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Planung für den Ostsee nimmt jetzt Fahrt auf

So könnte es im Jahr 2030 am Ostsee aussehen. Im Vordergrund ist der Merzdorfer Aussichtsturm mit der Kaimauer zu sehen.
So könnte es im Jahr 2030 am Ostsee aussehen. Im Vordergrund ist der Merzdorfer Aussichtsturm mit der Kaimauer zu sehen. FOTO: Vattenfall (Montage)
Cottbus. Die Zeit drängt: Schon 2018 soll die Flutung des Cottbuser Ostsees beginnen. Jetzt sind zumindest die nächsten Planungsschritte vorgezeichnet: Vattenfall finanziert die Ausarbeitung von Entwürfen für eine Kaimauer und den Hafenbereich. Andrea Hilscher undSven Hering

Henry Ripke, Gastprofessor der BTU, ist begeistert von der Idee des Ostsees. "Welche Großstadt bekommt sonst schon die Chance, plötzlich Hafenstadt zu werden?" Er versucht, die Abgeordneten im Rathaus mit seiner Begeisterung anzustecken und bekommt jetzt Rückenwind von Vattenfall: Der Energiekonzern hat sich verpflichtet, in diesem Jahr eine Vorplanung die Kaimauer und Hafenbereich zu finanzieren.

Dabei, so die Auflagen der Stadtverordneten, soll Vattenfall von einem Planungsbüro mindestens drei Grundvarianten für die Kaimauer vorliegen. Zwei dieser Varianten sollen auf Grundtypen beruhen, die Henry Ripke zusammen mit seinen Studenten erarbeitet hat. Grundtyp A basiert dabei auf einer linearen Kaimauer, wie sie derzeit auch im Masterplan "Cottbuser Ostsee" vorgesehen ist.

Grundtyp B favorisiert eine frei geformte Kaimauer, die sich beispielsweise wellenförmig an die Uferlinie schmiegt. Voraussichtlich im September 2014 will sich die Stadt dann für eine Vorzugsvariante entscheiden, die weiter verfolgt werden soll. Die bisher vorgelegten Entwürfe für die Kaimauer kosten je nach Länge der Mauer zwischen 1,4 Millionen und 5,2 Millionen Euro. Geld, das die Kommune nicht aufbringen kann. "Daher wäre es sinnvoll, wenn sich die Stadt darum bemüht, das Osthafenprojekt einzubetten. Am besten, Cottbus bemüht sich um eine Bundesgartenschau, in deren Rahmen der Osthafen finanziert werden kann", so die Empfehlung des Architekten Henry Ripke.

Ein Vorschlag, den auch der Stadtverordnete Denis Kettlitz, SPD, unterstützt. "Der Cottbuser Ostsee bietet eine einmalige Chance", sagt er.

Iga am Wasser?

Eine Bundesgartenschau am Wasser oder auch eine Internationale Gartenausstellung (IGA) könnten dem Projekt und damit der Stadt einen großen Schub geben. "Wir haben ja gesehen, was damals alles durch die Buga in Cottbus möglich wurde", sagt er. Gleichzeitig begrüßt der SPD-Stadtverordnete das weitere Vorgehen. "Es ist gut, dass wir die Bürger mitnehmen." Die Studentenentwürfe haben ihn begeistert. Einen Favoriten hat er dabei auch: die Ostsee-Seeschlange. Bei dem Entwurf von David Hein und Simon Hawkins haben alle Hotelzimmer Seeblick, die Kaimauer an der Uferpromenade ist gleichzeitig Anleger für Boote. Durch die gewundene Form entstehen kleine Buchten. Das Gebäude selbst ist zum Wasser hin abgesenkt.

Hagen Strese, CDU, glaubt dagegen nicht an eine zweite Buga-Chance für Cottbus. "2015 findet die Buga im Havelland statt, da wird es nicht so schnell wieder eine in Brandenburg geben." Die Bewerbung um eine IGA allerdings sei bestimmt ein guter Weg, die Osthafengestaltung voranzutreiben.

Torsten Kaps, AUB, appellierte kurz vor Ende der Legislaturperiode an die Mitglieder des Bauausschusses. "Cottbus hat viele Pläne, aber nur eine einzige Vision. Die Chance, die der Ostsee für die Stadt bedeutet, sollten wir nicht leichtfertig verspielen, indem wir immer neue Sparvarianten durchspielen. Dann bleibt am Ende von der Vision nichts übrig." Andere Abgeordnete hatten sich in der Vergangenheit ebenfalls gegen ein zu starkes Spardiktat ausgesprochen. "Einen gewissen Standard müssen wir halten, sonst erleben wir eine böse Überraschung", erklärte Ulrich Schur (Linke). Das Lausitzer Seenland mit zum Teil großen Landesinvestitionen sei ein ernstzunehmender Konkurrent, wenn es um Touristen gehe. "Wir dürfen deshalb nicht zweit- oder drittklassig werden", so Schur.

Größter See des Landes

Mit 1900 Hektar Wasserfläche wird der Ostsee der größte See im Land Brandenburg sein. Im Gegensatz zu anderen Tagebaurestseen ist laut Vattenfall mit einer guten Wasserqualität zu rechnen. "Das liegt vor allem an der direkten Anbindung an die Spree und an den hohen Anteilen natürlicher kalkhaltiger Sedimente in der Kippe", so Vattenfall-Sprecher Thoralf Schirmer. Allerdings: Für Taucher wird das Gewässer weniger interessant. Denn besonders tief soll die Cottbuser Badewanne nicht sein - die Planungen sprechen von zwei Metern bis 3,70 Meter.