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| 14:22 Uhr

Pflege
Kraft und Hilfe für die Helfenden

Forst. In Forst startete die erste Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige in Spree-Neiße. Von Steffi Ludwig

Wenn der Partner oder ein anderer nahestehender Mensch schwer erkrankt, ändert sich auch das eigene Leben auf einen Schlag. Hedwig Klingelhöfer (65) hat dies am eigenen Leib erfahren, seit ihr Mann vor einem Jahr die Diagnose Parkinson bekam.

„Man muss sich plötzlich um so viel kümmern, hat manchmal kaum noch Privatsphäre. Und im Hintergrund schwelt die Angst: Wie lange schaffe ich das noch?“, bringt sie auf den Punkt, was viele pflegende Angehörige denken. „Aber ich finde es so notwendig, dass man darüber redet – mit Menschen, denen es ebenso geht. Denn sonst hat man oft das Gefühl: Mich versteht ja sowieso keiner“, sagt sie.

Deshalb ist Hedwig Klingelhöfer mit ihrem Mann nicht nur Mitglied einer Parkinson-Selbsthilfegruppe in Cottbus, sondern gründete auch in Forst eine solche Parkinson-Gruppe, da ein Mitglied nicht mehr bis Cottbus fahren konnte. Und ganz aktuell rief sie eine Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige ins Leben, die sich nun das erste Mal im Forster Mehrgenerationenhaus traf. Es ist die erste Gruppe dieser Art im Landkreis Spree-Neiße, hatte die Kreisverwaltung bestätigt.

Hedwig Klingelhöfer, die aus München stammt und vor drei Jahren nach Forst zog, weil ihr Sohn hier die Liebe gefunden hatte, kannte so eine Gruppe aus München, die ihr bei der Pflege der Mutter schon sehr geholfen hatte.

Und auch wenn zum Auftakt in Forst nur eine Handvoll Betroffene kamen – alle fanden die Idee großartig, sich endlich unter Gleichgesinnten auszutauschen und Tipps für das eigene Leben mit dem zu pflegenden Angehörigen mitzunehmen.

Die Fälle sind unterschiedlich: Die einen pflegen die betagte Mutter, die anderen die schwerkranke Ehefrau oder den Ehemann – die Probleme sind jedoch ähnlich: Wie schaffe ich mir etwas Privatsphäre, da oft auch mit Kurzzeit-Pflegekräften für die Körperpflege, mit Physiotherapeuten oder anderen Helfern immer Fremde in der Wohnung sind? Wie lange schaffe ich eine Pflege zu Hause? Was mache ich, wenn der Angehörige nicht ins Pflegeheim möchte? Und wie finanziere ich das Ganze?

Hedwig Klingelhöfer berichtet, dass sie sich ab und zu eine kurze Auszeit von ein oder zwei Stunden nehme, um Abstand zu bekommen. „Dann lasse ich es mir gut gehen und gehe zum Friseur oder ins Nagelstudio“, sagt sie. Danach habe sie wieder neue Kraft. „Denn man muss aufpassen, dass man nicht selbst umfällt“, hat sie festgestellt. Deshalb seien Gedanken, den geliebten Angehörigen in eine Tagespflege oder ein Pflegeheim zu geben, durchaus legitim. „Denn mit einer 24-Stunden-Pflege ist jeder Mensch überfordert“, ist sie überzeugt.

Deshalb solle die Gruppe einmal Selbsthilfe zum Weitermachen, aber auch zum Aufhören sein, so die 65-Jährige Neu-Forsterin. Ihr Mann gehe inzwischen einmal pro Woche in die Tagespflege, was für beide derzeit eine gute Lösung sei. Man müsse nur rechtzeitig beginnen, sich über eine mögliche Unterbringung zu informieren.

Doch wie ist das dann mit den finanziellen Modalitäten, mit den Pflegestufen und den Einbehalten, die der zu Pflegende haben darf? Diese Fragen brannten den Teilnehmern der Selbsthilfegruppe besonders unter den Nägeln. Deshalb wird in der übernächsten Zusammenkunft am 3. Januar 2018 eine Mitarbeiterin des Pflegestützpunktes Spree-Neiße darüber Auskunft geben (Kontakt Mehrgenerationenhaus: Telefon 03562 6932918). Zum nächsten Treffen im Dezember, wie ursprünglich geplant, habe die Mitarbeiterin keine Zeit gehabt, so Hedwig Klingelhöfer.

Generell ist vorgesehen, ab und zu Experten in die Selbsthilfegruppe einzuladen. „Die Gruppe steht allen pflegenden Angehörigen offen, auch denen, deren Familienmitglieder im Pflegeheim untergebracht sind“, betont die Initiatorin. Treffpunkt ist jeden ersten Dienstag im Monat bis auf Ausnahmen wie im Januar.