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Schräger Film-Dreh in Klinge

Zwei Forster als Revolutionärskinder: In der Einstiegsszene spielen Cedric Wagner und Lucy Abendrot als Komparsen mit.
Zwei Forster als Revolutionärskinder: In der Einstiegsszene spielen Cedric Wagner und Lucy Abendrot als Komparsen mit. FOTO: Anja Guhlan/ang1
Klinge. Das kleine Klinge ist für einen Tag zur großen Schauspielbühne geworden. Die Feuerakrobaten rund um die Gruppe "Ravenchild" drehten für eine amerikanische Steampunk-Band ein Musikvideo. Spätestens Ende Mai soll es auf dem Videoclip-Portal Youtube zu sehen sein. Die RUNDSCHAU ist beim Dreh des mystischen Films dabei gewesen. Anja Guhlan / ang1 red

Es ist eine Zeitreise ins 19. Jahrhundert. Die Menschen befinden sind noch im Dampfmaschinen-Zeitalter. Die Kleider oder Anzüge, die die Darsteller tragen, sind der viktorianischen Mode zuzuordnen, dazu tragen sie unter anderem Schweißerbrillen, verchromte Zahnräder, stählerne Kolbenstangen oder andere Gegenstände aus Kupfer oder Stahl an ihrem Körper. Es ist die Welt des Steampunks, eine paradoxe Fantasiewelt - industriell und doch verklärt, nostalgisch und doch fantasievoll.

"Die Idee, ein Steampunk-Musikvideo zu drehen, ist durch den Kontakt zu einer amerikanischen Steampunk-Band entstanden", erklärt Dirk Ruhbach, der der Feuerakrobatik-Gruppe "Ravenchild" angehört.

Während nämlich die amerikanische fünfköpfige Musikband "The Clockwork Dolls" der Feuerakrobatik-Gruppe kostenfrei Gema-freie Musik zur Verfügung stellt, wollte sich die Lausitzer Gruppe erkenntlich zeigen und für die amerikanische Band ein Musikvideo drehen. Auserkoren wurde der 2009 veröffentlichte Song "Impartial" (zu deutsch: unbefangen). In dem Song bereiten sich zwei verfeindete Lager auf einen Kampf gegeneinander vor. Während das eine Lager militärisch ausgerüstet ist, besteht das andere Lager aus Revolutionären, die mit Sensen und Schwertern kämpfen wollen.

In rund 60 Szenen wird die Handlung des Songs abgedreht. Die Szenen sind mystisch, enthalten ab und an Feuerelemente und zeigen die Kampfvorbereitungen, den Marsch und zuletzt den Anfang des Kampfes.

"Das Drehbuch ist ein Gemeinschaftswerk unserer neunköpfigen Ravenchild-Gruppe", erklärt Dirk Ruhbach. Das Zepter beim Dreh und Schnitt hat allerdings das Ravenchild-Mitglied Stefanie Bock in die Hand genommen. Die 27-Jährige ist gelernte Mediengestalterin in Bild und Ton mit der Spezialisierung Regie und Produktion. Sie dreht hinter der Kamera alle Szenen, während rund 30 Komparsen vor der Kamera ihr Bestes geben. "Ich habe bereits Erfahrungen im Filmdreh und finde die Idee eines Steampunk-Videos faszinierend", so Stefanie Bock. Sie weist die Darsteller genau ein, zeigt Bewegungen vor, schildert exakt die Mimik und Gestik, die sie von den Darstellern sehen will.

Barbara Schubert als Revolutionärs-Frau wirkt gerne in dem Film mit. "Es ist interessant, hier mitzuwirken. Es ist wie eine kleine Zeitreise und macht viel Spaß", sagt die 48-Jährige aus Groß Schacksdorf.

Auch der neunjährige Cedric Wagner aus Forst darf in dem Video mitmachen. Er hat die große Aufgabe, die Einstiegsszene mit darzustellen. "Vom Schauspielern habe ich eigentlich keine Ahnung, aber es macht total viel Spaß, das so zu spielen", so Cedric. Seine Mutter Diana Wagner (33) ist ebenfalls dabei. "Eigentlich ist unsere gesamte Familie beteiligt", sagt sie. Obwohl sie Mittelalter-Musik mehr mag, findet sie es klasse, dass Steampunk-Musik nun in der Lausitz durch die Gruppe Ravenchild mehr Aufwind erfährt. "Steampunk ist einfach eine interessante Mischung", so Diana Wagner.

Während die Darsteller verschiedene Szenen sowohl am Freilichtmuseum als auch am Raubrittertor in Klinge drehen, haben sich am Rand auch Zuschauer versammelt, um das Drehgeschehen zu verfolgen. Darunter ist auch Axel Woidtow. Der 60-Jährige ist stellvertretender Vorsitzender der Interessensgemeinschaft Klinger See und hat unter anderem dem Drehteam das Freilichtmuseum als Kulisse zur Verfügung gestellt. "Es ist schon interessant, diesem Dreh zu zuschauen. Allein die Kostümierungen sind schon ein Hingucker", sagt Axel Woidtow.

Am Ende des rund achtstündigen Drehs sind rund zwei Stunden an Filmmaterial zusammengekommen. Nun wird Stefanie Bock das Material nochmals sichten und in fachgerechter Art zu einem Musikvideo zusammenschneiden.

Am Ende soll dann ein mystischer sechsminütiger Videoclip auf dem Videoclip-Portal Youtube veröffentlicht werden. Momentan ist das Team noch am Schnitt, spätestens im Mai soll es auf Youtube erscheinen.

Zum Thema:
Das Raubritter-Tor zu Klinge mag ein magischer Ort sein, aber wie bekommt man 30 Komparsen für einen Steampunk-Dreh zusammen, die obendrein möglichst im Stil der viktorianischen Zeit gekleidet sind? Hinter der Antwort, die Chris Ruhbach von der Feuershow "Ravenchild" darauf hat, stecken Geschichten: Zum einen hat sie als gelernte Köchin offensichtlich nicht nur ehrenamtlich das Spiel mit dem Feuer gut im Griff. Zum anderen hat sie als stellvertretende Leiterin des bekannten Forster Tanz- und Musikvereins "Rondo Lusatio" auch den richtigen Dreh raus und Freunde gewonnen, die beim schrägen Steampunk-Dreh in Klinge mitgemacht haben. "Beim Dreh waren Freunde von uns dabei aus benachbarten Dörfern, darunter Leute, die regelmäßig beim Drachenbootrennen auf dem Spremberger Stausee dabei sind, Renaissancetänzer von Rondo Lusatia, Steampunk-Fans aus Leipzig und aus Roggosen, zwei Spremberger, die sich mit der Geschichte des amerikanischen Bürgerkrieges befassen und die Senftenberger Vaganten", zählt Chris Ruhbach auf. Steampunk ist laut Wikipedia ein Phänomen, das als literarische Strömung erstmals in den 1980ern auftrat und sich zu einem Kunstgenre, einer kulturellen Bewegung, einem Stil und einer Subkultur entwickelt hat. Häufige Elemente des Steampunks sind dampf- und zahnradgetriebene Mechanik und viktorianischer Kleidungsstil. Elemente des Steampunks finden sich in vielen Bereichen der populären Kultur wieder, von Film und Fernsehen über Gesellschaftsspiele bis zu Musikprojekten. red