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| 14:24 Uhr

Ratternde Züge stören Forster

Am Tag passieren die Züge nur selten die unbeschrankten Bahnübergänge, wie hier an der Triebeler Straße in Forst.
Am Tag passieren die Züge nur selten die unbeschrankten Bahnübergänge, wie hier an der Triebeler Straße in Forst. FOTO: Katrin Kunipatz
Forst. Wenn nachts ein Containerzug durch Forst rollt, ist das gut zu hören. Anwohner wollen Ruhe und fordern deshalb, den Verkehr auf dem Gleis ins Gewerbegebiet einzuschränken. Die Betreiberfirma verweist auf gültige Genehmigungen. Katrin Kunipatz

Die beiden Herren - ein Senior und ein Familienvater - wohnen in der Stadtwallstraße in Forst. Ihre Namen wollen sie nicht in der Zeitung lesen, ihre Sorgen schon. Direkt an ihren Grundstücken führt das Anschlussgleis zum Forster Gewerbegebiet entlang. "Hier fahren etwa dreimal am Tag und zweimal in der Nacht lange Güterzüge", so der Senior. "Die Erschütterungen spüre ich vor allem nachts, noch bevor der Zug zu hören ist", berichtet der Familienvater verärgert. "Laut und störend ist ebenfalls das Abbremsen der Züge." Er schlafe deshalb unruhig, wache auf, könne nicht mehr einschlafen und sei am Tag entsprechend müde.

Sorgen bereitet den beiden Herren auch der Umstand, dass die langsam fahrenden Züge für bis zu sieben Minuten die Bahnübergänge blockieren. Rettungsfahrzeuge müssten warten und würden entsprechend länger bis zum Einsatzort brauchen. Die Folgen könne sich jeder ausmalen. Und die unbeschrankten Bahnübergänge seien aus ihrer Sicht im Stadtgebiet bei starkem Verkehr überhaupt nicht zulässig, weil herannahende Züge von den Autofahrern gar nicht rechtzeitig wahrgenommen werden können.

Im Sommer vergangenen Jahres hatten die Anwohner der Stadtwallstraße ihre Sorgen Bürgermeister Philipp Wesemann (SPD) geschildert. "Aber die Stadt hat uns direkt an die Firma verwiesen", berichtet der Familienvater. In einem zweiten Schreiben - unterschrieben von 26 Anwohnern - forderten sie im November, den Schienenverkehr auf dem Anschlussgleis zu beschränken oder einzustellen. "Ich möchte wieder ruhig schlafen können", formuliert der Familienvater seinen Wunsch. Da der Bürgermeister erkrankt ist, gab es bisher darauf noch keine Antwort.

Bei der Lion-Group ist man im Bilde. Geschäftsführer Sven Noatzke habe schon Anfragen der Eisenbahn-Aufsicht und der Stadt beantwortet. "Nur die Bürger waren noch nicht bei mir", sagt er. Per Bahn transportiert die Lion-Group hauptsächlich Container von den Nordseehäfen bis zum Umschlagterminal im Holunderweg und zurück. Von Forst werden die Container per Lkw an Kunden in Polen, Tschechien, Südbrandenburg und Sachsen verteilt. "Wir haben entsprechende Genehmigungen für die Nutzung des Gleises", sagt Sven Noatzke. Und die Lokführer seien angewiesen, in den Wohngebieten weniger hart zu bremsen.

Etwa acht Züge werden pro Woche abgefertigt. Die größere Zahl der Bewegungen auf dem Gleis komme durch Leerfahrten der Loks zustande. Obwohl es keinen festen Fahrplan gibt, versuche die Logistikfirma eher in der Nacht zu fahren. "Wir wollen so die Stadt entlasten", erklärt der Geschäftsführer. Nachts seien weniger Autos unterwegs und auch eine Einsatzfahrt des Rettungsdienstes sei weniger wahrscheinlich. Die Lion-Group könne aber wenig Einfluss auf die Abfahrtzeiten nehmen. Wann die Züge Forst erreichen, hängt davon ab, wie sie in Cottbus auf die Strecke nach Forst gelassen werden. "Nicht selten warten wir zwei bis drei Stunden, weil andere Züge Vorrang haben", so Sven Noatzke.

Eine Änderung wird es im Herbst geben, wenn die Lion-Group das neue Containerterminal im sächsischen Kodersdorf in Betrieb nimmt. Der größte Teil des Containerverkehrs tangiert Forst dann nicht mehr. Und auf dem Anschlussgleis werden entsprechend weniger Züge unterwegs sein.