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Rudolf Rothkegel kämpfte gegen die Not

Forst. Rudolf Rothkegel (Repro: Kundisch) war nach dem Zweiten Weltkrieg der erste Forster Bürgermeister. Er wurde vor 120 Jahren, am 10. Dezember 1889, in Winnweiler, Kreis Kaiserslautern, geboren. Gerd Kundisch

Während seiner Amtszeit in den Jahren 1946/51 organisierte er das Leben in der kriegszerstörten Stadt neu, ließ Trümmer beräumen und versuchte mit den unterschiedlichsten Maßnahmen den größten Hunger der Bevölkerung zu stillen. Als Rothkegel nach Kriegsende in die Neißestadt kam, lag ein langer Leidensweg hinter ihm, den viele Andersdenkende, Gewerkschaftsfunktionäre, Sozialdemokraten und Kommunisten, im Deutschland der Nationalsozialisten erleben mussten.

Als junger Mensch trat der gelernte Former in die Gewerkschaft ein und wurde Mitglied der SPD. Ihn prägten nicht nur die Fronteinsätze im kaiserlichen Heer sondern auch die russische Kriegsgefangenschaft und die Oktoberrevolution. Für ihn galt es, die Macht der Arbeiterklasse zu errichten. Im November 1918 wurde er in Moskau zum Vorsitzenden des Zentralrates deutscher revolutionärer Arbeiter und Soldaten gewählt. 1919 trat er in die bolschewistische KP Russlands ei Bevor Rudolf Rothkegel 1924 nach Deutschland zurückkehrte, arbeitete er für die Internationale Arbeiterhilfe in der Sowjetunion und in China. Im Jahr darauf trat er der KPD bei und war in der Elbestadt Hamburg in den verschiedensten Partei- und Gewerkschaftsfunktionen tätig. Im April 1933 verhaftet, durchlitt er bis zur Befreiung im Jahr 1945 durch amerikanische Truppen verschiedene Zuchthäuser und Konzentrationslager.

Am 17. Juli 1945 hieß sein Ziel Forst. Die Stadt, in der er seine Schwester wieder fand. Schon bald begann sein Wirken für die Stadt. Er gründete die Gewerkschaften neu, arbeitete als 2. Vorsitzender eng mit dem russischen Stadtkommandanten zusammen, organisierte die Bodenreform in Groß Schacksdorf und wurde schließlich in das Amt des Bürgermeisters berufen. Um die Wohnungsnot zu lindern, unterstützte er die Bemühungen von Oberbürgermeister Schmellentin, die ausgebrannten Häuser in der Ringstraße wieder auszubauen.

Die Forster Bevölkerung trug mit Geldspenden, der Bereitstellung von Material und durch die Leistung von Enttrümmerungsarbeiten tatkräftig dazu bei. So auch beim Wiederaufbau der Gaststätte im nahe gelegenen Rosengarten. Rothkegel beeinflusste die Arbeit als Abgeordneter im Hauptausschuss des im Jahr 1950 gewählten Stadtparlaments. Als Verfechter für die Sache der Arbeiterklasse fuhr Rothkegel 1957 nach Moskau und Leningrad. In der Sowjetunion sah er die Garantie dafür, dass in absehbarer Zeit die kapitalistische Welt auf allen Gebieten überholt werden kann. Anlässlich des 8. Jahrestages der DDR, im Jahr 1957, er-hielt er den Vaterländischen Verdienstorden. Nach schwerer Krankheit starb Rudolf Rothkegel am 13. Oktober 1964. Anlässlich seines 75. Geburtstages, und in Würdigung seines Lebenswerkes, beschlossen die Forster Stadtverordneten die Umbenennung der Gubener Straße in Rudolf-Rothkegel-Straße. Dieser Akt wurde feierlich am 8. Mai 1965 vollzogen.

Im Nachwendejahr 1990 erhielt die Gubener Straße ihren alten Namen wieder zurück. Spätere Bemühungen der PDS-Fraktion im Stadtparlament, Rudolf Rothkegels Wirken erneut mit der Namensgebung einer Straße zu würdigen, scheiterten jedoch im Jahr 2000. Gerd Kundisch