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| 15:15 Uhr

Forst
Party mit Schnitzel statt Bockwurst

Forst. Döbern will aus Anlass 50 Jahre Stadtrecht in diesem Jahr feiern – trotz Ebbe in der Kasse. Von Sven Hering

In Döbern gibt es in diesem Jahr Grund zum Feiern. Vor genau 50 Jahren wurde dem Ort das Stadtrecht verliehen.  Der Rat des Bezirkes Cottbus hatte das in seiner Sitzung vom 18. Juni 1969 beschlossen. Mit Wirkung zum 7. Oktober 1969 durfte sich die Gemeinde Döbern fortan Stadt nennen. Sicherlich vor allem ein Verdienst der Glasindustrie und der damit verbundenen wirtschaftlichen Bedeutung Döberns, heißt es auf der Internetseite der Kommune. Das Glaswerk beschäftigte im Jahr 1989 1725 Arbeitnehmer – und das bei einer Gesamtbevölkerung von 4732 Einwohnern.

Wer allerdings feiern möchte, der benötigt schon ein wenig Kleingeld, um eine Fete auf die Beine zu stellen. Und da fangen die Döberner Probleme an. Denn ein Blick in die Stadtkasse genügt, um festzustellen: Da herrscht gähnende Leere. Es kommt sogar noch schlimmer. Ende des Jahres 2018 war die Stadt mit reichlich 13 Millionen Euro verschuldet. Sonderwünsche sind da schon längst nicht mehr drin.

Die Döberner Stadtverordneten haben dennoch in ihrer vergangenen Sitzung eine bemerkenswerte Entscheidung getroffen. Für die Feier sollen 5000 Euro im aktuellen Haushalt eingestellt werden. Die ursprüngliche Idee, eine Teil der Förderung der Döberner Vereine für das Fest zu verwenden, wurde hingegen schnell wieder ad acta gelegt.

Dabei hatte der amtierende Amtsdirektor Sören Reichelt vor der Abstimmung noch erklärt: „Aus haushaltsrechtlicher Sicht dürfen wir für freiwillige Leistungen nicht mehr Geld ausgeben.“ Döbern tut es trotzdem. Für Manfred Balzer (FDP) die richtige Entscheidung: „Andere verschuldete Kommunen stören sich auch nicht dran und planen in ihren Haushalt Gelder für Feste ein.“ Bürgermeister Jörg Rakete (SPD) sieht vor allem eine Verpflichtung den älteren Döbernern gegenüber: „Für sie ist das Stadtrecht eine wichtige DDR-Errungenschaft.“ Gerade für sie möchte er eine kleine Feier auf die Beine stellen. „Da schwelgen viele noch in Erinnerungen, das ist vor allem eine sehr emotionale Geschichte“, ergänzt Rakete.

Der zwischenzeitlich diskutierte Vorschlag, mit der Sammelbüchse durch den Ort zu gehen, wurde sehr schnell wieder verworfen. Rakete erinnerte an eine ähnliche Aktion für die neue Stadtuhr. „Da standen Aufwand und Nutzen am Ende in keinem vernünftigen Verhältnis.“ Um verlässlich planen zu können, sei zudem ein fester Betrag wichtig. Der können durch eine Spendenaktion aber nicht garantiert werden.

Döberns Stadtoberhaupt rechnet freilich schon jetzt mit Ärger. „Ich gehen davon aus, dass das Haushaltssicherungskonzept nicht genehmigt wird.“ Diese hat die Stadt freilich auch schon in den vergangenen Jahren nicht bekommen. Trotzdem warnt Rakete davor, die finanziellen Fesseln so eng zu schnüren, dass kein gesellschaftliches Leben mehr im Ort möglich ist.

Und so gibt es jetzt zumindest ein Budget, mit dem ein kleines Fest organisiert werden kann. Große Sprünge, dessen sind sich die Döberner bewusst, sind mit 5000 Euro nicht möglich. „Doch vielleicht“, so sagt Jörg Rakete, „gibt es dann statt kalter Bockwurst doch wenigstens ein angewärmtes Schnitzel.“