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Pläne für den Faltenbogen

Eine Wanderung zu den Drachenbergen im Geopark Muskauer Faltenbogen.
Eine Wanderung zu den Drachenbergen im Geopark Muskauer Faltenbogen. FOTO: geopark
Spree-Neiße. Ein deutsch-polnisches Geoparkbüro ist Voraussetzung für die Verlängerung des Unesco-Titels. Ein grenzübergreifender Verband soll her. Katrin Kunipatz

Erst seit einem Jahr trägt der Geopark Muskauer Faltenbogen offiziell das Unesco-Siegel Globaler Geopark. Und schon geht es darum, diesen Titel zu verteidigen. Dafür sind der Betrieb und die Unterhaltung eines deutsch-polnischen Geoparkbüros unabdingbar, erläutert Spree-Neiße-Umweltdezernent Olaf Lalk im Wirtschaft- und im Finanzausschuss. Spätestens im September 2018, wenn die nächste Evaluierungsrunde ansteht, muss diese grenzüberschreitende Struktur vorhanden sein. "Können wir diesen Nachweis nicht erbringen, werden wir die Anerkennung als Unesco-Geopark verlieren und aufgrund der starken Konkurrenz wohl auch nicht wiederbekommen", sagt Olaf Lalk.

Einzige Möglichkeit, diese grenzüberschreitende Zusammenarbeit auf sichere Füße zu stellen, sei die Gründung eines Europäischen Verbundes für territoriale Zusammenarbeit (EVTZ), so der Dezernent. In diesem EVTZ "Polnisch-Deutscher Unesco Global Geopark Muskauer Faltenbogen" würden neben dem Landkreis Spree-Neiße auch der Landkreis Görlitz, das Marschallamt der Wojewodschaft Lubuskie, der polnische Staatsforst, das Amt Döbern-Land, die Städte Weißwasser und Bad Muskau sowie Leknica und Trzebiel eingebunden sein. Über Details zur Satzung und Finanzierung des Verbundes muss noch verhandelt werden. Erfahrungen mit einem EVTZ gibt es bisher nur in Sachsen. Für den Neubau der Autobahn A 17 von Dresden nach Prag war damals ein entsprechender Vertrag ausgehandelt worden.

Vorgesehen ist den EVTZ Muskauer Faltenbogen mit 250 000 Euro auszustatten. Von diesem Gesamtbudget sollen drei bis vier hauptamtliche Mitarbeiter und die Sachkosten bezahlt werden. Darüber hinaus werde es eine Aufgabe des im polnischen Leknica angesiedelten Geoparkbüros sein, mit diesem Geld weitere Fördermittel zu akquirieren, erklärt Olaf Lalk. Der Landkreis Spree-Neiße will nach derzeitigen Planungen für den EVTZ jährlich rund 80 000 Euro zur Verfügung stellen. Ähnliches habe auch der Landkreis Görlitz signalisiert. Weitere Absprachen über die Finanzierung wird es im Verlauf der Gründung auch noch mit den anderen Partnern geben.

Bevor die Kreisverwaltung Spree-Neiße Details zur Gründung des Europäischen Verbundes aushandelt, will sie sich am 12. Juli vom Kreistag grünes Licht für das Projekt holen. Im Landkreis Görlitz steht einen Grundsatzbeschluss zum Unesco Global Geopark Muskauer Faltenbogen am 28. Juni an.

Im Wirtschaftsausschuss und auch im Finanzausschuss Spree-Neiße stieß das Vorhaben auf Zustimmung. Jens-Uwe Winkler (Freie Wähler SPN) erklärte, man müsse das Projekt auf den Weg bringen und die touristischen Möglichkeiten in der Region ausschöpfen. Frank Hildebrand (Freie Bürger) begrüßte die Initiative. Mit Blick auf den Strukturwandel sei es nötig, Gebiete für den Tourismus anzubieten. "Das Beispiel Spreewald zeige positiv den Erfolg eines Unesco-Siegels", sagte der Burger Kreistagsabgeordnete. Christina Schönherr wies darauf hin, dass Details zum geltenden Recht und Haftungsfragen noch nicht ausreichend in den Unterlagen berücksichtigt seien. Olaf Lalk kündigte an, dass vor der Gründung des EVTZ eine entsprechende Klärung erfolgen wird.

Der Gründung selbst und dem Beitritt des Landkreises zum Verbund muss der Kreistag später noch gesondert zustimmen.

Zum Thema:
Im Januar 2004 wurde der Förderverein Geopark Muskauer Faltenbogen gegründet. 2006 erhielt der Faltenbogen den Status Nationaler Geopark und war damit der siebte in Deutschland mit diesem Titel. Seit 2011 ist der Muskauer Faltenbogen Mitglied im Europäischen Geopark Netzwerk. Im September 2015 erhielt der Geopark nach einer Evaluierung die Bestätigung dafür. Im November 2015 erfolgte die Anerkennung als Unesco Global Geopark. Voraussichtlich ab September 2018 beginnt die Reevaluierung. Die Entscheidung, ob der Titel Unesco Global Geopark bleibt, fällt 2019.