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| 17:19 Uhr

Stachelige Freunde
Rosenseminar im Forster Rosengarten

 Uta Smolny erklärte die Rosenpflege nicht nur in der Theorie, sondern ebenfalls direkt an den stacheligen Objekten und die Anwesenden saugten alles wissbegierig auf.
Uta Smolny erklärte die Rosenpflege nicht nur in der Theorie, sondern ebenfalls direkt an den stacheligen Objekten und die Anwesenden saugten alles wissbegierig auf. FOTO: LR / Margit Jahn
Forst. Die Freunde, die mit den Rosen tanzen bekamen Tips und Tricks zum besseren Gedeihen ihrer stacheligen Freunde – Motivation zum mutigen und richtigen Frühjahrs Schnitt für die kommende Rosensaison. Von Margit Jahn

Die Motivation der einzelnen Teilnehmer zum Rosenseminar, welches am Sonnabend auf dem Rosengartengelände in der Gaststätte „Rosenflair“ stattfand, hätte nicht unterschiedlicher sein können. Stefan Palm, Parkmanager des Ostdeutschen Rosengartens und Uta Smolny, Teamleiterin der Grünflächen der Stadt Forst, luden ein und die Gäste kamen – reichlich.

Pracktische Tipps für die Rosenfreunde

„Ich habe einen Garten und auch Rosen darin. Und wenn man nicht weiß wie sie geschnitten werden, wachsen sie“, so Susanne Noack, Rosenfreundin aus Forst. Sie ergänzt: „Ich habe meine Rosen ja nicht einmal angehäufelt, hoffentlich leben sie noch.“ Ganz anders Peter Relitzki. Er hat keinen Garten, ist aber als Gästeführer in der Stadt unterwegs. „Nach der richtigen Pflege und auch den Schnitten, wird besonders oft auf meinen Führungen nachgefragt“. Er ist am Sonnabend dabei, um sich für die kommende Saison mit den neuen Gästen vorzubereiten. Aufmerksam schaute er Uta Smolny zu, wie sie nach dem großen Theorieteil in den Außenanlagen demonstrierte, wo man die Schere mit dem richtigen Schnitt ansetzen muss. „Ich habe mir in Horno einen kleinen Rosengarten angelegt, vor der Terrasse“, sagt Dagmar Wellenbrink. „Ich habe sie erst mal wachsen lassen, aber so schön wie ich dachte, war es nicht“. So ihr Beweggrund, ihren Rosen mit etwas Theorie, aber vor allem Praxistipps, Gutes zukommen zu lassen. „Mir hat das keiner beigebracht, wie man Rosen schneidet“ so die nüchterne und etwas traurige Feststellung von Martina B., die eigens aus Guben in die Nachbarstadt gekommen ist, und sehr begeistert vom Vortrag, aber gerade den praktischen Tipps an den Rosenbeeten war.

Einführung, Schnittarten, Schnitt nach Rosenklassen und das richtige Werkzeug, das waren die vier Hauptsäulen im Vortrag von Stefan Palm. Anschaulich in einer Videopräsentation dargeboten, erfuhren die Teilnehmer zunächst viele theoretische Kenntnisse vom Rosengartenchef. Damit sich auch keiner etwas aufschreiben musste, gab es parallel zur Videodarbietung eine 30 seitige Handreichung für jeden teilnehmenden Gast. So konnten sich die interessierten Rosenfreunde ganz auf den Vortrag konzentrieren und ihn auch mit Fragen füllen. In einer Stunde erfuhren die Teilnehmer Wissenswertes zu Wuchsformen, Grundregeln des Rosenschnittes, Schnittarten, und erhielten Tipps für das richtige Werkzeug.  Die gute Schere sollte eine schmale Spitze für enge Verzweigungen haben, eine Gegenklinge besitzen, aus gutem Stahl sein, sehr scharf sein und austauschbare Verschleißteile haben. Keinesfalls sollten die Zweige durch unscharfe Werkzeuge gequetscht werden, so der Seminarleiter. Stachelfeste Handschuhe sind auch ein Muss.

Die ersten Schnitte können demnächst gemacht werden

Interessant war zu erfahren, das es bei Neuzüchtungen in den ersten 1-2 Jahren schwer einsortierbar ist, ob sich aus der Neuzüchtung eine Beet- oder Strauchrose entwickelt. Das ist bei neuen Rosen unbekanntes Terrain. Grundregel für den ersten Schnitt sei, wenn die Forsythie blüht. Je nach Wetterlage wird in der nächsten Woche mit den ersten Schnitten im Rosengarten begonnen. „Meine Rosen zu Hause fasse ich auch noch nicht an“, so Palm. Das Buch „Ratschlag für den Rosenfreund“ von Werner Gottschalk, ehemaliger Gartenbauingenieur, langjähriger Rosengartenleiter und 40 Jahre lang „Herr der Rosen“, ist heute noch so aktuell wie damals.

„Schwach bleibt schwach“ ist auch eine Regel, die die Teilnehmer beherzigen sollen. Gemeint sind zu dünne Triebe, die großzügig verschnitten werden sollen. „Das ist jetzt die Theorie“ sagt er mit einem lächeln, „wir werden sehen, wenn wir nachher bei den Rosen stehen, sieht es anders aus. Freuen Sie sich drauf“. Und das bestätigt sich nach einer Stunde im Praxisteil an den Beeten. Denn so einfach wie auf den Zeichnungen ist nicht alles für die Teilnehmer erkennbar. Uta Smolny setzt die Schere radikal an, das so manch einer feststellt, das ja kaum etwas an der Rose übrig bleibt. Dagmar Wellenbrink, pensionierte Pfarrerin resümiert: „Ich habe Respekt vor dem Leben“ und meint damit, das es ihr schwerfällt, schon austreibende Triebe zu verschneiden. Aber weil sie keine Fehler machen möchte, ist sie heute mit ihrer Gartenhelferin dabei.