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| 02:36 Uhr

Revanche beim Herbstpreis

Forst. Herbstsonne, einige Hundert Besucher und wie immer packende Steherrennen beim Herbstpreis im Forster Rad- und Reitstadion. Den Organisatoren vom Polizeisportverein (PSV) war es gelungen, am Sonntagnachmittag fast den kompletten Endlauf der Deutschen Meisterschaften in die Lausitz zu holen – dazu das komplette Schweizer Nationalteam. mle1

Europas beste Steher kamen zum diesjährigen Saisonfinale über drei Stunden mit drei Forstern im Fahrerfeld. Sie starteten in zwei Läufen über 30 km und 50 km. Am Ende eines hochdramatischen Hauptlaufes mit gelungener Revanche hatte Franz Schiewer hinter Schrittmacher Gerd Gessler nach 125 Runden in 45:49 Minuten die Nase vorn. Die Offiziellen errechneten eine Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 72 km/h. Das entsprach einem Rundendurchschnitt von 21:86 Sekunden!

Und das "höllische" Tempo forderte seinen Tribut. Nach nur 20 gefahrenen Runden musste der erste Fahrer vom Rad: Stefan Schäfer war der Pedalarm abgerissen. Er musste das komplette Rad wechseln. Der einstige Lokalmatador Marcel Möbus im Fahrerlager hatte aber blitzschnell reagiert und für Schäfer die Rennmaschine von Flori Fernow herangeholt, sodass der deutsche Meister innerhalb der vorgeschriebenen Rundengrenze weiterfahren konnte. Doch wenige Runden später musste er erneut vom Rad wegen eines Hinterraddefektes. Nach Schadenbehebung aber fuhr Schäfer Attacke, griff immer wieder den Schweizer Meister Guiseppe Atzeni hinter Schrittmacher André Dippel an, der zwischenzeitlich die Führung übernommen hatte. Den packenden Zweikampf konnte indes Franz Schiewer für sich nutzen. Er war am Ende der strahlende Sieger vor Schäfer und Atzeni.

Damit gelang Schiewer die Meisterschaftsrevanche gegen Schäfer (beide PSV). Denn im Juli war Schiewer in Leipzig noch Vizemeister hinter Schäfer geworden. Die Forster sahen Franz Schiewer zum Herbstpreis übrigens zum ersten Mal auf der heimischen Bahn. Beim PSV hatte es im Vorfeld geheißen, "dass viele Forster extra auf die Bahn kommen, um den neuen Stern am Steherhimmel zu bestaunen".

Stehermeister Florian Fernow, der aus gesundheitlichen und beruflichen Gründen eine Pause vom aktiven Radsport eingelegt hatte, fuhr beim Herbstpreis sein letztes Rennen. Zuvor war der Berliner am 24. Juni 2014 nach zehnjähriger Steherkarriere in Nürnberg in den Sattel gestiegen. "Er wollte aber seine Karriere auf seiner Lieblingsbahn beenden", erklärte der PSV. Dafür habe der ehemalige deutsche Stehermeister und Publikumsliebling hart trainiert. Der Berliner gewann sein letztes Rennen über 30 km in 28:19 Minuten hinter seinem "alten" Schrittmacher Peter Bäuerlein vor Steffen Kaiser (Heidenau) und Marcel Kuban mit Schrittmacher André Dippel. Er war der dritte Forster im 15 Gespanne umfassenden Fahrerfeld. Für den Altmeister aus Berlin war es ein bewegender Abschied auf seiner Lieblingsbahn, als das letzte Mal für ihn der Sportpalastwalzer erklang und er mit einer selbstgewählten Musik durch das Räderspalier seiner Sportskollegen, fuhr um dann endgültig vom Rad zu steigen.

"Eine tolle Veranstaltung", fand Michael Wiegeleben, der seit vielen Jahren regelmäßig zu den Radrennen in seiner Heimatstadt kommt. "Das erste Mal war ich 1955 auf der Rennbahn", erzählte er, "damals lag ich noch im Kinderwagen".