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| 14:47 Uhr

Neues Projekt
Schreiben gegen die Sucht

Das Redaktionsteam des Rasenden Alkoporters Martyna Mach, Nora Lippert und Pascal Sasker (v.l.) mit Fanny Blatt.
Das Redaktionsteam des Rasenden Alkoporters Martyna Mach, Nora Lippert und Pascal Sasker (v.l.) mit Fanny Blatt. FOTO: Steffi Ludwig / LR
Forst. Im Pilotprojekt des Newsletters „Rasender Alkoporter“ sind Jugendliche für Jugendliche aktiv. Von Steffi Ludwig

Kiffen auf Rezept oder die Wahl ab 16 – das sind zwei Themen, die in der ersten Ausgabe des „Rasenden Alkoporters“ eine Rolle spielen. Geschrieben haben die Artikel Martyna Mach (16) und Nora Lippert (16) vom Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium Forst sowie Pascal Sasker (15) von der Gutenberg-Oberschule. Die drei bilden das Redaktionsteam des „Rasenden Alkoporters“ – einem Newsletter, der an Schulen, aber auch anderen Einrichtungen wie dem Jobcenter oder Suchtberatungsstellen bis nach Cottbus oder Spremberg verteilt werden soll.

Ausgedacht hat sich das Projekt Fanny Blatt (33). Sie hat die im vorigen Juli bei der Stadt geschaffene Stelle mit dem sperrigen Namen Sachbearbeiterin Sucht- und Drogenprävention/Gesundheitsförderung inne. Kurzum: Es soll darum gehen, Forster von jung bis alt gegen die Sucht zu stärken. Anlass für die Schaffung der Stelle war der alarmierende Anstieg der Rauschgiftdelikte in Forst gewesen.

Mit dem „Rasenden Alkoporter“ sollen vor allem Jugendliche angesprochen werden. Deshalb hat sich Fanny Blatt an den Kinder- und Jugendbeirat der Stadt gewandt. In Martyna Mach vom Beirat fand sie ein Redaktionsmitglied, in deren Klassenkameradin Nora Lippert ein weiteres. Um auch andere Schulen zu beteiligen, wurde Pascal Sasker ausgesucht. Denn es hatte mehr Bewerber auf die drei Redaktionsplätze gegeben, so Fanny Blatt. Doch mehr als drei wählte sie nicht aus, da das Team sonst zu groß würde und für diese drei auch eine kleine Aufwandsentschädigung gezahlt wird, beispielsweise für Fahrten mit dem Bus zu Terminen.

In dieser Woche fand die dritte Redaktionssitzung statt. Fanny Blatt stellte den Layout-Entwurf, den die Cottbuser Medienwerkstatt von Jana Bretschneider erstellt hatte, vor. Er kam gut bei den Jugendlichen an, ebenso der Vorschlag, Comic-Gerippe als wiederkehrendes Element einzubauen. Aus den ursprünglich geplanten vier Seiten sind inzwischen acht geworden, also eher eine kleine Zeitung. „Wir wollen kürzere, leicht lesbare Texte anbieten und hatten jetzt einfach zu viele Themen“, erklärte Fanny Blatt. Auch sie selber habe sich etwas in die Jugendsprache eingearbeitet, berichtet sie schmunzelnd, damit auch ihre Texte gut bei der Zielgruppe ankommen. „Lässig“ oder „auf oberzack sein“: „Kann ich das so schreiben?“, fragte sie das Team. Das nickte und hatte gleich noch eigene Vorschläge parat: sogenannte Bitmojis, ein zum Autor passendes Bild, einzubauen, ebenso Sprechblasen mit kleinen Informationen. Pascal Sasker trug zudem seinen Text über das Kiffen auf Rezept vor – den Fakt, dass Cannabis bei bestimmten Krankheiten auch verschrieben werde. Dennoch sollte man hinzufügen, dass Cannabis die Gehirnzellen kaputt macht, sagte Fanny Blatt. Sie selbst hat eine Doppelseite über Rauschmittel von Alkohol bis Crystal Meth und deren Wirkungen beigesteuert. In der nächsten Ausgabe – der „Alkoporter“ soll vierteljährlich erscheinen – werde es um stoffungebundene Rauschmittel wie Spiel- oder Kaufsucht gehen. Auch Notfallnummern oder Jugendtelefon sollen aufgeführt werden. „Selbst wenn wir nur einen von fünf Jugendlichen erreichen, ist es schon ein Erfolg“, so Fanny Blatt.

Der Redaktion gefällt die Arbeit: „Bei uns an der Schule gibt es schon Probleme mit dem Rauchen und dass man ausgegrenzt wird, wenn man nicht mitmacht“, sagt Nora Lippert. Diesen Jugendlichen zu zeigen, wie schädlich es ist, sei eines der Ziele, sagt die 16-Jährige, die sich zudem vorstellen könnte, später im Journalismus zu arbeiten.

Der „Alkoporter“ soll um Ostern herum gedruckt und nach den Osterferien verteilt werden.