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Landwirtschaft
Nah dran an den Landwirten

Auf den Rekultivierungsflächen im Tagebau Jänschwalde erfuhren die Teilnehmer viel von Bernd Starick (3.v.r.) von der Bauern AG Neißetal.
Auf den Rekultivierungsflächen im Tagebau Jänschwalde erfuhren die Teilnehmer viel von Bernd Starick (3.v.r.) von der Bauern AG Neißetal. FOTO: Landesbauernverband / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Forst. Pilotprojekt „Landwirtschaft mobil erfahren“ startete auf Gut Neu Sacro und soll weitergehen. Von Steffi Ludwig

Der Bevölkerung zeigen, wie facettenreich die Arbeit der Landwirte ist – das ist das Hauptanliegen des Projektes „Landwirtschaft mobil erfahren“, das der Landesbauernverbandes Brandenburg ins Leben gerufen hat. Der Pilottag dazu startete am Donnerstag auf dem Gut Neu Sacro in Forst. „Wir haben uns drei ganz unterschiedliche Stationen ausgesucht, um den Nicht-Landwirten eine große Bandbreite zu zeigen“, sagte Holger Brantsch, Pressesprecher des Landesbauernverbandes. „Und da hier der Tagebau eine Rolle spielt und es aktuell einen Betreiberwechsel durch die Leag gab, haben wir uns für diese Region entschieden.“

Denn im Tagebau Jänschwalde gibt es Kippenböden, die seit inzwischen 17 Jahren wieder urbar gemacht werden. Eine Arbeitsgemeinschaft Rekultivierung, gebildet aus der Bauern AG Neißetal und den  Agrargenossenschaften Forst und  Heinersbrück, realisiert dies. Bernd Starick, Vorstand der Bauern AG Neißetal, erläuterte dies vor Ort den rund 30 Teilnehmern von „Landwirtschaft mobil erfahren“ – darunter Wissenschaftler der BTU Cottbus-Senftenberg und der Berliner Humboldt-Uni sowie andere Landwirte. „Wir haben bereits mehrere hundert Hektar wieder hergerichtet, als Acker oder Wald“, so Bernd Starick. Er zeigte den Teilnehmern, wie die Böden wieder hergestellt werden oder wie die Fruchtfolge läuft. „Einen Teil der Flächen haben wir zur Nutzung gepachtet“, berichtet er. Diese Rekultivierung wird Interessenten auch bei den Neuland-Touren gezeigt, die vom Gut Neu Sacro angeboten werden.

Auf dem Gut selbst zeigte der Vorstand die neue Milchviehanlage. Egon Rattei, ehemaliger Vorsitzender der Agrargenossenschaft Forst, führte die Hand der achtjährigen Forsterin Maria Lena an das Euter einer Kuh. „Denn wir müssen auch der jungen Generation vermitteln, wo die Milch herkommt“, sagte Rattei. Maria Lena, die mit ihrem Papa Matthias Kohlstock dabei ist, bezeichnete als schönstes Erlebnis des Tages, als das Kälbchen an ihrem Finger genuckelt habe. Auch die Erwachsenen bekamen Fragen beantwortet: Wie wird gemolken, wie gefüttert?

Auf einer weiteren Station unweit des Gutes Neu Sacro erklärte die Vorsitzende der Agrargenossenschaft Forst, Susanne Zahn, ihr Projekt Agroforstkultur: Auf Feldern, wo Zuckerrüben angebaut waren und die Agrargenossenschaft mit Winderosion zu kämpfen hatte, wurden im Jahr 2009 Baumreihen aus Pappeln und Robinien gepflanzt. 2011 sei nachgepflanzt worden, der zweite Teil folgte 2014. Hier war auch die BTU Cottbus-Senftenberg für Forschungen eingebunden worden. Es konnte eine Reduzierung der Winderosion und ein Schutz des Bodens vor Verdunstung festgestellt werden. Inzwischen gehe die Forschung eher vom Boden weg in Richtung Mikroklima, erklärt Michael Kanzler vom Fachgebiet für Bodenschutz und Rekultivierung der BTU Cottbus-Senftenberg. „Es ist wichtig zu zeigen, dass die Landwirte nicht nur Kühe melken, sondern mit der Wissenschaft zusammenarbeiten“, bringt es Egon Rattei auf den Punkt.

Nach der dritten Station bei den Landwirten Steffen und Lothar Müller in Lauschütz und einem Kaffee im Heuhotel sind alle der Meinung, dieses Format weiterzuführen. „Wir wollen versuchen, es in jedem Landkreis zu etablieren“, so Holger Brantsch. Dazu sei eine Förderung, eventuell wie jetzt durch die landwirtschaftliche Rentenbank, nötig.