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Schrecklicher Fund bei Evakuierung in Forst

In dem grauen Haus hinter der Kurve in der Frankfurter Straße war während der Evakuierung am Mittwochnachmittag eine Bewohnerin tot aufgefunden worden. Es befand sich nur etwa 100 Meter innerhalb des Sperrbereichs, der für die Entschärfung der Fliegerbombe eingerichtet worden war.
In dem grauen Haus hinter der Kurve in der Frankfurter Straße war während der Evakuierung am Mittwochnachmittag eine Bewohnerin tot aufgefunden worden. Es befand sich nur etwa 100 Meter innerhalb des Sperrbereichs, der für die Entschärfung der Fliegerbombe eingerichtet worden war. FOTO: Frank Hilbert
UPDATE 2 Forst. Darauf weise der Verwesungszustand der Forsterin hin, sagte Polizeisprecherin Ines Filohn. Die Frau war am Mittwoch nach 13 Uhr in ihrer Wohnung in der Frankfurter Straße gefunden worden, als wegen der bevorstehenden Bombenentschärfung insgesamt 17 Teams aus Mitarbeitern der Feuerwehr, der Stadtverwaltung und des DRK noch einmal an allen Wohnungen im Sperrgebiet geklingelt hatten. Steffi Ludwig

Auf die Wohnung im obersten Stock des Wohnhauses in der Frankfurter Straße wurden sie von einem anderen Hausbewohner aufmerksam gemacht. Der habe Geräusche gehört und die Helfer darauf hingewiesen, dass sich in der Wohnung noch jemand aufhalten könnte, erläuterte die stellvertretende Bürgermeisterin Heike Korittke. "Wenn solch ein begründeter Verdacht besteht, haben wir als Behörde die Pflicht nachzusehen und auch einen Schlüsseldienst zu beauftragen", beschreibt Heike Korittke das vorgeschriebene Vorgehen bei solchen Evakuierungen. Das Einsatzteam habe Radio- oder Fernsehergeräusche gehört und geklopft. Es habe sich niemand gemeldet, die Tür sei jedoch nicht fest verschlossen gewesen und habe leicht geöffnet werden können, bestätigt Polizeisprecherin Ines Filohn.

Die Polizei geht von einem natürlichen Tod aus, da ein hinzugezogener Arzt keine äußeren Verletzungen feststellen konnte. Die Ermittlungen laufen, unter anderem zum Umfeld der Frau und ihren eventuellen Vorerkrankungen, so die Polizeisprecherin.

Wie eine Bewohnerin des Hauses in der Frankfurter Straße gegenüber der RUNDSCHAU sagte, habe die Frau allein und eher zurückgezogen gelebt. Sie sei einmal innerhalb des Hauses umgezogen, in eine kleinere Wohnung, direkt unter dem Dach. Es sei grausam, was passiert ist, sagt die Mitbewohnerin, die selbst am Mittwoch mit ihrer Familie während der Bombenentschärfung außerhalb von Forst war und von dem Vorfall erst später erfahren hatte. Es habe aber nichts im Haus auf diese Tragödie hingewiesen, sagt die Mieterin angesichts der Meldung, dass die Tote schon einige Tage in der Wohnung gelegen habe.

Nach der Meldung vom Fund der Toten wurde in Internetforen die Vermutung geäußert, dass dies der Grund für die Verzögerung bei der Bombenentschärfung gewesen sei. Das wurde auf RUNDSCHAU-Nachfrage aber von der Stadtverwaltung zurückgewiesen. Nicht der Fund der Toten habe zur halbstündigen Verzögerung geführt, sondern die Weigerung einiger Bürger, das Sperrgebiet zu verlassen, so Heike Korittke. Die Mitarbeiter von Feuerwehr und Polizei hätten es jedoch geschafft, dass alle Forster den Sperrkreis verließen, ohne dass jemand die 500 Euro Bußgeld zahlen muss. Abgesehen von dem Zwischenfall in der Frankfurter Straße sei man froh über den ruhigen Ablauf der Bombenentschärfung, so Heike Korittke. In den sozialen Netzwerken gab es Lob für Stadt, Sprengmeister und Helfer. Auch Klinik-Geschäftsführer Hans-Ulrich Schmidt war stolz auf seine Mitarbeiter, obwohl der eine oder andere Herzklopfen gehabt habe angesichts der doch recht nahen Bombe. Die Klinik hatte Bereiche, die innerhalb des 500-Meter-Radius lagen, in sichere Räume verlegt. So war auch ein Kaiserschnitt in einem OP hinter geschützten Mauern gut verlaufen. In der Cafeteria haben Patienten und Mitarbeiter den Live-Ticker der RUNDSCHAU auf der Leinwand verfolgt, so Schmidt. Auch beim Einsatzstab sei der Ticker gelaufen, so Sven Zuber, Leiter des Führungsstabes. Die Sonder-Internetseite der Stadt sei mehr als 11 000 Mal angeklickt worden, das Bürgertelefon verzeichnete von Montag bis Mittwoch rund 200 Anrufe.

Zum Thema:
Wie Polizeisprecher Ralph Meier bestätigt, sind im Zuge der Evakuierung am Mittwoch auf einem Hinterhof in der Gubener Straße vier Hanfpflanzen gefunden worden. Diese hätten die stattliche Größe von 1,50 bis 2,90 Meter gehabt, so Meier. Es wurde Strafanzeige gestellt. (fh/slu)