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Schweigsamer Gang zur Osterquelle

Am frühen Sonntagmorgen versammeln sich Mädchen und Frauen an der Quelle.
Am frühen Sonntagmorgen versammeln sich Mädchen und Frauen an der Quelle. FOTO: Angela Hanschke/ aha1
Trebendorf. Alljährlich herrscht kurz vor dem Osterfest rege Betriebsamkeit an der Trebendorfer Osterquelle. In diesem Jahr gab es zusätzlich zu tun, weil Sturmtief Niklas Schaden anrichtete. Nun ist alles vorbereitet für die Osternacht und das Osterwasserschöpfen. Angela Hanschke / aha1 aha1

Vor sieben Jahren haben der heute 76-jährige Klaus Schwekutsch und sein Freund, der zwei Jahre jüngere Steinsetzer Herbert Riffer aus Keune, einem Wasserlauf auf der Trebendorfer Parkwiese ein neues Quellbett gegraben und es kunstvoll mit Feldsteinen ausgelegt. Dort entspringt die Trebendorfer Osterquelle.

Das einst verwilderte Areal ist zu einem Kleinod für Natur- und Wanderfreunde geworden. Und die Trebendorferinnen haben an dieser Stelle den Brauch des Osterwasserholens wieder aufleben lassen.

Glasklar soll das Wasser fließen. Darin setzen die beiden Hüter der Osterquelle all ihren Ehrgeiz, und sie säubern den Quelllauf von verrottendem Laub. Als in dieser Woche das Sturmtief "Niklas" über das Dorf fegte, riss es auch das Schutzdach des runden Rast-Tisches mit sich und sorgte für Schäden an dem alten Baumbestand neben der Osterquelle. Einen Tag nach dem Sturm drangen Sägelärm und Hammerschläge aus dem feuchten, mit Erlen und Eichen bestückten Grundstück. "Doch bis zum Ostersonntag ist alles wieder in Ordnung", versichern Klaus Schwekutsch, Herbert Riffer und der Trebendorfer Gerd Kuschel. Bei der Pflege des alten Brauches kann Klaus Schwekutsch immer auf die Unterstützung seiner Familie bauen. Am Karfreitag hängten Ehefrau Elvira und der jüngste Enkel Eddy Matthäus bunte Ostereier an die Holunderzweige. Ehrensache ist das Osterwasserholen auch für die beiden Töchter. "Wir werden kurz nach Mitternacht das Osterfeuer auf dem Sportplatz verlassen und zur Parkwiese aufbrechen. Im vergangenen Jahr haben sich auch einige junge Frauen aus anderen Orten angeschlossen. Nur bei uns in Trebendorf wird noch Osterwasser geschöpft. Das ist im Altkreis Forst inzwischen wohl einmalig", sagt Conny Matthäus und beruft sich dabei auf Charlotte von Hadeln, die in ihren 1935 erschienenen Kindheitserinnerungen darüber berichtete. Wie vor Jahrhunderten werden auch in diesem Jahr in der Osternacht die Teilnehmerinnen das Gesicht benetzen, einen Schluck aus der bereit gelegten Schöpfkelle trinken und ihre irdenen Krüge füllen. "Die Wassertemperatur beträgt konstant vier Grad Celsius. Es bleibt wochenlang im Behältnis frisch, schmeckt jedoch etwas eisenhaltig. Doch der Eisenocker ist natürlichen Ursprungs", sagt Klaus Schwekutsch, der das Osterwasserholen kennenlernte, als er sechsjährig nach Kriegsende erstmals Trebendorfer Boden betrat. Stolz ist er, dass in diesem Jahr die 15-jährige Enkelin Lucy Matthäus dabei sein wird. "Dann bleibt der Brauch auch zukünftig lebendig", hofft er. Auch wenn seit einigen Tagen die Buschwindröschen die zartrosafarbenen Blütenköpfe emporrecken, ist die Grasnarbe mit Wasser vollgesogen und federt jeden Schritt ab. "An Gummistiefel oder zumindest festes Schuhwerk sollte gedacht werden", sagen die erfahrenen Teilnehmerinnen. Falls sich der Vollmond hinter Wolken verstecken wird, weist eine flackernde Laterne den Weg zur Quelle mit dem Wunder bewirkenden Nass. Schönheit und Gesundheit spendet es der Überlieferung nach.

Und wie einst bleiben die Osterwassergängerinnen, auch wenn manchmal die Versuchung groß ist, stumm. Selbst Flüstern ist tabu. "Sonst wird es Plapperwasser", mahnt Elvira Schwekutsch. "Es ist eine geradezu feierliche Stille. Man hört nur das Knacken der Zweige, wenn jemand drauf tritt. Ruhe herrscht auch auf dem Rückweg", ergänzt Conny Matthäus. Erst nach dem Eintreffen am Osterfeuer ist wieder fröhliches Gelächter zu hören. Dort gibt es "Plapperwasser" aus kleinen Glasfläschchen.

Zum Thema:
Einst war das Osterwasserholen in der gesamten Niederlausitz verbreitet. Auch im historischen Horno (Rogow) gingen die Mädchen am frühen Ostersonntagmorgen mit Krügen zur Osterquelle. "Die befand sich im Neißevorland und floss, wie es der Brauch verlangt, nach Osten. Ihre Lage wurde von den Einheimischen geheim gehalten", berichtete Petra Schimtz, die Vorsitzende der Domowina-Ortsgruppe. Zuletzt sei der Brauch Mitte der 1980er-Jahre ausgeübt worden. Nach dem Umzug des devastierten Dorfes starb der Brauch aus. "Hier gibt es einfach keine geeignete Quelle", umriss Petra Schimtz das Dilemma. aha1