| 15:41 Uhr

Radsport
Couch statt London

Beine hoch und lesen: Radsportlerin Romy Kasper muss sich nach ihrem Sturz nun zu Hause ausruhen.
Beine hoch und lesen: Radsportlerin Romy Kasper muss sich nach ihrem Sturz nun zu Hause ausruhen. FOTO: Steffi Ludwig / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Forst. Radsportlerin Romy Kasper erholt sich nach dem Sturz bei der Bahnrad-EM zu Hause in Forst. Von Steffi Ludwig

Eigentlich hätte Romy Kasper am Freitag im Flugzeug nach London gesessen, um dort bei den Sixdays anzutreten. Aber stattdessen muss sie mit der heimischen Couch im Forster Elternhaus vorlieb nehmen und sich ausruhen. Denn nach ihrem Sturz am Samstag bei der Bahnrad-Europameisterschaft in Berlin sah das Resümee doch schlimmer aus als zunächst diagnostiziert: „Die dritte Rippe links ist gebrochen, die vierte Rippe angebrochen, die Lunge gequetscht“, konstatiert die 29-jährige Radsportlerin.

All das war bei einer Computertomografie am Montag in Leipzig festgestellt worden, da die Schmerzen am Montagmorgen dann doch schlimmer wurden - und ihr irgendwie bekannt vorkamen: Denn bereits 2012 und vor zwei Jahren hatte sie sich eine Rippe gebrochen, da allerdings die rechte.

„Inzwischen sind die Schmerzen erträglich“, sagt sie am Mittwochabend. Laufen, Treppensteigen - kein Problem. Auch ein bisschen auf der Rolle habe sie bereits gesessen, verrät sie. Denn lange still sitzen oder gar liegen ist so gar nicht ihr Ding - momentan aber notwendig. „Deshalb versuche ich, viel zu schlafen, auch mittags“, sagt Romy Kasper. Das klappt momentan allerdings nur in einer Position - die rechte Seite ist tabu. Ansonsten ist sie viel in der Physiotherapie, unter anderem, um die Rippen etwas zu dehnen und die Muskulatur zu lockern. Und neben dem Ausruhen sei Bewegung auch gut für die gequetschte Lunge - da kam nach der Physio ein kleiner Bummel mit ihrer Mutter, die als Lehrerin gerade Ferien hat, gerade recht.

„Aber es tut echt weh, dass ich nicht in London dabei sein kann, da hatte ich mich drauf gefreut“, ärgert sich Romy Kasper. Inzwischen habe sie die erste Verordnung des Arztes, vier Wochen zu pausieren, auf drei Wochen heruntergehandelt, schmunzelt sie. Sie wäre sogar gern den Weltcup im polnischen Pruszkow am 4. und 5. November gefahren.

Aber Bundestrainer André Korff, der Arzt und Romy Kasper entschieden am Donnerstag gemeinsam, dass Pruszkow für sie doch ausfällt, sie dann aber mit höchstwahrscheinlich am Weltcup in Manchester vom 10. bis 12. November teilnimmt. „Nur wenn es eine Weltmeisterschaft gewesen wäre, wären wir das Risiko eines Starts nächste Woche eingegangen“, sagt sie. Denn gerade durch die Lungenquetschung sei sie nicht zu 100 Prozent leistungsfähig.

Dabei hatte nach ihrem Sturz am Samstag im Scratch-Rennen, das sie für die erkrankte Lisa Küllmer bestritten hatte, alles gar nicht so schlimm ausgesehen. Im Bundeswehrkrankenhaus waren lediglich Schürfwunden und Prellungen festgestellt worden, und auch Romy Kasper fühlte am Sonntag vor dem Madison-Rennen keinen allzu großen Schmerz. „Es war eher wie ein ausgerenkter Wirbel“, erinnert sie sich. Das Adrenalin vor ihrem EM-Highlight und ein Schmerzmittel am Sonntagmorgen taten offenbar das Übrige, sodass sie mit ihrer ebenfalls angeschlagenen Sportskollegin Lisa Küllmer in dem Rennen - ihrem zweiten gemeinsamem Madison-Rennen überhaupt - startete und auf einem 9. Platz landete.

Doch die Zeit und der abfallende Stress brachten am Montagmorgen dann doch größere Schmerzen, die die Forsterin zu einer nochmaligen Untersuchung veranlassten.

An den Sturz selber habe sie keine Erinnerungen, auch nicht an die Zeit danach. Erst durch Bilder und Videos weiß sie, wie es zu dem Sturz gekommen ist, als eine Fahrerin vor ihr langsamer wurde, die Forsterin überholen wollten und dabei mit einer weiteren Fahrerin kollidierte. „Ich bin auf den Kopf geflogen, der Helm ist in fünf bis sechs Teile zersplittert - aber ich hatte keine Kopfschmerzen“, berichtet sie. Ihre Eltern und „der halbe Verein“ haben das Rennen mit dem Sturz verfolgt, die Großeltern seien zum Glück nur am Donnerstag da gewesen. Ihre Mutter habe ihr geraten, am Sonntag nicht zu fahren. „Aber ich wollte es versuchen, wenn nichts kaputt ist“, so Romy Kasper. Auch Bruder Reik und Familie drückten ihr dann am Sonntag die Daumen.

Nun heißt es erstmal, noch eine Weile ausruhen. Langweilig wird ihr sicher nicht - nebenbei lernt sie für ihr Sportwissenschaft-Studium.


Romy Kasper wird nach ihrem Sturz beim Scratch-Finale behandelt.
Romy Kasper wird nach ihrem Sturz beim Scratch-Finale behandelt. FOTO: Frank Hammerschmidt / Hammerschmidt Frank