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| 11:01 Uhr

Schüler behandeln Krieg in allen Facetten

Wiebke Burchardt bastelt eine Puppe. Die Schüler sollten sich vorstellen, dass sie in einem Kriegsgebiet leben.
Wiebke Burchardt bastelt eine Puppe. Die Schüler sollten sich vorstellen, dass sie in einem Kriegsgebiet leben. FOTO: Peter Althaus
Forst. Themennacht am Gymnasium soll über Gewaltproblematik und Krieg informieren und zum Nachdenken anregen. Krieg - das muss nicht immer nur das Ballern von Artillerie bedeuten. Dass der Krieg noch viele andere Bereich berührt, darüber wollten Schüler des Forster Gymnasiums aufklären.

Für den Freitag hatten sie zu einer Themennacht geladen.

Es scheint vielen Schülern am Freitag schwer zu fallen, sich den Krieg in seiner ganzen Grausamkeit vorzustellen. "Meine Mutti hat erzählt, wie russische Flugzeuge vom Flugplatz Preschen früher über die Gegend geflogen sind. Das müssen seltsame Geräusche gewesen sein", meint Laura Förster. Mitschüler Julian Böhm berichtet von Erählungen aus dem Zweiten Weltkrieg. "Für manche ging das Leben einfach weiter, trotz dessen, dass geschossen wurde", so Böhm, der Sprecher der Schule-ohne-Rassismus-Gruppe (SOR) ist. Am Freitag stand eine Themennacht auf dem Programm, bei dem sich die Schüler mit dem Thema "Krieg" auseinandersetzen sollten. "Wir haben uns das gemeinsam überlegt. Es soll in Anlehnung an die Lesenächte stattfinden", sagt Sprecher Julian Böhm. "Das Thema Krieg haben wir dabei sehr bewusst gewählt, damit sich die Leute damit befassen." Wichtig sei es der Gruppe dabei, nicht nur die reinen Fakten wie im Unterreicht zu beleuchten. "Es soll hier auch um die gesellschaftliche Ebene gehen", meint Böhm. Es soll dabei nicht nur um Krieg und den Nationalsozialismus gehen sondern auch beispielsweise um aktuelle Konflikte wie in Tschetschenien oder Nordirland.

Zur Auftaktdiskussion war auch Landrat Harald Altekrüger (CDU) gekommen. "In meiner Funktion als Landrat war ich schon bei Truppenübungen der Bundeswehr. Dort wird für Afghanistan trainiert. Einige kommen von dort traumatisiert zurück", so der Landrat. "Ich selbst habe auch bei der NVA gedient und im Falle eines Konfliktes hätten wir den Flughafen Tempelhof sichern müssen. Ich bin froh, dass es dazu nicht gekommen ist und wir in einem vereinten und friedlichen Europa leben."

Doch auch die Flüchtlinge, die oft durch Konflikte vertrieben werden, bleiben bei der Veranstaltung nicht unbeachtet. "Wir haben Mitschüler aus anderen Ländern und die sind voll integriert", sagt Schülerin Laura Förster. Schulleiter Thomas Röger mahnt aber in Richtung Politik. "Es gibt im Asylbewerberheim Kinder, die in Damaskus auf dem Gymnasium waren. Hier haben die keine Chance. Wir müssen uns von dem Gedanken verabschieden, dass alle Flüchtlinge irgendwann wieder nach Hause fahren", so der Direktor.

Eine Etage tiefer sitzt Wiebke Burchardt aus Forst an einer Puppe. In dem Raum sollen sich die Schüler vorstellen, dass sie nichts hätten und Spielzeug aus Altmaterialien herstellen müssen. "Ich mache aus einer Plasteflasche eine Königspuppe", sagt sie. Dennoch ist es für sie schwer, sich ein Leben in Krieg vorzustellen. "Aber ich glaube, wenn ich nichts hätte, dann würde mir die Puppe vielleicht helfen", meint die Schülerin. Auch den Film "Schindlers Liste" hat sie sich im Nebenraum bereits angeschaut. "Das lässt einen schon nachdenken", sagt sie.

Andere Schüler hören derweil Hörbücher rund um das Thema oder Lesen in der Literatur zu Krieg, Konflikten und Gewalt, die in einem Raum zusammengetragen wurde.

Was Gewalt gegen Menschen alles bewirken kann, davon berichtet Pfarrer Ingolf Kschenka. Der Geistliche hat auf vielen Reisen nach Israel auch Freunde von Anne Frank getroffen, die wie das Mädchen, welches durch ihr Tagebuch berühmt geworden ist, im Konzentrationslager gefangen gehalten wurden. "In Bergen-Belsen haben die Nazis sogar den Posten eines ,Scheißmeisters' eingeführt. Er musste einen Gong ertönen lassen, zu dem dann die Häftlinge auf Toilette durften", berichtet er und zeigt das Bild einer Skulptur. "Da ging es nicht nur um die bloße Vernichtung der Menschen. Das sollte der völligen Erniedrigung der Häftlinge dienen", erzählt er.

Die Veranstaltung schien gut anzukommen. "Das war toll. Auch die verschiedenen Aspekte des Themas fand ich gut", sagt Cheyenne Jentsch. Krieg finde sie zwar schlecht. "Aber vielleicht ist es unvermeidbar. Nicht alle Menschen sind mit Argumenten zu überzeugen."

Auch Samantha Singer hat gern an dem Themenabend teilgenommen. "Der Film war sehr bewegend und das Basteln hat Spaß gemacht. Aber ich bin froh, dass ich Forst lebe und nicht in einem Krisengebiet."