Von Sven Hering

Mit dem Laufen tut sich Siegfried Heinze derzeit noch schwer. Nach einer Hüft-OP ist der 82-Jährige auf Krücken angewiesen. Trotzdem dreht er täglich auf seinem Grundstück seine Runden. Schließlich müssen die Bienen des Döberner Hobbyimkers versorgt werden.

16 Völker nennt er sein eigen. Bis zu 40 000 Bienen gehören zu einem Volk. „Früher“, so erzählt er, „waren es sogar noch deutlich mehr.“ Rund um den alten Bienenwagen ist ein mächtiges Gewusel zu vernehmen. Viel Arbeit, die Heinze nur mit Unterstützung der Familie stemmen kann.

Seit ein paar Tagen treibt den Hobbyimker allerdings eine Sorge um. In seiner Nachbarschaft sind drei Robinien gefällt worden. Diese Bäume sind bei Imkern – und den Bienen – besonders beliebt. Sie produzieren reichlich Nektar und Pollen. Eine prächtige Linde sei zudem „geköpft“ worden. So beschreibt Heinze das Verschneiden der Krone. „Gerade jetzt, wo alle Welt darüber redet, wie wichtig die Bienen sind, kann ich das nicht nachvollziehen“, sagt Heinze.

Veranlasst hat die Fällung der Döberner Anglerverein. Auf dessen Grundstück standen die Bäume. „Sie waren ein Sicherheitsrisiko“, sagt Vereinschef Sven Tabor. Bei Sturm seien Äste bereits abgebrochen. Das Problem bestehe seit mehreren Jahren. Entsprechende Gutachten lägen vor, ebenso die beantragten Fällgenehmigungen. „Wir wollten damit dem Wunsch einer Nachbarin nachkommen, außerdem hatten wir Sorge um unsere eigenen Gebäude“, erklärt der Vereinschef. Aus Kostengründen seien die Arbeiten jetzt zusammen mit dem Beschneiden der Linde beauftragt worden. Zuvor hatte sich der Verein um finanzielle Unterstützung für das kostenintensive Vorhaben bemüht.

Henrik Schuhr von der Unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis Spree-Neiße bestätigt, dass in diesem Fall alles mit rechten Dingen zugegangen sei. „Grundsätzlich bleibt es dabei: Ab 1. März muss die Motorsäge im Schuppen bleiben“, betont er. Doch Ausnahmen – wie in diesem Fall – werde es immer geben. „Ich bin einfach dafür, die ganze Sache etwas gelassener zu sehen“, erklärt er.

Um die Bienen müsse man sich in diesem Gebiet keine Sorgen machen, betont der Experte. „Natürlich sind wir froh, dass immer mehr Leute begreifen, wie wichtig die Bienen sind“, sagt Schuhr. Doch derzeit gebe es gerade in diesem Gebiet genügend andere Gehölze, die den Bienen zur Verfügung stehen.

Für Siegfried Heinze hat die ganze Geschichte allerdings noch einen emotionalen Aspekt. Sein Vater habe eine der Linden auf dem Grundstück am alten Badeteich gepflanzt. Das war direkt nach dem Krieg. Auch deshalb fühlt sich der Hobbyimker den Bäumen in seiner Nachbarschaft besonders verpflichtet.