Von Sven Hering

Die Stadt Forst ist das Zentrum der Drogenkriminalität im Spree-Neiße-Kreis. Das hat Bettina Groß, Leiterin der Polizeiinspektion Cottbus/Spree-Neiße, jüngst im Rahmen der Stadtverordnetenversammlung erklärt. So wurden ihren Angaben zufolge im Jahr 2018 insgesamt 105 Rauschgiftdelikte in der Stadt registriert. Ein Jahr zuvor waren es noch 86.

Auch die Zahl der Konsumentendelikte ist deutlich gestiegen, von 59 auf 81. Bei letzteren Vergehen handelt es sich laut Bettina Groß vor allem um Forster Bürger. Bei Einfuhrdelikten würden häufig auch Personen gestellt, die auf der Durchreise sind. Der unerlaubte Anbau ist laut Statistik allerdings zurückgegangen. Zehn Fälle waren es 2017, im vergangenen Jahr tauchten dann noch drei in der Statistik auf.

Zweifel an den Zahlen

Die Forster Stadtverordneten bezweifelten die von der Polizeichefin vorgebrachten Zahlen. Thomas Engwicht (Gemeinsam für Forst) erklärte: „Wenn ich schon alleine meine Kinder höre, was in den Schulen so los ist, da erscheint mir es doch sehr wenig, was in der Statistik auftaucht.“ Bettina Groß antwortete: „Das, was ihre Kinder feststellen, wird immer mehr sein als die Delikte, die wir bei uns registriert haben. Je mehr wir kontrollieren, desto mehr Täter bekommen wir.“ Ziel der Polizei sei es nicht, möglichst viel Kriminalität zu produzieren. „Uns würde es viel besser gefallen, wenn wir präventiv so erfolgreich wären, dass niemand auf die Idee kommt, Betäubungsmittel zu konsumieren“, so die Polizeichefin.

Mehr Kontrollen als Mittel zur Abschreckung

Engwicht plädierte dennoch für mehr Kontrollen, „damit wir vielleicht auch eine gewisse Abschreckung hinbekommen“. Ähnlich äußerte sich Thomas Jaehn (AfD). „Es ist schon ein bisschen fragwürdig, die Prävention gerade bei Jugendlichen an die erste Stelle zu setzen. Wann haben Sie mal zuletzt eine unangemeldete Razzia in der Schule durchgeführt und knallhart Taschenkontrollen durchgeführt“, wollte er von der Polizeichefin wissen. „Nur eine Null-Toleranz-Politik hilft da weiter, dann kann man als Elternteil sicher sein, dass da nichts passiert.“

Keine Razzien an Schulen

Razzien an Schulen werden von der Polizei nicht vorgenommen, antwortete Bettina Groß. „Das Hausrecht hat der Direktor und der kann Taschenkontrollen veranlassen. Wir haben gar keine Rechtsgundlage, um anlassunabhängig an einer Schule Taschenkontrollen durchzuführen“, so Groß.

Thomas Jaehn plädierte dafür, auch in einschlägigen Clubs zu kontrollieren. „Es wäre schon mal interessant zu sehen, wie da der Drogenkonsum vonstatten geht.“ Derartige Durchsuchungen bedürfen eines entsprechenden Durchsuchungsbeschlusses der Staatsanwaltschaft, so die Polizistin. „Wenn wir rechtlich verwertbare Hinweise haben, dann werden wir sowas machen.“

„Meiner Ansicht nach sprechen die Zahlen dafür, dass noch viel stärker aufgeklärt werden muss. Was für einen Plan hat die Polizei dafür?“, wollte Hans-Jürgen Hay (AfD) wissen. Bettina Groß dazu: „Wir müssen Kinder stark machen, dass sie erst gar nicht Betäubungsmittel konsumieren. Prävention halte ich deshalb für ein ganz wichtiges Mittel, um dem vorzubeugen. Dabei fange ich erstmal mit Aufklärung an.“ Kindern und Jugendlichen müsse deutlich gemacht werden, dass sie sich durch Drogen ihr Leben ruinierten.

Eltern und Lehrer gefordert

Eltern, Lehrer oder auch die Trainer in Sportvereinen seien gefordert, bei ersten Anzeichen von Drogenkonsum zu reagieren. „Wenn der Jugendliche bei uns auffällig wird, ist vieles schon im Vorfeld passiert. Wenn ich Drogen konsumiere, dann merkt das das persönliche Umfeld“, so Bettina Groß. „Man kann das eigene Kind bei der Polizei anzeigen, um Druck aufzubauen. Das ist eine Variante. Aber dann sollte man auch ein Konzept haben, wie man weiter damit umgeht. Da muss die Schule mitarbeiten. Es kann auch sein, dass besonders bei jungen Leuten der Schuss vor den Bug über die strafrechtliche Verfolgung etwas in Gang setzt.“

Keine einzige Anzeige von Schuldirektoren

Thomas Jaehn wollte wissen, wieviele Anzeigen von Schuldirektoren oder Lehrern im vergangenen Jahr wegen Drogendelikten aufgegeben worden seien? Die Antwort der Polizei: keine einzige. Thomas Engwicht zeigte sich darüber schockiert: „Wenn ich sehe, dass es null Anzeigen von Schuldirektoren gibt, dann ist das für mich nicht hinnehmbar.“

Bettina Groß lieferte aber auch dafür eine Erklärung: „Schuldirektoren haben häufig Angst, dass bei Anzeigen der Ruf der Schule leidet. An der Stelle muss man den Direktoren vielleicht die Angst nehmen, und das kann die Gesellschaft machen.“

Stadtverordneter nimmt Pädagogen in die Pflicht

Thomas Jaehn plädierte dafür, sich stärker auf die Schulen zu konzentrieren, um schon dort das Problem anzugehen. „Es geht dabei nicht nur um Aufklärung“, betonte er. Man wisse, was die Drogen anrichten würden. „Lehrer und Direktoren haben eine Verantwortung gegenüber ihren Schülern. Sie müssen ihrer Arbeit nachkommen und können nicht einfach wegsehen“, erklärte der Stadtverordnete. Jaehn: „Ich glaube, wenn der Schüler von einem Uniformträger einmal so richtig die Leviten gelesen bekommt, das hilft unheimlich gut.“