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Sängerin Regina Thoss gastierte im Pavillon

Regina Thoss zu Gast im Forster Pavillon, im Gespräch mit Lutz Hoff.
Regina Thoss zu Gast im Forster Pavillon, im Gespräch mit Lutz Hoff. FOTO: mjn1
Forst. Schlagersängerin Regina Thoss gastierte am Wochenende im Forster Pavillon "Genuss & Kunst" – bei ausverkauftem Haus. Mit Moderator Lutz Hoff sprach sie über ihre Musik, ihre Träume und ihre Erinnerungen. Margit Jahn / mjn1

"Sie können schon mal Ihre Wohlfühlposition einnehmen, die Füße beim Vordermann auf den Schoß legen, und sich entspannt zurücklehnen": Mit diesen Worten stimmte Pavillonchefin Diana Podlesch ihre erwartungsfreudige Kaffeegesellschaft ein.

"Talk im Pavillon"- die nunmehr dritte Veranstaltung dieser Art - stand auf dem völlig ausverkauften Programm. Weil die Nachfrage nach dieser Veranstaltung derart hoch war, wurde kurzerhand der Sonntag in einer Wiederholung hinzugefügt.

Moderator Lutz Hoff begrüßte wortgewandt und stilsicher die eindeutig dominierenden Damen im Publikum. Er sagte: "Wenn so eine Veranstaltungsreihe dreimal läuft, hat es Tradition." Unter begeistertem Applaus trat die gebürtige Zwickauerin Regina Thoss dann vor die Zuschauer.

Textsichere Zuschauer

"Liebe ist ein Haus" war ihr erster Titel, und es gab kaum jemand im Publikum, der beim Refrain nicht mitsingen konnte. Einige Gäste stellten ihre Textsicherheit sogar am Mikrofon unter Beweis, welches Regina Thoss anbot, dabei durch die Zuschauerreihen wandelnd.

Dabei rief Regina Thoss den Leuten zu: "Seht ihr mich gut?" Bestens gelaunt zog sie singend und unterhaltend durch die engen Tischreihen.

Anschließend machte sie es sich gemeinsam mit dem Moderator in einer kleinen Seitennische gemütlich, und Lutz Hoff eröffnete die Plauderstunde. Wenn man derart lange im Unterhaltungsgeschäft tätig ist, hat man eine Menge zu erzählen, und die Zuschauer werden auf diese Art an Dinge erinnert, die man schon längst wieder vergessen hat. So ist so eine Talkrunde immer ein kleiner Ausflug in alte Zeiten. Und wie sagte Lutz Hoff? "Ich möchte nicht sagen, das früher alles besser war, aber schöner!" - so sind die Erinnerungen, die einem keiner nehmen kann.

Regina Thoss erzählte charmant und locker, wie sie zur Musikbranche gekommen war, berichtete von Heinz Quermann, der zu DDR-Zeiten viele Talente entdeckt hatte. Als sie 16 Jahre jung war, fuhr sie mit der "Muddel" nach Karl-Marx-Stadt zum Vorsingen, das heute wieder Chemnitz heißt. Damals war Heinz Quermann kurzfristig verhindert, bekam aber den Tip von seinen Kollegen, es gebe eine "junge Oberschülerin aus Zwicke" , die musikalisch viel Gesangspotenzial habe. Kurzerhand fuhr er später persönlich zu ihr nach Hause und sagte zur Mutter: "Ich möchte Ihre Tochter!" Im Jahr 2016 feierte Regina Thoss ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum. Gesungen hatte sie allerdings schon mit acht Jahren. Mit 20 Jahren bekam sie den Berufsausweis als Sängerin - ohne einen solchen durfte man nicht auf die Bühne.

Voller Energie

Wenn man Regina Thoss einige Jahre nicht mehr gesehen hat, dann ist es schon erstaunlich, welche Energie, aber auch warmherzige Ausstrahlung sie heute immer noch vor Publikum versprüht.

Sie selbst sagt dazu, dass viele Sänger eine ausgezeichnete Stimme haben würden, aber "Stimme und Bühnenpräsenz ist das Wichtigste". Das Eine ohne das Andere funktioniere nicht auf einer Bühne.

Anschließend wurde die große Leinwand vor dem Tresen aufgezogen und nostalgische Einspielungen von Liedern oder Talkrunden wurden eingespielt. Regina Thoss selbst ging ganz nach hinten, um von dort meist unter einem herzhaften Lachen verschiedene Szenen zu kommentieren. Zum Video "Die erste Nacht am Meer" sagte sie, dass sie damals anschließend 14 Tage krank gewesen sei, weil das Video im kalten Wasser gedreht wurde.

Sympathisch plauderte sie: "Ich bin ein Jetzt-Mensch, ich lebe jetzt." Beim DVD-Zusammenschnitt kamen viele Erinnerungen auf. Ihre Kollegen stellten bei ihrer Jubiläumsfeier fest: "Was du alles gemacht hast!"

Obwohl es nicht immer einfach war, als Frau immer auf Reisen zu sein, wie sie erzählte. Was für Männer selbstverständlich war, wurde bei ihr oft ein Spagat zwischen Familie und Beruf. Aber welcher Beruf hat nicht auch seine Schattenseiten? Wenn sie dann später auf großen Bühnen vor ausverkauften Häusern mit vielen anderen Künstlern vor einem begeisterten Publikum stand, dann wusste sie, dass ihre Entscheidung doch die richtige gewesen war.

Neue Perspektive

Sie erzählte dem Publikum, wie aufwändig damals die Fernsehproduktionen waren, wie es ist, der Prophet im eigenen Lande zu sein, der oft nichts wert sei. "Das Eingesperrtsein macht den Blick auf die anderen Dinge ganz klein."

Als sie dann öfter auf Schiffsreisen quer durch andere Länder fahren konnte, bekam sie einen neue Perspektive. Die Öffnung der Landesgrenzen war dann die große Erlösung.

Sympathisch, einfach und locker präsentierte sich Regina Thoss in ihrem schlanken schwarzen Hosenanzug mit einem großen silbernen Herz, und als sie bescheiden sagte, dass sie überall klar komme, Hauptsache, sie habe ein Fleckel zum Umziehen, rief Diana Podlesch hinter dem Tresen, halb in der Küche zu ihr: "Macht euch nicht lustig über mich." Wie sagt das Sprichwort so schön: Auch in der kleinsten Hütte ist Platz.

Umrahmt von den Plauderrunden, sang sie dann noch einige ihrer Lieder, wie "Die Art wie du mich liebst" oder "Blue Bayou" in einer Coverversion. Das Original stammt von Roy Orbison und Joe Melson, komponiert im Jahr 1961. Gerade dieses eingängige Lied wurde vielfach gecovert. Und auch Regina Thoss sang es in ihrer Art mit wunderbar weicher Stimme und immer noch unendlich viel Herz.

Wie im Fluge verging die Zeit. Als sie sang "Erst mit 50 beginnt das Leben", nickten lächelnd oder singend die meisten der Gäste. Diesen gelungenen und unterhaltsamen Nachmittag werden wohl viele Besucher des Pavillons in guter Erinnerung behalten.