Von Steffi Ludwig

Schon 30 Jahre auf der Bühne? „Unglaublich!“, sagt Brian Bossert selbst, wenn er darüber nachdenkt. „So alt bist Du doch noch gar nicht!“, wundern sich andere, wenn sie von dem Jubiläum hören. Nun ja, er ist 48 – wirkt jedoch durch die langen Haare jünger. „Außerdem bin ich als Sozialarbeiter sowieso Berufsjugendlicher“, meint Brian Bossert grinsend. Denn seit inzwischen 19 Jahren arbeitet er in der Jugendgerichtshilfe des Landkreises Spree-Neiße, betreut dort straffällig gewordene Jugendliche und versucht, sie wieder auf die richtige Bahn zu bringen.

Die Musik war immer dabei, und die Entscheidung, dies nicht hauptberuflich zu tun, für Bossert immer die richtige. „Musik machen und hören ist für mich mit die schönste Nebensache der Welt“, findet er. „Sie ist für mich oft ein Trostspender gewesen, aber auch Selbstverwirklichung und Freudenspender.“ Rock und Folk seien eine innere Erfüllung und ein guter Ausgleich für alles andere. „Man rostet einfach nicht ein.“

Alles hatte am 10. März 1989 begonnen, als Brian Bossert in der Pause der Uhu-Band das erste Mal auf einer Bühne stand und im Bluesschuppen Eulo einen bunten Strauß „immergrüner Melodeien“ feilbot, wie er selbst formuliert. Bob Dylan hatte ihn dazu animiert, mit dem Gitarre- und Mundharmonikaspielen zu beginnen. Aber auch andere Musiker, die in seinem Elternhaus gehört wurden, hatten ihn geprägt: Pink Floyd, die Rolling Stones, Calvin Russell, Neil Young, Jimi Hendrix, Janis Joplin, Joe Cocker und noch viele andere. Vom Stones-Gitarristen Brian Jones entliehen die Eltern gar den Vornamen für ihren Sohn. Und auch Brian Bossert hat Musikernamen weitergegeben: Sein Sohn Calvin Ray (12) ist nach Rocker Calvin Russell benannt, Sohn Marvin James (15) nach dem verstorbenen Bruder von Brian, James „Jimi“ Bossert, und diesem hatte der richtige Namen von Jimi Hendrix, James Marshall, Pate gestanden.

Beide Söhne werden auch am 16. März kurz mit ihm auf der Bühne des Forster Liveclubs „Manitu“ stehen, wenn Brian Bossert zu seinem 30. Jubiläumskonzert einlädt. Normalerweise mögen beide dies wohl nicht so, machen in diesen Fall jedoch eine Ausnahme. Ansonsten habe er an diesem Abend eine illustre Schar an Kollegen und Wegbegleitern um sich versammelt. In erster Linie sind das die drei Bands, in denen Bossert selbst seit vielen Jahren spielt: River Of No Return, The Pink Floyd Project und BB & The String Tornados. Mit seinem Bandkollegen Sven Salli Sonsalla mache er die längste Zeit Musik, nämlich 28 Jahre, so Bossert. Aber auch Shawue, Marv & Frank, Eclat, Wolfgang Dannat und einige weitere Gäste hat er eingeladen. Alle treten ohne Gage auf. Der Erlös des Konzertes soll genau wie vor zehn Jahren, als es ein ähnliches Jubiläumskonzert gab, den Forster Kindergärten zugute kommen. „Für alle acht Kindergärten werde ich Musikinstrumente besorgen“, kündigt der Musiker an.

Immer mental mit dabei ist auch sein Bruder James „Jimi“ Bossert, der 1992 bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen war und der ebenfalls mit in der Band River Of No Return gespielt hatte. Für ihn veranstaltet Bossert seitdem jedes Jahr ein Gedenkkonzert. Auch ein jährliches Weihnachtskonzert im „Manitu“ gehört seit 1992 zu den regelmäßigen Veranstaltungen, ebenso die Auftritte im Spremberger Dudelsack. Seit 14 Jahren tritt Brian Bossert zudem auf dem Weinfest in Meißen auf, ebenso lange zu Himmelfahrt in der Forster Gaststätte „Am Turnplatz“. In Klein Partwitz ist er seit einiger Zeit zu Pfingsten zu erleben – und ansonsten solo oder mit einer der Bands bei Privatpartys, die in der Region, aber auch hinter Dresden oder in Thüringen stattfinden.

Geprobt wird im ehemaligen Jugendklubhaus in der Gubener Straße, das ab August zum neuen Jugendzentrum umgebaut wird. Bossert und seine Bandkollegen müssen sich neue Räume suchen. „Eigentlich sind wir ja auch keine Jugendlichen mehr“, sagt er schmunzelnd. „Aber rollende Steine setzen nun mal kein Moos an.“