ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:50 Uhr

Tyrannei
Randalierer schikanieren Forster und Döberner

In der Promenade in Forst hat am Mittwoch ein 25-Jähriger randaliert. Immer wieder kommt es hier zu Vorfällen.
In der Promenade in Forst hat am Mittwoch ein 25-Jähriger randaliert. Immer wieder kommt es hier zu Vorfällen. FOTO: LR / Steffi Ludwig
Forst/Döbern. Beschimpfungen, Handgreiflichkeiten, Zerstörungswut: Randalierer bedrohen in Forst und Döbern Passanten und Gewerbetreibende. Die fühlen sich machtlos. Von Steffi Ludwig und Katrin Kunipatz

Eine Antwort auf die Frage, ob Alkohol im Spiel war, konnte die RUNDSCHAU von der Stadt am Freitag nicht mehr erhalten. Umliegende Geschäfte wie Schreibwaren-Friebel hatten von dem speziellen Vorfall nichts mitbekommen. „Allerdings ist hier ständig was los, seit das Alkoholverbot leider wieder gekippt wurde“, berichtet Carola Friebel. Zahnärztin Britta Ferdyn, die ihre Praxis über der Promenade hat, pflichtet ihr bei. Polizei und Krankenwagen seien öfter vor Ort, es sei laut und dreckig durch herumliegende Bierflaschen oder Kippen. „Das nervt und ist kein gutes Bild für das Stadtzentrum.“ Seit April gilt ein Alkoholverbot von 18 bis 24 Uhr. Die Umsetzung eines ganztägigen Alkoholverbotes war der Stadt vom Landkreis Spree-Neiße untersagt worden, nachdem es einen Einwand eines Bürgers wegen Eingriffs in seine Grundrechte gegeben hatte.

28-Jähriger tyrannisiert Döberner

Aber nicht nur in Forst gibt es Vorfälle dieser Art. Seit April häufen sich ähnliche Meldungen aus Döbern. Ein 28-Jähriger, der in Groß Schacksdorf lebt, tyrannisiere Geschäftsinhaber und Passanten, berichtet eine Anruferin. Er randaliere auf der Straße, klaue beim Discounter und bedrohe die Angestellten, erzählt sie. Schon oft sei die Polizei gerufen worden, es gebe mehrere Anzeigen, aber dem jungen Mann sei nicht beizukommen.

Polizeisprecherin Ines Filohn erläutert: „Wir können niemandem willkürlich die Freiheit entziehen.“ Es müsse einen Haftgrund geben und dieser liege vor, wenn eine Tat begangen wird, die mit Gefängnis bestraft werden kann. Im Fall des Döberner Unruhestifters sei dies jedoch nicht der Fall. Klar seien seine Verhaltensauffälligkeiten nervig für die Anwohner und Gewerbetreibenden, aber die Polizei sei an rechts­staatliche Grundsätze gebunden und habe in diesem Fall nur begrenzte Möglichkeiten. Die Polizisten in Döbern und im Revier Forst bemühen sich deshalb, die Taten der Einzelperson zusammenzufassen, um das Problem deutlich zu machen.

Außerdem habe die Polizei Kontakt zum sozial-psychiatrischen Dienst aufgenommen. Dieser ist beim Landkreis Spree-Neiße angesiedelt. Amtsarzt Dr. Sven Sondergeld bestätigt, dass es die Bitte der Polizei gibt, die Person aufzusuchen und eventuelle Gründe für das auffällige Verhalten zu ermitteln. Die ärztliche Schweigepflicht verbiete es ihm jedoch, weitere Auskünfte zum konkreten Fall zu machen. Grundsätzlich sei eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus nur möglich, wenn sich der Betreffende freiwillig dorthin begibt oder eine unmittelbare Gefahr für den Menschen oder andere Personen bestehe, die nur abgewendet werden könne, indem die auffällige Person untergebracht werde. Weiterhin erläutert Sondergeld, dass letztlich ein Richter anhand der ärztlichen Beurteilung entscheidet, ob die Einweisung erfolgt. Im Fall des Groß Schacksdorfers sei dies jedoch nicht möglich.

Falle schnappt in Cottbus zu

Schließlich ist es der Polizei am Montag dieser Woche gelungen, den Mann in Cottbus bei einem Einbruchdiebstahl zu erwischen, teilt Sylvio Boigk mit. Er ist Leiter der Kriminalpolizei in Forst. Dank der engen Zusammenarbeit zwischen Kripo und Revierpolizei sei es möglich gewesen, dem Mann auch andere Straftaten in Döbern, Tschernitz, Forst, Weißwasser und Cottbus nachzuweisen. Auf der Liste stehen Dutzende Anzeigen, unter anderem Einbruch, Ladendiebstahl, Körperverletzung, Betrugshandlungen und Betäubungsmitteldelikte. Damit konnte die Untersuchungshaft beantragt und vom Richter angeordnet werden, so Boigk. Aufgabe der Polizei sei nun, weitere Taten beweissicher zu machen. Für alles andere im Zusammenhang mit dem Strafverfahren sei die Staatsanwaltschaft zuständig.

Gegen den Forster ermittelt die  Polizei wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung und Widerstand.