Von Steffi Ludwig

Engagierte Städte gibt es sicher viele – aber 16 von ihnen sind im Osten Deutschlands in der gleichnamigen Initiative vertreten. Und elf davon haben sich am Donnerstag in Forst zum ersten Regionaltreffen Ost versammelt, um über ihre Erfahrungen und Wünsche zu sprechen. Forst wurde als Veranstaltungsort ausgesucht, weil es wie Guben, Weißwasser oder Görlitz ebenfalls eine Engagierte Stadt ist – vor vier Jahren ausgewählt als eine von 50 aus 271 Bewerbern. Denn hier, im Kompetenzzentrum, dem ehemaligen Warmbad der Stadt, hatte sich der dortige Verein um den Vorsitzenden Michael Lindner auch maßgeblich um die Bewerbung zur „Engagierten Stadt“ gekümmert.

Es ging damals, als auch die Flüchtlingswelle nach Forst schwappte, vorrangig um die Koordination sämtlicher Fragen rund um die Flüchtlinge. Nach einer Koordinatorin hatte dies ein achtköpfiges Gremium übernommen. Doch nun, wo im Jahr 2018 dem gesamten Landkreis Spree-Neiße nur noch 38 Flüchtlinge zugewiesen wurden, sei das Thema nicht mehr so vordergründig. Jetzt geht es laut Manuela Kohlbacher, Leiterin des Kompetenzzentrums, eher um bürgerschaftliches Engagement: „Wir unterstützen Leute, die sich engagieren wollen.“ Ein sechsköpfiges Team, zu dem neben ihr auch Stadtteilmanagerin Kathleen Hubrich sowie die engagierte Seniorin Carola Frohnicke zählt, arbeite daran. Dabei greifen verschiedene Initiativen in Forst wie das Flüchtlingsnetzwerk oder das Biwaq-Projekt „Mittendrin statt außen vor“ ineinander. Das Theaterstück und der Bauwagen „Bilder im Kopf“, bei dem es um Vorurteile geht, soll weitergeführt werden. Zudem soll ein Begegnungsort oder Café für Senioren oder Menschen ohne Verein eingerichtet werden, möglichst in einem leeren Forster Geschäft, so Manuela Kohlbacher.

Ein Kulturcafé als Ort, wo Menschen zusammentreffen können, sei auch in Guben gerade im Aufbau, berichtet Koordinatorin Petra Dörl vom Begegnungszentrums der Volkssolidarität. Sie habe damit vor Kurzem ein „schwieriges Erbe“ angetreten, da aufgrund des Weggangs von Initiatorin Andrea Arndt der ursprünglich geplante Runde Tisch des Ehrenamts nicht zustande gekommen war.

Erfolgreicher waren da andere Städte: So ist in Stendal ein Bürgertreff aufgebaut worden, in Radebeul ein Vereinsportal als digitale Plattform. In Ebersbach-Neugersdorf ist ein Erzählcafé, unter anderem für Senioren, in einem Gebäude auf dem ehemaligen Lautex-Gelände entstanden, berichtet Projektleiterin Sarah Rudo. In Görlitz sei eine Online-Plattform für Engagement mit zwei Blogs entwickelt worden, wo Ansprechpartner oder Ideen zu finden sind, erklären Jana Lübeck und Anna Olbrich. In Hohe Börde soll ein Kontaktbüro aufgebaut werden. Schmalkalden hat laut Koordinatorin Tamara Wedel bereits Runde Tische und Nachbarschaftsfeste organisiert. Als offene Tür, Vermittler zwischen Stadt und Vereinen oder Unterstützer hilfsbedürftiger Menschen sehen sich Weißwasser, Marienberg und Freiberg.

Doch wie geht es weiter, wie sollen die Projekte und das Personal finanziert werden, wenn die Förderung Ende 2019 wegfällt?, fragen sich viele. Rosa Mugler von der Breuninger Stiftung sagte in Forst, dass alle Partner, also die Stiftungen und das Bundesfamilienministerium, wollen, dass es weitergeht. Man arbeite mit Hochdruck an einer Lösung, die für Ende Mai angekündigt ist. Einige Städte wie die sächsischen haben sich zusammengeschlossen, um schlagkräftiger zu sein.