| 17:54 Uhr

Veranstaltung
Stolze Kämme und ein Krimi

Ein besonders schönes Exemplar war der stolze Chabo-Hahn von Züchter Tilo Schneider aus Forst.
Ein besonders schönes Exemplar war der stolze Chabo-Hahn von Züchter Tilo Schneider aus Forst. FOTO: Margit Jahn / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Forst. Mehr als 370 Tiere aus Spree-Neiße wurden bei der Rassegeflügelausstellung in Forst gezeigt.

Es gackert und kräht fröhlich im großen Raum der ehemaligen Fabrik in der Kirchstraße. Mehr als 370 Tauben, Enten und Hühner von Züchtern aus dem gesamten Spree-Neiße-Kreis wollen bewundert werden oder auch einen neuen Besitzer bekommen.

Ein ganz besonders hübscher Kerl ist ein prachtvoller Hahn der Zwerghuhnrasse „Chabo“ von Tilo Schneider aus Forst. Von weit her, aus Japan, seinem Heimat- und Ursprungsland, ist er nach Europa eingereist. Die uralte Rasse mit kurzen Läufen und einem hoch stehenden Schwanz ist passend für das japanische Schönheitsempfinden gezüchtet worden. 1860 ist sie erstmalig nach Deutschland eingeführt worden, berichtet Tilo Schneider.

Unbedingtes Merkmal dieser auffälligen Schönheiten ist der lange aufrecht getragene Schwanz und der federüppige Hals, der wie modisch aufgeplustert ausschaut. Sein Kamm ist besonders beim Hahn auch deutlich größer als bei anderen Rassen, erklärt Tilo Schneider. Sechs Monate alt sind seine 16 ausgestellten Chabos. Einige der struppigen Schönheiten haben bis Mittag auch einen neuen Besitzer gefunden. Zirka zehn bis 35 Euro kostet ein Zuchthahn.

Tilo Schneider hat in dieser Saison 60 Jungtiere aufgezogen. „Eigene Hühner schmecken immer besser“, sagt er. Diese kleinen Hühner, die mit nur 600 Gramm als Ein-Mann-Portion gelten, esse er am liebsten traditionell mit Kartoffeln und Rotkohl. So gibt es auch keinen „Zank um die Keulen“, sagt er lächelnd, jeder bekomme alles auf den Teller.

Wenn man mit den Besuchern vor den Käfigen ins Schwatzen kommt, beginnen die Augen zu glänzen. Auch Berthold Schulz, den man sonst in zünftiger Kutscherkleidung im Park von Bad Muskau mit seiner Kutsche antrifft, zieht es zur Ausstellung. Er selbst ist sehr geschichtsinteressiert und erzählt nebenbei, wie früher Brieftauben als Botschaftsüberbringer eingesetzt wurden. Diese Art der Tauben sind in Forst nicht dabei, ihnen gilt jeweils eine Sonderausstellung.

Für die beiden schicken Zwerghennen der Rasse „Wyandotten“ von Karl-Heinz Müller und Ingrid Wunderlich wird vor Ort ein passender Hahn gesucht. Schließlich soll es den beiden „Damen“ im Stall in Groß Jamno auch gut gehen. Sie züchten viele Hühner vor allem „zum Spaß und zur Freude für die Enkel und Urenkel“, so Ingrid Wunderlich.

Die beiden sind von der Ausstellung sehr angetan und finden: „Es sind viele schöne Tiere dabei.“ Karl-Heinz Müller ist früher Brieftaubenzüchter gewesen und 1994 sogar 1. Bezirksmeister von Berlin-Brandenburg und im selben Jahr 11. Meister von Deutschland mit seinen vier Tauben, die damals zur Wertung gekommen sind, geworden. An diese Zeit erinnert er sich voller Stolz zurück.

„Früher gab es mehr Taubenzüchter“, sagt er etwas bedauernd, heute sei alles sehr teuer geworden. Von über 800 Kilometer Entfernung haben es Brieftauben übrigens schon geschafft, wieder in die Heimat zu fliegen, eine mehr als beträchtliche Leistung. Dies sei dann aber mit Strapazen verbunden und auch nicht ungefährlich, denn in der Luft lauerten größere Feinde, die für die vom weiten Weg geschwächten Tiere dann eine leichte Beute sind. Das Flugwetter werde auch vorher exakt einkalkuliert: Bei Regen, welcher zu einem zu nassen Gefieder führen würde, gebe es Flugverbot. Auch Sturm und Wind würden zu vielen Verletzungen führen, und dieses Risiko gehe man nicht ein.

Tauben würden bis zu fünf Jahre alt, so Karl-Heinz Müller. Er erzählt auch, dass Taubengerichte, besonders in Suppenform, früher gern Lungenkranken serviert wurden. Aber nun sucht das Ehepaar immer noch einen prachtvollen Hahn und geht weiter durch die Gänge der aufgeregten Schnatterer und Kräher in Forst.

An anderer Stelle kommt es zu einem kleinen Krimi: Genau 17 Tage alt sind die Wachteleier von Gerd Metag aus Neuhausen jetzt, und eigentlich warten alle Züchter und natürlich auch Gäste gespannt darauf, den neuen und jüngsten gefiederten Nachwuchs zu begrüßen. Leider haben es die unzähligen, im kuscheligen, mobilen Brutkasten liegenden Wachtelküken nicht eilig, sich durch ihre wunderschön farbigen Eierschalen ins neue Leben zu picken.

Obwohl das große Schlüpfen gewöhnlich am 17. Tag beginnt. Hier ist also Geduld angesagt. Auch die kleine Assistentin Jessika Balzer (6), die nebenbei fast profihaft beim Verkauf des Züchterkataloges hilft, wartet ungeduldig - denn so etwas sieht man schließlich nicht alle Tage.

(mjn)