ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:00 Uhr

Lernen in den Ferien
Plinze backen auf Sorbisch

Beim Plinzebacken sorbisch lernen, heißt es für die Kinder des Witaj-Camps. Lehrerin Julia Schmidt (3.v.l.) sorgt für die sprachliche Anleitung.
Beim Plinzebacken sorbisch lernen, heißt es für die Kinder des Witaj-Camps. Lehrerin Julia Schmidt (3.v.l.) sorgt für die sprachliche Anleitung. FOTO: LR / Katrin Kunipatz
Jerischke. Im Schullandheim Jerischke ist das Witaj-Camp zu Gast. Sonst ist die heimische Natur Lerninhalt. Von Katrin Kunipatz

Sorbische Worte erklingen am improvisierten Herd im Schullandheim Jerischke. Kinder des Witaj-Camps backen am Dienstagnachmittag Plinze. Das Rezept hat Lehrerin und Camp-Betreuerin Julia Schmidt auf Sorbisch notiert. Mancher schaut ins Wörterbuch, andere sind vertrauter mit der Sprache und rühren schon Mehl, Buttermilch, Eier und die anderen Zutaten zusammen.

Unterdessen steht Julia Schmidt bei den Pfannen. Sie spricht sorbisch mit den Kindern, die antworten ihr oft auf Deutsch. Dies sei nicht schlimm. „Eine Sprache lernt man durch Hören und den Umgang im Alltag“, erklärt sie. Genau das passiert beim Witaj-Camp, das in diesem Jahr zum 13. Mal stattfindet. Victor Zakar, Leiter des Witaj-Sprachzentrums in Cottbus, lobt die Zusammenarbeit mit dem Schullandheim. Spielgeräte und Natur rundherum seien gut für die Kinder.

Genügend Gründe, regelmäßig in die Einrichtung nach Jerischke zu kommen. Dietmar Thron, Leiter des Schullandheims in Jerischke, bestätigt, dass das Witaj-Camp zum zehnten Mal hier sei. Es sind nicht die einzigen Stammgäste. Thron berichtet von Lehrerinnen, die bereits ein oder zwei Jahre im Voraus Termine für ihre Klassen reservieren.

Im Unterschied zu einer Jugendherberge sei ein Schullandheim eher eine Bildungseinrichtung, so Thron. „Die Kinder lernen bei uns in der Natur, aber auch, was es heißt, 24 Stunden gemeinsam zu verbringen“, sagt der 59-Jährige. Er leitet seit der Wende das Schullandheim. Zum Team gehören seine Ehefrau Kerstin Thron und eine weitere Mitarbeiterin. Im vergangenen Jahr betreuten sie rund 1300 Gäste, die insgesamt 3000 Nächte in Jerischke blieben. Die meisten Schulklassen kommen aus dem Landkreis Spree-Neiße und aus Cottbus, aber auch aus Dresden, Berlin oder Weißwasser. Selbst Studenten der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden nutzen das Schullandheim regelmäßig. Von den Universitäten Potsdam und Hamburg seien schon Studenten gekommen, um den Faltenbogen kennenzulernen, berichtet der Leiter.

Das Bildungsprogramm in Jerischke richtet sich jedoch an Schulklassen und Vorschulkinder. „Die Lehrer bringen ihre Ideen mit und wir helfen bei der Umsetzung“, erklärt Dietmar Thron. Genutzt werden vor allem Ziele in der Umgebung. Beliebt seien die Wanderungen zu einem der beiden Ziegenhöfe. Dort lernen die Kinder, wie Butter und Käse gemacht werden. Im Infozentrum des Geoparks hält Dietmar Thron seine „Tierstunde“ ab. Dank der umfangreichen Sammlung mit Präparaten heimischer Wildtiere, die die Fürst-Pückler-Stiftung als Leihgabe bereitstellt, können Marder, Biber oder Hase ganz nah betrachtet werden. Das Wissen dafür habe er sich selbst angeeignet, so der Hobbyimker.

Antrieb dafür ist seine Begeisterung für die Aufgabe als Leiter des Schullandheims Jerischke. Ein Job, den man auf keinen Fall in acht Stunden erledigen kann. Die Thorns sind da, wenn sie von den Gästen gebraucht werden. Beispielsweise, weil plötzlich der Strom am Herd fehlt und die Plinze nicht braun werden. Dafür wurden sie von den Kindern zur Jury erkoren und durften die sorgfältig dekorierten Plinze verkosten.