ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:49 Uhr

Sanfter Tourismus im Süden der Neißestadt

Hubert Marbach inspiziert die neue Bewässerungsanlage für seine Reben. Mit ihr lassen sich zielgenau die vier Hektar des Weingebietes bewässern.
Hubert Marbach inspiziert die neue Bewässerungsanlage für seine Reben. Mit ihr lassen sich zielgenau die vier Hektar des Weingebietes bewässern. FOTO: Christian Köhler
Jerischke/Pusack. Noch immer gehört der Weinanbau in Brandenburg zu den exotischeren Unternehmen. Auf gut vier Hektar baut Hubert Marbach in Jerischke Wein an, den er unter anderem bei einer Ziegenkäserei in Pusack verkauft. Christian Köhler

Auf stattliche vier Hektar Weinanbaugebiet bringt es Weinbauer Hubert Marbach in Jerischke. Auf dem Wolfshügel erhalten die vier Weinsorten des gebürtigen Rheinländers genügend Sonne, um zu reifen. "Meines Wissens nach zählt der von mir bewirtschaftete Weinhügel, den wir Wolfshügel getauft haben, zu den ältesten Weinbergen der Region", berichtet Hubert Marbach. Das vergangene Jahr brachte ihm eine Abfüllmenge an Wein von etwa 3000 Flaschen ein. "Wir haben darüber hinaus 2013 zu den zwei Hektar Anbaufläche zwei weitere hinzugewonnen", schildert Marbach.

Für ihn sei die Lausitz ein tolles Weinanbaugebiet. Hier gäbe es viele Sonnenstunden und warme Sommer. Allerdings regne es dafür weniger, was für die Trauben jedoch nicht gut ist. Die Bewässerung seiner Reben gestaltete sich deswegen in den letzten Jahren für den Weinbauern äußerst mühselig. "Wir haben Trinkwasser in Plastiktanks gefüllt und sie von unserem Hof aus auf den Berg transportiert", erinnert er sich. Diese Zeit gehört nun jedoch der Vergangenheit an. Hinter dem Haus des ehemaligen Vattenfall-Finanzvorstandes befindet sich ein Teich, der durch eine unterirdische Quelle permanent mit neuem Wasser befüllt wird. "Ich habe mir dafür eine Genehmigung eingeholt, dass ich das Wasser zur Bewirtschaftung des Weines nach oben pumpen darf", erläutert Hubert Marbach. Insgesamt habe er etwa 30 000 Euro investiert, damit seine Reben eine optimale Bewässerung erhalten.

Für die Installation des Systems hatte Marbach schweres Gerät kommen lassen, was Rohre vom Teich bis auf den Gipfel des Wolfhügels verlegt hat. Gegenwärtig installieren Arbeiter die Bewässerungsanlage. "Wir können mit zehn verschiedenen Wasserleitungen eine zielgenaue Bewässerung der Weinreben vornehmen", freut sich Marbach.

Auf dem Wolfshügel können Touristen seine Weine verkosten und einen Blick über den Weinberg hinab ins Jerischker Tal werfen. "Wir wollen hier einen sanften Tourismus", erklärt Hubert Marbach, "und keine vollen Busse. Die Leute sollen hier die Natur genießen." Er biete deshalb Gästezimmer in kleiner Zahl. Außerdem gehöre zu Marbachs Hobbys auch das Jagen, was er Interessenten gern in den Wäldern zeigt.

"Ich weiß, dass der Weinanbau in Brandenburg immer noch etwas exotisch anmutet, aber wir wollen hier keine Massenproduktion, sondern wir stellen ein Nischenprodukt her, was in der Region bleibt und hier verkauft wird." Darum bemühe sich Marbach, den Wein regional zu verkaufen.

Eine der Verkaufsstellen des Weins ist der Ziegenhof von Klaus-Bernd Günther in Pusack an der brandenburgisch-sächsischen Grenze. Auf seinem Hof befindet sich eine Käserei, in der er mit seiner Frau Andrea Roß seit 2005 in eigener Produktion verschiedene Käsesorten aus Ziegenmilch herstellt. "Unsere Saison fängt so langsam an", freut sich der Pusacker Ziegenhirte. An zwei Wochenenden haben in diesem Jahr schon Besucher auf seinem Hof Platz genommen und Käse und Wein verkostet.

"Im Februar und Anfang März sind zu unserer Ziegenherde 28 neue Lämmer hinzugekommen", erzählt Günther. Aufstocken wolle er seine Herde jedoch nicht. "Wir haben 18 Ziegen und einen Bock, das reicht uns", ist er sich sicher. Ökologische und natürliche Haltung der Tiere sei ihm besonders wichtig und von Massentierhaltung halte gar nichts. Wenn im Oktober die Ziegen keine Milch mehr geben, stelle er die Produktion von Käse oder Quark auch ein.

"Wir lassen auch den Käse so wie er ist", bekräftigt Klaus-Bernd Günther. Homogenisierung oder Pasteurisierung kämen für ihn nicht in Frage. Zusammen mit seiner Frau stellt er Rohmilchkäse her, der zu Frischkäse, Camembert, Rotschmierkäse oder Schnittkäse weiterverarbeitet wird. Für 100 Gramm Käse benötigt Günther etwa einen Liter Milch, die er jeden Morgen aus dem Ziegenstall holt.

Zudem gäbe es die Möglichkeit, auch Quark oder Milch bei ihm zu kaufen, allerdings sei die Nachfrage so hoch, dass man bei ihm vorbestellen müsse.

So wie Hubert Marbach setzt auch Klaus-Bernd Günther auf den sanften Tourismus. "Ich freue mich über diese Ruhe hier in Pusack", sagt er, "und ich bin froh, dass wir hier in so seiner schönen Natur leben." Wenn Gäste und Besucher seinen Ziegenhof besuchen, freue ihn dies. Für Massentourismus habe er dagegen nicht die Kapazitäten. "Wir sind eben hier klein, aber dafür fein."