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| 15:47 Uhr

Firmenjubiläum
Schuhmacher in vierter Generation

Thomas Dockter und Ehefrau Sonja halten ein Paar entstehende Römerlatschen in den Händen. Beide führen die Schuhmacherwerkstatt in Noßdorf.
Thomas Dockter und Ehefrau Sonja halten ein Paar entstehende Römerlatschen in den Händen. Beide führen die Schuhmacherwerkstatt in Noßdorf. FOTO: LR / Katrin Kunipatz
Forst. 125 Jahren Schuhhaus in Noßdorf – Inhaber Thomas ist der Urenkel des Gründers Carl Dockter. Von Katrin Kunipatz

Thomas Dockter ist ein emsiger Schuhmachermeister. Während er redet, arbeiten seine Hände am nächsten Paar Römerlatschen. Sie sind gefragt. Immer noch stellt er die beliebten Schuhe in seiner Werkstatt in Noßdorf her. Mit Nägeln fixiert Thomas Dockter die Lederriemen an Sohle und Leisten. Dann wird der Kleber aufgestrichen.

Der braucht einige Minuten zum Ablüften, bevor die Porosohle aufgeklebt werden kann. Also holt sich der 49-Jährige ein Paar Damenschuhe von vorn. In den Regalen liegen eine Menge Schuhe, Taschen und andere Lederwaren, die noch repariert werden müssen. Mit sicheren Bewegungen reißt Thomas Dockter den schief gelaufenen Absatzfleck ab. Schneidet einen neuen zu, klebt und nagelt. Dann sind wieder die Römerlatschen an der Reihe. Sie erhalten ihre Laufsohle. An der sogenannten Ausputzmaschine wird die Form der Sohle dem Schuh angepasst. Geschick, Augenmaß, gutes Vorstellungsvermögen und Konzentration erfordert der Beruf.

Von Kindesbeinen an kennt Thomas Dockter das Handwerk und die Schuhmacherwerkstatt. Sein Vater Karl-Heinz arbeitete hier und auch sein Großvater Arthur. Gegründet wurde das Schuhhaus Dockter 1893. Auf den Tag genau am 26. Juni vor 125 Jahren. Carl Dockter hieß der erste Schuhmachermeister, der in Noßdorf in Sichtweite der Gaststätte Harnasch seine Werkstatt hatte. 1907 kaufte Arthur Dockter das Grundstück an der Spremberger Straße und baute das Haus, in dem sich heute Werkstatt und Geschäft befinden. Ein hundert Jahre altes Foto zeigt die Familie und drei Gesellen.

Mit der Wende gingen die Aufträge zurück. „Seit einigen Jahren besinnen sich die Menschen wieder auf den Wert der Dinge und bringen ihre Schuhe zur Reparatur“, stellt Thomas Dockter fest. Er übernahm den Betrieb 1996 von seinem Vater und erfüllte sich seinen Berufswunsch. In allen Jahren ist Ehefrau Sonja Dockter immer an seiner Seite. Seit 30 Jahren kennen sich die beiden. „Seit 27 Jahren sind wir verheiratet“, sagt sie. Gelernt hatte sie einen Beruf in der Landwirtschaft, doch mit der Wende kam die Kündigung. Seitdem arbeitet die 51-Jährige in der Werkstatt und im Laden mit. „Ich habe mir das Handwerk, die Näh- und Klebarbeiten von meinem Mann und den Schwiegereltern abgeschaut“, sagt sie. Meist steht Sonja Dockter jedoch vorn im Geschäft, nimmt die Reparaturaufträge entgegen und verkauft Schuhe. „Einige sind schon um die ganze Welt gereist“, berichtet sie und deutet auf eine Pinnwand mit verschiedenen Fotos und Ansichtskarten. Die Bilder zeigen stolze Schuhträger in Kanada, Australien, Israel oder England.

Verreisen war für das Ehepaar viele Jahre ein Fremdwort. Seit Kurzem gönnen sie sich eine Woche Urlaub pro Jahr. „Trotzdem möchte ich mit niemandem tauschen“, erklärt Thomas Dockter. Ihm sei es wichtig sein eigener Herr zu sein. Sein Herz schlägt für das Schuhmacherhandwerk. Die Werkstatt ist klein und übersichtlich. Zangen, Nägel, Hämmer in verschiedenen Größen liegen am Arbeitsplatz. Zwei Schritt entfernt steht die Sattlernähmaschine. Im Nebenraum lagert das Material.

Nach der kurzen Führung nimmt sich Thomas Dockter den nächsten Auftrag vor. Nähte reparieren, Reißverschlüsse neu einsetzen, Sohlen ausbessern – so wie an diesem Vormittag geht es an allen Wochentagen zu. Leider bleibe darüber kaum Zeit, auch mal ein Paar Maßschuhe anzufertigen, so der Handwerksmeister. Schluss ist erst, wenn der Laden zu ist. „Dann wird nicht mehr über die Arbeit gesprochen“, sagt Sonja Dockter. Sie entspannt beim Lesen im Garten. Er dreht mit dem Rad eine Runde oder geht zum Angeln. So setzt sich im Privaten fort, was sie beruflich tun: Gemeinsam leben.