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Schild für Seniorenfreundlichkeit

Oberschüler der 10. Klassen haben in Döbern seniorenfreundliche Geschäfte ausgemacht und Hinweisschilder erstellt.
Oberschüler der 10. Klassen haben in Döbern seniorenfreundliche Geschäfte ausgemacht und Hinweisschilder erstellt. FOTO: Katrin Kunipatz
Döbern. Es sind nur zwei Stufen, aber für Menschen im Rollstuhl oder Senioren mit Rollator werden sie zum unüberwindlichen Hindernis. Deshalb hat sich der Seniorenbeirat der Stadt Döbern vor über einem Jahr des Themas "Barrierefreies Döbern" angenommen. Katrin Kunipatz

Das Amt Döbern-Land habe Unterstützung zugesagt, und auch an den Gewerbeverein habe man das Problem herangetragen. "Alles war sehr mühsam", berichtet Saskia Stahn, Vorsitzende des Seniorenvereins Döbern.

Im März kam durch Zehntklässler der Oberschule "Germanus Theiss" wieder Schwung in die Sache. Lehrerin Undine Passow, die bereits in anderen Bereichen mit dem Seniorenbeirat zusammenarbeitet, machte daraus ein Projekt im Wahlpflichtfach Wirtschaft - Arbeit - Technik. 13 Schülerinnen und Schüler setzten sich ganz konkret mit der Barrierefreiheit in Döberner Geschäften auseinander. Lisa Gorgs und Lara Bertko berichten, dass sie die einzelnen Geschäfte besuchten und sich anschauten, wie senioren- oder behindertengerecht die Läden sind. Denn barrierefrei ist ein Laden nicht nur, weil ein Rollstuhlfahrer allein durch die Tür kommt, sondern auch im Geschäft müssen die Wege genügend breit sein.

Oft seien die Schüler mit den Inhabern zum Thema ins Gespräch gekommen und konnten sich im Geschäft umsehen. Dabei erfuhren die Zehntklässler von den vielen kleinen Lösungen, die die Einzelhändler bereits für ihre älter werdende Kundschaft gefunden haben. Aber die Idee, eine vom Seniorenbeirat geförderte Klingel anzubringen, wurde meist abgelehnt.

Ihre Ergebnisse stellten die Schüler schließlich Saskia Stahn und Sylvia Schulz vom Seniorenbeirat vor. "Mehr als die Hälfte der Geschäfte sind behindertengerecht", fasst Dariusz Knorr zusammen. Stolz sind die Oberschüler auch, dass in einigen Döberner Geschäften jetzt ihre Hinweisschilder in den Schaufenstern hängen. "Seniorenfreundliches Geschäft" steht darauf.

Christina Sabo im Schreibwarengeschäft an der Forster Straße hat das Schild gern angebracht. Einige Stufen sind es bis in ihren Laden. Seit 26 Jahren hat sie das Geschäft an der Forster Straße. "Meine Kunden klopfen", berichtet sie. Eine Klingel hätte sie nicht gewollt. "Damit wird viel Schabernack getrieben", sagt sie. Im Jeansgeschäft "US-top like" von Michael Schumann kann man über eine Rampe die Ladentür erreichen. "Unser Geschäft ist seniorengerecht gebaut", erklärt er. Stuhl und Tisch lassen sich wegrücken, damit ein Rollstuhl durchpasst.

Als seniorenfreundliches Geschäft haben die Schüler auch den Optiker Sehland gekennzeichnet. Wie Optikermeisterin Ines Andreck berichtet, machen ihre Kunden Termine, und beim Blick nach draußen, werde schnell klar, wer Hilfe braucht. Mit dem Rollator gebe es keine Probleme. Mithilfe der Mitarbeiter oder einer Begleitperson überwinden die Kunden die wenigen Stufen und können im Geschäft wieder auf einem Stuhl Platz nehmen. Nur per Rollstuhl kann niemand ins Optikergeschäft kommen. Die von der Schule ins Gespräch gebrachten Rampen seien keine Option, weil für die Installation die Zustimmung des Hausbesitzers eingeholt werden müsste, so Ines Andreck.

Der Döberner Seniorenbeirat verbucht die Zusammenarbeit mit der Oberschule als Erfolg. "Es ist schön, dass sich junge Menschen mit den Bedürfnissen der Alten beschäftigt haben", sagt Saskia Stahn. Im nächsten Schuljahr soll das Projekt weitergeführt und weitere Geschäfte einbezogen werden. Es sei wichtig die Döberner verschiedener Generationen und die Geschäftsinhaber für die Barrierefreiheit zu sensibilisieren und eine Diskussion anzustoßen, so die Vorsitzende des Seniorenbeirats.