Von Daniel Schauff

Irgendwo ist er versteckt, der Schatz. Kinder haben ihn gefunden. Auf dem Areal des Landgasthofes Urwald in Groß Jamno. Die Schatztruhe muss ge­plündert werden, so viel ist sicher. Allerdings nach strengen Regeln. Die kommen nicht etwa von Rosemarie Maaß oder Ulrike Grätz, den beiden Erzieherinnen. Die Regeln kommen von den Kindern selbst.

Es ist ein Beispiel dafür, was es bedeutet, eine Papilio-Kita zu sein. Papilio ist ein Sozialunternehmen aus Bayern und Träger von Präventionsprogrammen für Kitas und Grundschulen. Die Programme, die Papilio anbietet, sollen Sucht und Gewalt vorbeugen. Ein schwieriges Thema vor allem dann, wenn es um Kita-Kinder geht. Denn in dem Alter spielt zumindest die Sucht eher selten eine Rolle. Trotzdem – mit dem Programm, sagt die Kinderland-Leiterin Kerstin Schlammer, werde ein Fundament gelegt für ein willensstarkes und mental starkes Kind.

In drei Maßnahmen teilt sich das Papilio-Programm: in den Spielzeug-macht-Ferien-Tag, bei dem Kinder ohne Spielzeuge zum Beispiel mit Pappkartons spielen. Das Ziel: Statt eines vorgegebenen Spielverlaufs – mit dem Feuerwehrauto spielt man schließlich Feuerwehr – sollen die Kinder selbstständig und gemeinsam entscheiden, was der Pappkarton nun im Spiel sein soll. Vielleicht ein Feuerwehrauto. Vielleicht aber auch eine Schatzkiste.

Beim Mein-deins-deins-unser-Spiel stellen die Kinder selbst Regeln auf, die für eine Gruppe gelten und befolgt werden müssen. Soziales Verhalten, das ihnen später im Leben helfen soll.

In „Paula und die Kistenkobolde“ geht es zunächst um die Kobolde Heulibold, Zornibold, Bibberbold und Freudibold. Dahinter stecken natürliche menschliche Gefühle wie Trauer, Zorn, Angst und Freude. Alles, sagt Kerstin Schlammer, müssten Kinder als Gefühle kennen- und zulassen lernen, bei sich und bei anderen.

Seit 2009 setzt das Kinderland auf Papilio und macht gute Erfahrungen damit. Gerade, weil unter den rund 160 Kindern viele aus Familien kämen, in denen es Probleme gebe, sagt die Kita-Leiterin.

Familien – mit dem Stichwort schließt sich der Kreis zum Nachmittag in Groß Jamno. Seit Oktober holt die Kita Kinderland Familien noch stärker mit ins Boot, hat im Rahmen des Papilio-Programms einen Papilio-Elternclub ins Leben gerufen. Die Erzieherinnen Rosemarie Maaß und Ulrike Grätz haben sich dafür extra weiterbilden lassen. In regelmäßigen Abständen treffen sich Eltern und Erzieherinnen zum Austausch über Erziehungsfragen.

Das Wort „Ratschläge“ will Kerstin Schlammer vermeiden. „Ratschläge sind immer auch Schläge“, sagt sie. Vielmehr stehe der Austausch im Fokus. Sechs Treffen hat es seit Oktober gegeben, sieben bis zehn Elternteile hätten regelmäßig teilgenommen, sagt Rosemarie Maaß. Ein Erfolg, sagt die Kita-Leiterin.

Am Freitag in Groß Jamno wird der gefeiert. Die Teilnehmer hätten sich entschieden, nicht noch einmal ein Thema zu besprechen, sondern das letzte reguläre Treffen zum Familiennachmittag zu machen. Dass auch dabei die Papilio-Programme eine Rolle spielen, demonstrieren die Schatzkiste-öffnen-Regeln deutlich. Dass auch die Eltern davon profitieren, bestätigen die, die am Nachmittag „im Urwald“ dabei sind.

Wie sich das Papilioprogramm im späteren Leben zeigt, das will Kerstin Schlammer nicht mutmaßen. „Aber das Fundament stimmt“, sagt sie.