringstraße (zuerst bezeichnet als Siedlung Keune) begonnen wordeen war, entstanden auch am Stadtrand von Berge mehrere neue Stadtrandsiedlungen: Am nördlichen Stadtrand die Siedlung Richtstraße/Seestraße, am südlichen Stadtrand, hinter dem Eisenbahnübergang, die Siedlung Skurum (dort stehen heute noch einige Einfamilienhäuser), zwischen Friedhof und Eisenbahnlinie die Stadtrandsiedlung Räschingweg und im Osten, am Ende der Pförtener Straße, die Stadtrandsiedlung Waldheimstraße. Die neuen Stadtrandsiedlungen umfassten insgesamt 250 Häuser. Dadurch verlegten zahlreiche Forster ihren Wohnsitz in den Stadtteil Berge, dessen Bevölkerung auf über 8000 Einwohner anwuchs. Berge wurde immer öfter als den Stadtteil Forst-Neustadt bezeichnet.
Das Foto zeigt eines der damaligen vielen Siedlungshäuser in dem ab dem Jahr 1932 ersten errichteten neuen Stadtrandteil in Berge östlich der Richtstraße. Die Fläche liegt gegenüber der polnischen Gaststätte mit dem Schilfdach. Die Richtstraße gehörte zu den drei wichtigsten und längsten Straßen in Berge, wo zwischen den Jahren 1932 und 1934 sechs neue Straßen und Wege angelegt wurden: Seestraße, Zaucheler Weg, Mehlener Weg, Ögelner Weg, Marienhainer Weg und Leiper Weg. Insgesamt waren ab 1932 mit Beginn der Entwicklung dieser Stadtrandsiedlung bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges auf dieser Stadtrandfläche 96 Siedlungshäuser oder Eigenheime errichtet worden. Das Zweifamilienhaus auf dem Foto war das Grundstück Mehlener Weg 33 der Familie Rothe. Der Mehlener Weg verlief zwischen dem Leiper und Nahberger Weg. Das Gebäude ist der gleiche Bautyp, wie die späteren Siedlungshäuser im Finkenweg in der Skurumer Stadtrandsiedlung mit der gleichen Zimmeraufteilung und weiß gestrichenen Außenfassaden. Im Mehlener Weg standen vor dem Zweiten Weltkrieg 21 solcher Siedlungshäuser, größtenteils als Doppelhäuser. Obwohl die meisten dieser Gebäude die Kampfhandlungen im Jahr 1945 überstanden hatten, sind sie heute mit dem gesamten Stadtteil verschwunden. Er wurde in den Jahren 1947 bis 1952 abgerissen. Die Baumaterialien sollen zum Wiederaufbau der Altstadt von Warschau abtransportiert worden sein.
Im heutigen Zasieki (Berge) stehen lediglich noch 35 kleinere Wohnhäuser in denen noch rund 200 Menschen wohnen.