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| 02:37 Uhr

"Schweineschnauze" wird ausgestellt

3,2 Tonnen schwere Attraktion am Haken: Andreas Köpp schiebt das Panzernest an den richtigen Standpunkt.
3,2 Tonnen schwere Attraktion am Haken: Andreas Köpp schiebt das Panzernest an den richtigen Standpunkt. FOTO: Selmons
Forst. Es sind 3,2 Tonnen rostiger Stahl, die für große Freude im Brandenburgischen Textilmuseum sorgen. Gerade ist eines der Panzernester vom Landesamt für Denkmalpflege als Ausstellungsstück nach Forst zurückgekehrt. Vor einem Jahr wurde dieser MG-Bunker im Boden an der Neiße entdeckt – die zweite dieser im Volksmund genannten "Schweineschnauzen" kommt nach Seelow. Jürgen Scholz

Theoretisch hätten sie auch auf dem Schrott landen können, die Panzernester, die vor gut einem Jahr bei Arbeiten auf der Baustelle am Kegeldamm gefunden wurden. Doch es kam zum Glück anders. "Das Objekt ist untersucht worden", erklärt Martin Petzel, Gebietsbodendenkmalpfleger beim Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege Wünsdorf. Weil dabei der Denkmalwert ermittelt wurde, sei es erhalten worden.

Als am Freitagnachmittag ein schwerer Lkw des Technischen Hilfswerks (THW) aus Seelow von der Sorauer Straße auf das Gelände des Textilmuseums einbiegt, ist die Aufregung groß. Andreas Köpp vom Geschichts- und Heimatverein Platkow bei Seelow hat den Transport organisiert. Denn am gleichen Tag hat das zweite in Forst gefundene Panzernest ein neues Zuhause gefunden - in Platkow. "Unser Haus soll eine militärhistorische Ausstellung aufbauen", sagt er. Deshalb bleibt eine der "Schweineschnauzen" an der Oder. "Diese Dinger haben absoluten Seltenheitswert", ordnet er das Ausstellungsstück ein. Die Spezialisten in Wünsdorf seien "regelrecht traurig" gewesen, als der Transport anstand. Nun hängt das Panzernest am Tragarm des THW-Lkw und schwebt zu Boden.

Roland Pawelczyk vom Platkower Geschichts- und Heimatverein deutet in den Innenraum des Mini-Bunkers. Denn jetzt ist auch klar, was technisch alles los war in den "Schweineschnauzen". Er deutet auf Lüftungsanlage im Inneren, die von der Zwei-Mann-Besatzung per Beinarbeit über Pedale betrieben werden musste. Denn, so Pawelczyk, wenn die Soldaten im Innern den Abzug ihres Maschinengewehrs MG 34 drückten, musste der entstehende Pulverdampf aus dem Panzernest gezogen werden. Dann hieß es für die Soldaten: Kräftig in die Pedale treten. Damit die Besatzung überhaupt etwas sah, waren Periskope - ähnlich wie in einem U-Boot - in dem Panzernest montiert. Einziger Luxus: ein kleiner Ofen für die kalten Winter. Der Typ Panzernest sei hauptsächlich im Osten eingesetzt worden, erklärt Andreas Köpp. Viele der Anlagen seien auch als Trophäen mitgenommen worden. So erklärt sich, dass nur noch wenige dieser Panzernester erhalten sind. Köpp weiß nur von einem Objekt im militärhistorischen Museum in Dresden. "Das ist eine echte Attraktion", sagt er.

Entsprechend groß ist die Freude bei Mitarbeitern des Brandenburgischen Textilmuseums. Angela Maaß vom Museumsverein strahlt. "Die Freude ist groß", sagt sie. Das Museum hatte einen Antrag gestellt, um an eines der Denkmale heranzukommen. Bereits ab dieser Woche kann das Panzernest im Textilmuseum zu den normalen Öffnungszeiten begutachtet werden. Derzeit ist es in einer der Garagen auf dem Hof untergebracht. Laut Angela Maaß sollen demnächst Tafeln mit Erläuterungen zu der Forster "Schweineschnauze" angebracht werden.