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| 02:35 Uhr

Schmidtchen fliegt nach Bonn

Die Streicheleinheiten von Josephin Böhm genießt Schmidtchen sichtlich.
Die Streicheleinheiten von Josephin Böhm genießt Schmidtchen sichtlich. FOTO: kkz
Forst. Im Flugzeug, begleitet vom Ehemann der künftigen Pflegerin, reist Kater Schmidtchen in wenigen Tagen nach Bonn. Im Tierheim und bei den Schmidtchen-Streichlern liegen Freude und Abschiedsschmerz eng beieinander. Katrin Kunipatz

Auf dem Arm von Josephin Böhm fühlt sich Schmidtchen sichtlich wohl. Als die junge Frau dem schwarz-weißen Kater den Bauch krault, schnurrt er behaglich. Eine halbe Stunde widmen Josephin Böhm und ihre Mutter dem etwa acht Jahre alten Kater. Seit März kommen sie dafür jede Woche ins Forster Tierheim.

Weit über die Grenzen der Stadt ist Schmidtchen im vergangenen Jahr bekannt geworden. Denn der Kater ist eines der Sorgenkinder im Tierheim. Als Diabetiker braucht er spezielles Futter. Außerdem leidet er unter einer Autoimmunerkrankung, die mit einem starken Juckreiz einhergeht. Vom Kratzen hat Schmidtchen große Wunden überall am Körper, die gepflegt und täglich frisch verbunden werden müssen. Deshalb trägt er Pullover und Halskrause und bekommt mehrmals am Tag Medikamente. Seine Berühmtheit hat Schmidtchen eine Patin in Bayern beschert, die regelmäßig Geld für Medikamente spendet und ihm zu Weihnachten ein Schlafkörbchen schickte.

Auch Susan Minuth ist auf den kranken Kater aufmerksam geworden. Intensiv tauscht sie sich mit Tierheimleiterin Karen Schulze über seine Behandlung aus. Denn die in Bonn lebende Frau hat selbst vier Katzen, zwei sind gesund, eine hat Diabetes und die andere leidet an der gleichen Krankheit wie Schmidtchen. Nach den Empfehlungen der Bonner Katzenliebhaberin mischen die Tierheimmitarbeiter in Forst das Futter für Schmidtchen zusammen. "Seitdem brauchen wir kein zusätzliches Insulin zu spritzen", freut sich Karen Schulze.

Die größte Überraschung gab es zum Jahresbeginn: Susan Minuth teilte der Tierheimleiterin mit, dass sie Schmidtchen zu sich holen möchte. Am 23. Januar wird der Umzug stattfinden. Viele Hilfsangebot und Spenden gab es dafür und nun ist seit wenigen Tagen klar: Schmidtchen darf nach Bonn fliegen. Und weil Susan Minuth und Karen Schulze Flugangst haben, macht sich Ehemann Michael Minuth mit dem Flugzeug auf nach Berlin-Tegel. Dorthin bringt die Tierheimchefin den Kater mit dem Auto. Schmidtchen steigt dann aus der normalen Katzenbox in eine fliegertaugliche aus Stoff um und wird am Abend seine neuen Mitbewohner treffen. "Ich hoffe, dass die Gruppe unser Schmidtchen gut aufnimmt und ihm die Abwechslung hilft", sagt Karen Schulze. Sie hofft, dass der Kater dann sogar ohne Halskrause laufen kann. Schmidtchens Pullover, das Schlafkörbchen, Verbandsmaterial, Halskrause und die Tabletten will die Tierheimchefin in einem großen Paket nach Bonn schicken. In den nächsten Tagen soll schon eine Decke auf die Reise gehen, damit die Katzen in Bonn schon einmal ihren neuen Gefährten erschnuppern können. Die Spenden der Patin, des Tiertherapiezentrums Leuthen und des Boxerklubs Freital-Hainsberg gehen als Startkapital nach Bonn, erklärt Karen Schulze. Davon können der Allergietest und der Besuch beim Tierdermatologen bezahlt werden. Termine, die man im Tierheim Forst ebenfalls für dieses Jahr geplant hatte.

Die Schmidtchen-Streichler, Josephin Böhm und ihre Mutter, freuen sich über die Pflegestelle. "Trotzdem sind wir auch traurig", gesteht die 19-Jährige. "Schmidtchen ist uns wirklich ans Herz gewachsen." Intensiv werden sie deshalb die verbleibenden Tage zum Kuscheln und Schmusen mit dem zutraulichen Kater nutzten. Doch eine Rundumbetreuung, wie sie Schmidtchen in der neuen Pflegestelle erhalten wird, könnten die Böhms nicht leisten.

Dem Tierheim in der Stadt Forst wollen sie trotzdem treu bleiben. "Wir haben uns schon erkundigt und wollen mit einem der Hunde spazieren gehen", so Josephin Böhm.