Morgens um neun Uhr ist im Spargelbetrieb in Preschen bereits die Hölle los. Seit drei Stunden sind 22 deutsche und polnische Erntehelfer auf den Beinen. Der Spargel muss gestochen, sortiert und für den Verkauf vorbereitet werden. Gelassen gibt Gerald Kaltschmidt Anweisungen, telefoniert und koordiniert. „Eigentlich ist es doch ganz ruhig“ , meint der Landwirt trocken. „Richtig Stress ist das noch nicht!“ Dabei wurde die Spargelanbaufläche dieses Jahr um knapp drei auf 17,2 Hektar erweitert. Zusätzlich wurde ein neuer Schockkühler gekauft, der den frischen Spargel innerhalb von 20 Minuten auf zwei Grad gekühlt, um Frische und Qualität des Saisongemüses zu garantieren.
Dem wachsenden Druck durch die polnischen Spargelanbieter versucht der Landwirt durch „kontinuierliche Qualitätskontrollen und vernünftige Preise“ entgegenzutreten. „Unser Spargel wird während der gesamten Saison in einem Labor in Bernau untersucht und hat sich durch diese freiwilligen Überprüfungen das Gütesiegel Pro-Agro verdient“ , erklärt Gerald Kaltschmidt stolz.
Der gute Ruf des Preschener Spargels sichere dem Familienunternehmen eine wachsende Zahl von Stammkunden - auch in den über 25 Restaurants und Hotels, die während der Saison in der gesamten Lausitz direkt beliefert werden. „Die polnischen Preise können für uns allein durch die höheren Produktions- und Energiekosten hierzu Lande kein Standard sein“ , erklärt der Landwirt. „Wir halten unsere Preise trotz steigender Kosten seit Jahren konstant, können aber nicht an Technik oder Arbeitskräften sparen.“
Sechs deutsche und 16 polnische Erntehelfer sind seit zwei Wochen auf Kaltschmidts Spargelfeldern im Einsatz. Die Rekrutierung der Arbeitskräfte für Sortierung und Verkauf erfolgte schon im Januar. Die Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt verlief gut, dennoch reiche die Effektivität der deutschen Arbeitskräfte noch nicht an die der erfahrenen polnischen Arbeiter heran. „Wir stehen ja gerade am Anfang der Saison. Bis jetzt bin ich mit den Leuten zufrieden. Nur zwei sind abgesprungen. Man muss schauen, was die nächsten Wochen bringen“ , beurteilt Kaltschmidt die Fähigkeiten seiner Landsleute. Ziel sei, die Kunden durch Qualitätsware davon zu überzeugen, ihr Geld für deutschen Spargel auszugeben. Als mögliche Alternative zum Direktverkauf beginnt am Sonntag die Belieferung eines sächsischen Großmarktes durch den Preschener Spargelbauern.
Derweil herrscht am Döberner Verkaufsstand reger Betrieb. „50 Kilo Spargel habe ich schon verkauft“ , strahlt Verkäuferin Angelika Weise aus Groß Kölzig. Ilona Sellenk aus Krauschwitz ist als Kundin die beste Werberin für Kaltschmidt: „Ich kaufe nur Preschener Spargel. Von dem weiß ich wenigstens, wo er herkommt und dass er schmeckt!“ Die Spargelsaison dauert noch bis zum Johannistag am 24. Juni.