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Seit 150 Jahren Glas aus Döbern

Auch der sechsjährige Marco Löcher durfte sich am Samstag einmal als Glasbläser ausprobieren.
Auch der sechsjährige Marco Löcher durfte sich am Samstag einmal als Glasbläser ausprobieren. FOTO: Danny Herzog/dhg1
Döbern. Die Cristalica GmbH hatte am Samstag zum Fest der Glasarbeiter rund um die gläserne Pyramide eingeladen. Es soll wieder zu einer Tradition werden. Danny Herzog

(dhg1) Seit 1867 ist die Glasindustrie in Döbern mittlerweile beheimatet. Auf dem heutigen Betriebsgelände rund um die Pyramide wurde am Sonnabend das Jubiläum "150 Jahre Döberner Glas" gefeiert. Die Glasindustrie in Döbern hat sich längst von der Massenproduktion entfernt. Im Trend sind individuelle und vor allem personalisierte Produkte mit Lasergravur oder Digitaldruck.

Dort, wo sich die heutige Pyramide befindet, stand einst das ursprüngliche Glaswerk. Das derzeitige Produktionsgelände wurde erst viel später, in den Jahren 1968 und 1969, mit einem angrenzenden Blockheizkraftwerk errichtet. Neben zahlreichen Solarplatten ist die Produktionsstätte durch das gasbetriebene Kraftwerk vor potenziellen Stromausfällen gesichert und speist sogar Strom in das öffentliche Netz ein. Dennoch gab es im Jahr 2006 einen herben Schicksalsschlag für die Döberner Glasmacher: Ein Großbrand zerstörte existenznotwendige Anlagen, sodass die Weiterverarbeitung unmöglich war. Obwohl 2007 der Betrieb wieder aufgenommen wurde, war das Ende der Lausitzer Glashütte AG trotzdem besiegelt. Zwei Jahre später übernahm die Cristalica GmbH das Objekt und setzte nach einer kompletten Modernisierung die Produktion in Döbern fort.

René Balzer war einer der Gästeführer, der die Besucher bei einem Rundgang durch das Objekt begleitete. Im Gespräch mit ehemaligen Mitarbeitern der Glashütte betonte er: "Das Fest der Glasarbeiter soll wieder eine Tradition werden." Ein gemeinsamer Weihnachtsmarkt mit dem Amt Döbern-Land sei ebenfalls in Planung.

Berno Geigenmüller arbeitete 30 Jahre als Glasarbeiter in Döbern: "Wir wollen mal schauen, was sich so getan hat, und den Enkeln erklären, wie das funktioniert." Die Gäste erhielten außerdem die Möglichkeit, selbst Glas herzustellen und sich als Glasbläser zu testen. "Das war ziemlich schwer. Man braucht viel Luft", staunte der sechsjährige Marco Löcher.

Neben der Führung durch die Produktion und das Glasarbeitermuseum mit verschiedenen Arbeitsgeräten, das relativ jung und noch nicht fertiggestellt ist, erwartete die Besucher ein buntes Rahmenprogramm. Aktivitäten für Kinder wie Hüpfburg, Torwandschießen, Kegelbahn und Feuerwehrrundfahrten lockten zahlreiche Familien zur markanten Glas-pyramide, die 2013 nach knapp zwei Jahren Bauzeit feierlich eröffnet worden war.