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| 16:55 Uhr

Rückblick vom Beckenrand

Hans-Joachim Noack hat die 80-jährige Geschichte des Groß Kölziger Schwimmbades recherchiert. Im Naturbad wird das Jubiläum gefeiert.
Hans-Joachim Noack hat die 80-jährige Geschichte des Groß Kölziger Schwimmbades recherchiert. Im Naturbad wird das Jubiläum gefeiert. FOTO: kkz
Groß Kölzig. Klar ist das Wasser im Naturbad Groß Kölzig. Dass die Badegäste fehlen, liegt in diesen Tagen allein am Wetter. Katrin Kunipatz

Ralf Peter Gerlach, der das Bad im Auftrag der Gemeinde betreibt, ist bisher zufrieden mit der Saison 2017. Etwa 2000 Besucher hat er seit Mai gezählt. In den vergangenen fünf Jahren kamen durchschnittlich 2500 Badegäste in das kleine Bad.

Vor allem Familien mit kleinen Kindern schätzen das mitten im Wald gelegene Naturbad. Aber auch Gruppen von Hort- und Kindergartenkindern sind regelmäßig im Bad. Die Besucher überzeugen die übersichtliche Anlage und der Verzicht auf jegliche chemischen Zusätze. Möglich macht dies die biologische Wasseraufbereitung. Die Pflanzen wachsen in einem speziellen Kiesbeet direkt neben dem Badebecken. Mikroorganismen an den Wurzeln bauen unerwünschte Stoffe ab. Nur die genau austarierte Durchströmung des Beckens gewährleistet die gleichbleibende Qualität des Wassers, erklärt Ralf Peter Gerlach. Und die Wassertemperatur darf nicht über 25 Grad Celsius steigen, sonst bricht das komplizierte Gleichgewicht der Mikroorganismen und Algen zusammen. Deshalb wird kühles Brunnenwasser zugeleitet. Den Badegästen kommt es entgegen. Selbst im Hochsommer ist so seit 2006 die Abkühlung garantiert.

Dabei das Schwimmbad in Groß Kölzig viel älter. Ziemlich genau vor 80 Jahren, am 31. Juli 1937, wurde es eingeweiht. Grund genug für Hans-Joachim Noack, die Geschichte des Bades zu recherchieren und eine kleine Ausstellung vorzubereiten. Zum Auftakt der Jubiläumswoche wird sie am Freitag um 20 Uhr in der benachbarten Bruchmühle eröffnet. Wie viele andere Kölziger hat der heute 77-jährige Noack nach dem Zweiten Weltkrieg in dem 25-Meter-Becken das Schwimmen gelernt. Ein Dreimeterbrett und zwei Einmeterbretter sorgten für Abwechslung. Schwimmmeister war damals Alfons Geisler. "Für uns war er wie ein Vater", so Noack.

Zum Kölziger Bad kam er selbst als Sportstudent immer wieder zurück. Er beaufsichtigte die Badenden und organisierte Schwimmfeste. Später war Hans-Joachim Noack Sportlehrer an der Leipziger Universität und lud seine Studenten zu Schwimmlehrgängen nach Groß Kölzig ein. Eine Tradition, die der Wander- und Tourismusverein, dessen Vorsitzender Noack ist, über die Jahre fortführte. Zum Jubiläumswochenende erwartet er wieder ehemalige Absolventen im Naturbad. Sie veranstalten am Samstagnachmittag den 45. Kölziger Traditions-Bier-Orientierungslauf. Am Sonntag folgt ab 10 Uhr ein Frühschoppen, zu dem ehemalige Wettkampfschwimmer eingeladen sind.

Außerdem ist es Hans-Joachim Noack gelungen, Zeitzeugen des Schwimmbadbaus ausfindig zu machen. Am Dienstag, 1. August, ab 15 Uhr sind acht Männer und Frauen geladen, die als Zehn- bis 13-Jährige verfolgten, wie innerhalb von nur drei Monaten das Becken ausgehoben und gemauert wurde. Die Kölziger Einwohnerschaft war zur freiwilligen Mitarbeit aufgerufen. "Mietschuldner konnten beim Bau des Schwimmbades helfen und ihre Mietschulden abtragen", berichtet Hans-Joachim Noack.

Jahrzehnte lernten die Kölziger Kinder hier das Schwimmen, auch der heutige Betreiber Ralf Peter Gerlach gehörte dazu. 1997 wurde das Bad geschlossen, die teure Sanierung und die zu erwartenden hohen Betriebskosten konnte die Gemeinde Groß Kölzig nicht aufbringen. Die Idee eines Naturbades wurde geboren. Aber es brauchte bis 2006, bevor man im Schwimmteich planschen konnte.