Zart, zerbrechlich, etwas elfenhaft und geheimnisvoll wirken die Frauen, die er mit dem hauchfeinen Acrylfarben-Sprühnebel zeichnet, der aus der kleinen Spritzpistole dringt. "Schon in der Schule habe ich gern gezeichnet. Doch während der Berufsausbildung, der Arbeit bei der Telekom und des vierjährigen Fernstudiums rückte dieses Hobby in weite Ferne", sagt Jörg Arndt, der seine Kinder- und Jugendjahre in Döbern verbrachte. Als er vor knapp zehn Jahren nach Dresden zog, besuchte er dort auch Kreativmessen und wurde auf das Airbrush aufmerksam, sprach mit Händlern und Künstlern, zog Lehrbücher und das Internet zu Rate. Das meiste hat er sich selbst angeeignet. "Meine Hauptmaltechnik ist Airbrush. Ich nehme aber auch den Pinsel, radiere Farbe, kratze, schabe und nehme Spachtel zum Farbauftrag", erläutert der 44-Jährige, dessen Familie in Döbern lebt, seine Arbeitsweise, mit der er dem Fotorealismus sehr nahe kommt. Das Phantasie-Porträt eines Mädchens war sein erstes Werk und sorgte sofort für einen Paukenschlag. "Ich fand es recht gelungen und sandte es an die Zeitschrift Airbrush-Total, die zu einem Leserwettbewerb aufrief. Große Hoffnungen hatte ich jedoch nicht", bekennt er. Überraschenderweise belegte er dort unter 59 zum Teil sehr professionellen Mitbewerbern den dritten Platz und bewarb sich anschließend bei der deutschen Meisterschaft der Airbrush-Künstler im bayerischen Passau. Dort stellten zumeist ausgesprochene Profis ihre Bilder aus. Trotzdem gelang dem Freizeitkünstler dort der Sprung ins Mittelfeld. Stets lernte er von der Konkurrenz und verfeinerte seine Technik. Täuschend echt, wie Fotoaufnahmen wirken seine Porträts inzwischen. Doch nicht nur schöne Frauen, sondern auch Landschaften bringt er auf Karton oder Leinwand und experimentiert mit Leuchtfarben, die besonders bei der Ansicht des nächtlichen Dresden für große Wirklichkeitsnähe sorgten. Ausstellungen bei seinem Arbeitgeber in Radebeul sowie der Kreativmesse 2002 in Leipzig folgten. Damals trat die entfesselte Elbe über die Ufer und drohte auch die Ausstellungsräume zu überfluten. Doch Jörg Arndt konnte seine Werke unversehrt wieder in Empfang nehmen. Mehr als 50 Stück sind es inzwischen. Gegenwärtig macht sich Arndt bei Ausstellungen jedoch rar. "Zwei Jahre lang war er nur für mich da, besuchte mich abwechselnd mit seinem Bruder Raik und meinem Ehemann Peter fast täglich während der Reha", berichtet seine Mutter, die mit viel Energie gegen die Folgen eines Schlaganfalls ankämpft. "Dass ich diesen Schlag relativ gut überwunden habe, verdanke ich auch dem schönen Bild mit den leuchtenden Sonnenblumen". Das hing in dieser schweren Zeit immer als Mutmacher in ihrer Nähe.

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Hobby Modellbau Jörg Arndts zweites Hobby ist der Modellbau. So entstehen ungewöhnliche Flugobjekte des Tüftlers zumeist in Döbern, wo unter anderen ein Quadrokopter - eine mit raffinierter Antriebstechnik und Leuchtdioden ausgestattete Drohne - in der Dunkelheit mehrmals bei Kindern und den Bewohnern der DRK-Seniorenanlage für Begeisterung sorgte.