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Schulbetrieb läuft wieder planmäßig

Andreas Kaiser, Fachbereichsleiter Bildung und Soziales, im Gespräch mit einer Mutter, gefilmt von TV-Kamerateams.
Andreas Kaiser, Fachbereichsleiter Bildung und Soziales, im Gespräch mit einer Mutter, gefilmt von TV-Kamerateams. FOTO: Beate Möschl
Forst. Ganz früh zeitig ist es noch so wie immer an der Grundschule Nordstadt. Erst der Reporteransturm sorgt gegen halb Acht für kleinere Irritationen. Forster Polizei und das Ordnungsamt sind ausgerückt, um zu schauen, ob alles im vertretbaren Rahmen bleibt und notfalls für Ordnung zu sorgen. Beate Möschl

Mit dem Medienaufgebot vor der Schule zum planmäßigen Schulstart nach den Osterferien war zu rechnen. Seit Bekanntwerden der Krebserkrankung dreier Viertklässler der Grundschule Nordstadt und den umgehend eingeleiteten umfassenden Schadstoffuntersuchungen am Standort ist das Interesse groß zu erfahren, wie es Eltern und Schülern geht, und Erklärungen zu finden. Am Freitag hatte es bereits eine erste Entwarnung gegeben. Dennoch war nicht klar, ob alle Eltern ihre Kinder in die Schule schicken, denn die Messungen sind noch nicht vollständig ausgewertet.

Willkommen für alle

Schulleiterin Cordula Ast und Andreas Kaiser, Fachbereichsleiter Bildung und Soziales der Stadtverwaltung Forst, haben schon früh um Sieben vor dem Hauptgebäude Stellung bezogen. Die Schulleiterin begrüßt und ermuntert ihre Schützlinge. Der Vertreter der Stadt hat die neuesten Informationen zu den ersten Schadstoffanalysen mitgebracht und diese sowohl im Schulhaus als auch im Hortgebäude ausgehängt. Zusätzlich drückt er sie den Eltern schriftlich in die Hand. "Das sind die ersten Fakten, alles andere waren bisher Vermutungen", sagt er. Ein Elternbrief werde folgen und eine Elternversammlung.

"Ich finde es toll, dass Schulleiterin, Hausmeister und Stadtverwaltung an diesem wichtigen Tag heute die Eltern und Schüler empfangen und informieren", sagt eine Mutter spontan. Ihren Namen möchte sie nicht nennen, aber noch die Bitte um eine ruhige, sachliche Debatte loswerden. Sie warnt vor Panikmache. "Es wird doch nur hochgeschaukelt, mit der Gefahr, den Kindern Angst zu machen. Sie gehen gern hier in die Schule und so soll es auch bleiben."

Ähnlich sieht es Nicole Franke. Sie bringt ihre Tochter Celine mit einem guten Gefühl in die Schule. "Warum nicht. Ich bin selber hier zur Schule gegangen und nicht krank", sagt sie. "Bis jetzt wurde nichts gefunden", fügt sie an und sagt: "Wenn sich doch etwas ergibt, dann bin ich dafür, dass die Kinder auf andere Schulen verteilt werden." Viele Eltern, die ihre Kinder begleiten, und Andreas Kaiser werden immer wieder von Reportern angesprochen. Die dürfen mit Rücksicht auf die Kinder nicht aufs Schulgelände, sondern nur als Zaungäste dabei sein. Als Medienvertreter die kleine Pforte im Zaun an der Virchowstraße versperren, werden sie von Cordula Ast höflich, aber bestimmt aufgefordert, den Weg frei zu machen für die Schüler.

Eine Mutter huscht ohne ihre Kinder hinein in die Schule, um sie abzumelden. "Ich kann sie nicht mit ruhigem Gewissen herschicken, ich mache mir Sorgen", sagt sie. "Wir schauen, welche Eltern ihre Kinder nicht in die Schule schicken aus Unsicherheit, und werden mit ihnen das Gespräch suchen", sagt Andreas Kaiser auf Nachfrage zum Umgang mit der Schulpflicht in diesem besonderen Fall.

34 Schüler nicht erschienen

Bernd Schneider, Mitglied einer Elterninitiative der Schule und ehemaliger Hausmeister, hatte schon im Vorfeld angekündigt, seine Tochter nicht in die Schule zu schicken, bis alles geklärt ist. Die Stadtverwaltung habe endgültige Ergebnisse für Ende April in Aussicht gestellt. Bis dahin, so Schneider, "hätte ich zumindest erwartet, dass das Schulamt die Ferien verlängert, oder eine Ausweichmöglichkeit organisiert für den Schulbetrieb." Die erste Entwarnung sei nicht überzeugend. "Wir wollen alle Mess- und Prüfprotokolle haben, damit wir uns mit einem unabhängigen Prüfer selbst ein Bild machen können", so Schneider.

Nach Angaben des Schulamtes sind am Montag 34 der insgesamt 306 Schüler der Grundschule Nordstadt nicht zum Unterricht erschienen. Das liegt über dem Durchschnitt sonstiger Schultage. Nur 16 der 34 Schüler waren entschuldigt.

Zum Thema:
Eltern sind für die Einhaltung der Schulpflicht ihrer Kinder verantwortlich. Wie Gerald Boese, Leiter der Regionalstelle Cottbus des Landesschulamtes, auf Nachfrage informiert, müssen Eltern gemäß Verwaltungsvorschrift zum Schulbetrieb spätestens am zweiten Fehltag die Schule über das Fernbleiben benachrichtigen, dies jedoch noch nicht zwingend inhaltlich begründen. Bei Beendigung des Fernbleibens ist der Schule in jedem Fall schriftlich der Grund für das Fernbleiben mitzuteilen.