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Praktisch niemanden erreicht

Spree-Neiße / Cottbus.. Seit Jahren versuchen Kammern und Kommunen, auf die Auswirkungen der EU-Ost erweiterung für die Region aufmerksam zu machen. Doch eine Studie aus Göttingen wirft nun die Frage auf, ob die teilweise geförderten Aktivitäten überhaupt ihr Ziel erreichen. Von Jürgen Scholz

Ein Ergebnis der Studie lässt aufhorchen: Nur 7,2 Prozent der Handwerker aus der Region Cottbus fühlen sich gut über die EU-Osterweiterung informiert. Und das, obwohl mehrere EU-geförderte Einrichtungen seit Jahren das Ziel verfolgen, Unternehmen auf die Marktöffnung vorzubereiten.
Für Ilona Petrick, Geschäftsstellenleiterin der Euroregion Spree-Neiße-Bober in Guben, stellt sich die Frage, wie man die Vielfalt der Institutionen bündeln könnte, um sinnvolle und nachprüfbare Effekte bei der Beratung und Information zu erzielen. Man werde sicherlich in der nächsten Beratung des erweiterten Euroregionsvorstandes darüber sprechen müssen, meint die Geschäftsstellenleiterin. Auch in der Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft der Euroregion werde das Thema noch erörtert.
In der Handwerkskammer Cottbus zog man erste Konsequenzen. Da die bisher allgemein gehaltenen Informationen offenbar ihre Wirkung verfehlten, soll nun branchenspezifisch vorgegangen werden, erklärt Carsten Märländer, Betriebsberater der Handwerkskammer. Außerdem soll der individuellen Beratung mehr Bedeutung zukommen. Schließlich stelle sich nicht für jeden Betrieb die Frage nach Kooperationen in oder mit Polen. „Wir wissen auch, dass wir nicht an jeden Handwerker herankommen werden“ , räumt Märländer ein. Für manche steht der Existenzkampf im Vordergrund, für andere spiele das Thema keine Rolle. Nur 8,7 Prozent der Handwerker gaben an, ihr Unternehmen auf die Osterweiterung vorzubereiten, nicht mal jeder 20. Handwerker aus der Grenzregion sieht die Chancen der EU-Osterweiterung überwiegen. Aber auch die Handwerkskammer plädiert für eine engere Kooperation der Beratungseinrichtungen. Für Märländer ist ein wichtiges Ergebnis der Studie, dass man statt mit Vermutungen nun mit konkreten Daten arbeiten könne.
Wirtschaft hat auch mit Psychologie zu tun: Die Göttinger Forscher sehen die Gefahr dass die Grenzregion zum reinen Transitgebiet reduziert wird, wenn Blockaden beim Nachbarschaftsbewusstsein und Zusammenarbeit nicht überwunden würden. Man müsse eine regionale Identität in der Euroregion entwickeln, Unternehmen und Bevölkerung zu einer intensiveren Form des Miteinanders kommen.
Ein Ziel, dass seit Jahren mit viel Aufwand verfolgt wird. Aber solange existenzielle Fragen im Vordergrund stehen, bleibt es wahrscheinlich schwierig, schwant Ilona Petrick.

Hintergrund Viele Berater, ein Ziel
 Neben dem Deutsch-Polnischen-Eurozentrum in Guben gibt es bei den Kammern Informationspartner für Betriebe und das Regionale Kooperationsbüro der Industrie- und Handelskammern Cottbus und Zielona Góra.