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"Rücksichts-los?!"

Das war schon radikal. Jesus hatte auf seinem Passionsweg nach Jerusalem Menschen ziemlich hart zurückgestoßen.

Er verlangte von ihnen Rücksichtslosigkeit. Da wollten Menschen ihm folgen, und er verlangt, dass sie sich nicht verabschieden zu Hause und selbst im Todesfall, den Vater nicht bestatten. Keine Sicht zurück, rücksichtslos. Er begründet diese Radikalität mit dem Spruch, der zur Wochenüberschrift der neuen Kalenderwoche geworden ist: "Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes." (Lk. 9,62)

Was soll denn das? Ist Jesus ein Traditionsbrecher und Scharfmacher? Weiß er denn nicht, dass der Generationenzusammenhang wesentlich ist. Abschied von der Familie und Bestattung naher Angehöriger sind doch grundlegend für das Miteinander. Ist die Rücksicht im wahren Sinn des Wortes als Sicht zurück nicht elementar wichtig für den eigenen Weg in die Zukunft. Wer ohne Geschichte aufwächst, wird auch die Zukunft verfehlen.

Zugleich aber hat das Bild vom Pflug auch etwas Richtiges. Der Bauer, der beim Pflügen immer nur auf das bereits Gepflügte schaut, verfehlt ebenso sein Ziel. Die Furchen werden krumm. Beim Pflügen des Neuen muss der Blick nach vorn gerichtet sein. Hier ist Rücksichts-Losigkeit in ganz anderem Sinn wesentlich für den Erfolg.

Welche Zukunft haben Sie im Blick?

Die Leute, die sich damals wohl etwas euphorisch einreihen wollten auf den Passionsweg, die hatte Jesus im Blick bei seiner so radikal anmutenden Bemerkung. Sie sollten wissen, wohin er seinen Pflug gelenkt hatte. Da drohte Leiden, Niederlage, Sterben, Tod. Wollten sie das wirklich? Das schafft man nur mit einer Rücksichtslosigkeit, die den Blick konsequent auf die Zukunft ausgerichtet hat und die hieß für Jesus Ostern, Auferstehung, Leben, das den Tod für immer überwinden wird.

Die scheinbare Rücksichtslosigkeit verweist einen neuen Bezugspunkt: "Meine Augen sehen stets auf den Herrn, denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen." (Ps. 25, 15) Okuli, so der Namen des Sonntags ist davon abgeleitet und gibt das Ziel vor: "Meine Augen sehen stets auf den Herrn. . ." Um diesen Blick nach vorn geht es. Der Blick auf Gott, der sich selbst Leiden nicht erspart für uns, der macht nicht radikal, der macht barmherzig.

Deshalb: Okuli - mit Blick nach vorn auf diesen Gott und die Hand tatkräftig an den Pflug des Lebens gelegt. Stefan Süß ist Pfarrer der selbständigen Ev.-luth. Kirche