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| 18:47 Uhr

Forst
Hier werden die Bakterien verwöhnt

Richard Smoller zeigt, wie sich Schlamm absetzt, welches Wasser in die Neiße gelassen wird, wie das Abwasser als Zulauf aussieht und was als Trockensubstanz in einer Menge von 800 Tonnen im Jahr anfällt und zum Kraftwerk Boxberg, in den Landbau zur Rekultivierung oder auch in Blumenerde geht.
Richard Smoller zeigt, wie sich Schlamm absetzt, welches Wasser in die Neiße gelassen wird, wie das Abwasser als Zulauf aussieht und was als Trockensubstanz in einer Menge von 800 Tonnen im Jahr anfällt und zum Kraftwerk Boxberg, in den Landbau zur Rekultivierung oder auch in Blumenerde geht. FOTO: LR / annett Igel-Allzeit
Forst. Klares Wasser verlässt das Forster Klärwerk in Richtung Neiße. Teilnehmer der RUNDSCHAU-Sommertour schnupperten am Dienstag am „Qualitätsprodukt“.

104 Jahre alt ist die Forster Kläranlage. Zwar fehlt dem Team um Frank Przychodski, Technischer Werkleiter des Eigenbetriebes städtische Abwasserbeseitigung, die Zeit, eine Chronik aufzuarbeiten. Aber Fotos vergangener Jahren hat er hängen. Und Interessenten, das merkt er zur RUNDSCHAU-Sommertour, gibt es. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte die Stadt mit 45 000 Menschen nicht nur mehr Einwohner, sondern 200 Textilfabriken, Walkereien und Färbereien. Alle  produzierten Abwasser. Mit fünf Langbecken wurde das Klärwerk 1914 an der Gubener Straße gebaut. 1973/1974 wurde die Becken auf zwei reduziert, ein Sandfang kam dazu. 1997/1998 konzentrierte sich die Sanierung auf die biologische Reinigung. 2017 wurde die mechanische Reinigung erneuert. Neben dem Abwasser, das über 107 Kanalkilometer zusammenkommt, leert ein Dienstleister der dezentralen Entsorgung seine Fahrzeuge am Klärwerk.

31 Pumpwerke, so Frank Przychodski, helfen in der Fläche, dass das Abwasser nicht lange steht. So sind mehrere der sieben Klärwerk-Mitarbeiter für Netz und Pumpen zuständig. Fünf weitere Mitarbeiter kümmern sich um die Verwaltung. Das Klärwerk braucht als Eigenbetrieb der Stadt einen Wirtschafts- und Investitionsplan. Zu 80 Prozent sei das Klärwerk ausgelastet. „Überdimensioniert ist es nicht. 17 000 Einwohner werden zentral entsorgt. Dazu kommen die dezentrale Entsorgung und die Industrie“, erklärt der Werkleiter. „Pro Einwohner fallen im Jahr durchschnittlich 37 Kubikmeter an.“ Und das Regenwasser landet hier.

 Geruchsprobleme seien nicht auszuschließen. „Hier an der Gubener Straße Wohnbebauung zuzulassen, war ein Fehler der Stadt“, sagt Frank Przychodski. Mit Westwind kommen die Forster klar, bei Ostwind gebe es öfter Beschwerden.

Abwassermeister Richard Smoller zeigt den Rechen, der das Grobe aus dem Abwasser harkt. Das kommt in Mülltonnen zum Entsorgen. Hier nimmt er nach 50 Kubikmetern zum ersten Mal Proben. Auch die Behörde schauen dreimal im Jahr unangekündigt vorbei.

Mit einem Schneckenhebewerk wird das Abwasser gehoben, damit es die mechanische Reinigung im freien Gefälle durchfließt. Dann wird Fett abgefangen. Die Klärwerker sind überzeugt, dass die Ernährung im Vergleich zu früheren Jahrzehnten fettreicher geworden ist. Im großen Rundbecken blubbert es. Hier arbeiten die Bakterien. Als die Kultur im Vorjahr bei den Sanierungsarbeiten zusammenbrach, mussten sich die Forster aus einem anderen Klärwerk eine neue Kultur holen. Was sie leisten, zeigt Richard Smoller im kleinen Laboratorium. Mehrere Sommertourteilnehmer halten die Nase über das klare Wasser im Becher. Nur die überall diskutierte Mikroplastik kann auch das Forster Klärwerk noch nicht herausfiltern.

An der Feinrechenanlage bleiben auch Wattestäbchen, die leider oft im Klo landen, hängen.
An der Feinrechenanlage bleiben auch Wattestäbchen, die leider oft im Klo landen, hängen. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Diese alte Becken im Klärwerk Forst wird noch bei Hochwasser gebraucht.
Diese alte Becken im Klärwerk Forst wird noch bei Hochwasser gebraucht. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit
Rundschau Sommertour 4c
Rundschau Sommertour 4c FOTO: LR / Schubert, Sebastian