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| 02:34 Uhr

Reinhard Natusch auf den Spuren von Pastor Groß

Forst. In Vorbereitung auf die nächste Museumsnacht am 9. September, die auf dem Hof des Dorfmuseums in Sacro zum Thema "Auf den Spuren der Vergangenheit – 500 Jahre Reformation" stattfinden wird, ist Reinhard Natusch vom Heimatverein Forst-Nord derzeit mit umfangreichen Recherchen beschäftigt. red/pos

Dabei sind ihm die Aufzeichnungen von Pastor Groß eine unerlässliche Hilfe.

Pastor Groß lebte von 1900 bis 1936 in Sacro (geboren am 2. Juni 1868 in Görlitz, gestorben am 18. Januar 1947 in Frankfurt (Oder). Er befasste sich nicht nur mit der Geschichte des Dorfes, sondern verfasste auch ein umfangreiches Familienbuch des Kirchspiels, schrieb Dorfpläne mit den dazugehörigen Flur- und Ortsnamen und hat damit zutreffende Deutungen niedersorbisch-wendischen Sprachgutes veröffentlicht. Er sammelte mundartliche Ausdrücke, verfasste eine ausführliche Übersicht der Herrschaft Forst-Pförten und einiges mehr.

Über Forst schreibt Pastor Groß: "Die Stadt Forst oder Forste, früher auch zum Forste genannt, hat ihren Namen gewiß von den rings umher weit ausgedehnten Wäldern. In der Stadt kann man noch heute ihre drei ursprünglichen Bestandteile unterscheiden: die deutsche Stadt und die beiden ursprünglich wendischen Dörfer Berge und Altforste. Vielleicht ist auch die deutsche Stadt gegründet worden auf dem Platz einer alten wendischen Ansiedlung, die den Namen Barschz oder Boschz (gleich Wald) geführt haben soll." Alle Gemeinden, die eingemeindet wurden, seien sorbisch-wendischen Ursprungs.

Zur Diskussion über das sorbisch-wendische Siedlungsgebiet äußert sich Reinhard Natusch wie folgt: "Es geht meiner Meinung nach nicht so sehr um das Noch-Vorhandensein sorbisch-wendischer Bräuche, sondern um die Erhaltung eines wertvollen kulturellen Erbes … Mir erscheint es wichtig, dass Sorben-Wenden Bräuche am längsten gepflegt haben. Ganz gleich welchen Ursprungs." Der Geschichtskenner nennt ein Beispiel: In der Kirche von Horno oder im Dorfmuseum werden Totenkronen aufbewahrt, die unverheiratet Gestorbene erhielten. Dieser Brauch war in vielen Ländern Europas üblich. Bis ins vorige Jahrhundert hielten die Sorben-Wenden an diesem Brauch fest.